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KBV 2020: Voller Einsatz für eine hochwertige ambulante Versorgung

Vertreterversammlung – Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen spricht sich in der Vertreterversammlung der KBV für eine bessere Patientensteuerung aus und ruft die Delegierten zum gemeinsamen Handeln auf.

Berlin, 4. Dezember 2015 – Mit einer klaren Ansage wartete Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), heute bei der Vertreterversammlung in Berlin auf. „Es muss Schluss sein mit unkontrollierten und selbstzerstörerischen Geisterfahrten.

Es ist wichtig, dass wir es gemeinsam schaffen. Die KBV hat eine Zukunft. Sie wird gebraucht. Mehr denn je.“ Er sprach sich für eine frühzeitige Positionierung der Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV zur Bundestagswahl 2017 aus. Zugleich kündigte er an, die KBV verändern zu wollen. „Daher habe ich das Konzept der KBV 2020 angestoßen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür streiten“, warb er bei den Delegierten.

Der KBV-Chef appellierte an die Delegierten, sich auf die gemeinsame Stärke zu konzentrieren. Gemeinsam müsse man die Frage beantworten, wo es in den kommenden Jahren mit der ambulanten Versorgung hingehen solle.

Gassen kritisierte die durch die Politik gewollte Entwicklung, die in eine zunehmende Verdrängung der freiberuflichen Ärzte in eigener Praxis münde. Er konstatierte einen Paradigmenwechsel in der Versorgungslandschaft. Der Rückbau ambulanter Strukturen und die Entmündigung des freien Arztes sei der „unausgesprochene Masterplan“ der Bundesregierung. „Wir erleben Praxen-Verdrängungsprogramme in Serie“, sagte Gassen.

Mit den an den Krankenhäusern einzurichtenden Notfallpraxen, die auf Kosten der Vertragsärzte entstehen, verabschiede sich die Bundesregierung von dem Prinzip „ambulant vor stationär“. Schon jetzt gebe es 3,7 Millionen Krankenhausfälle, die vermieden werden könnten, wenn das ambulante Potenzial richtig genutzt werden würde.

Solange es aber keine vernünftig ausgearbeitete Strukturreform gebe, werde eine koordinierte und qualitätsgesicherte Versorgung von Patienten im Notfalldienst nicht funktionieren. Erst im Anschluss einer solchen Reform könne man sich über vertragliche und finanzielle Maßnahmen Gedanken machen.

„Ziel einer jeden Reform muss die bestmögliche Nutzung der Ressourcen sein und zwar ambulant und stationär. Statt Umverteilung nach dem Gießkannenprinzip brauchen wir endlich eine sinnvolle Patientensteuerung“, führte Gassen aus. Daher begrüße es die KBV, wenn der Gesetzgeber die Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten und stationären Sektor stärken wolle. Dies müsse jedoch strukturiert und mit Augenmaß geschehen, so Gassen.

Der KBV-Vorstandsvorsitzende äußerte sich auch zu den Terminservicestellen. „Erst jüngst hat die OECD Deutschland eine gute ärztliche Versorgung mit im internationalen Vergleich ausgesprochen kurzen Wartezeiten attestiert. Das hat die Politik aber nicht davon abgehalten, Jagd auf das Phantom angeblich zu langer Wartezeiten zu machen.

Nun stehen die Terminservicestellen im Gesetz. Das eigentliche Problem bleibt aber bestehen. In manchen Regionen sind schlichtweg keine Fachärzte vorhanden. Eine Lösung hierfür können die Terminservicestellen auch nicht bieten. Auch ein Rückgriff auf Krankenhäuser ist aufgrund der nicht vorhandenen Personal-Ressourcen schlicht nicht möglich. Außerdem kann ein Klinikkollege in Weiterbildung den Facharzt nicht ersetzen.“

Rede von Dr. Andreas Gassen auf der Vertreterversammlung am 4. Dezember 2015