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Presse

Ärzteschaft: Bürgerversicherung bedeutet „Zwei-Klassen-Medizin durch die Hintertür“

Die SPD will mit einer Bürgerversicherung das Nebeneinander der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung beenden und stößt damit bei der Ärzteschaft weitgehend auf Ablehnung, wie die ARD in der Sendung „Bericht aus Berlin“ vom 10.12.2017 zeigt.

Gegenwärtig würde bei Privatpatienten alles bezahlt, was medizinisch möglich ist, bei GKV-Patienten hingegen alles, was medizinisch nötig ist, so der Bericht. Ein gedeckeltes Honorar würde Ärzte bei Kassenpatienten zur Sparsamkeit zwingen, bestätigte auch Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der Vertreterversammlung seiner Organisation, im Gespräch mit dem ARD: „Wenn Sie eine begrenzte Menge Geld haben, können Sie auch Leistungen nicht unbegrenzt einfordern, das ist ein Grundproblem der gesetzlichen Krankenversicherung“, so der KBV-Chef. Ärzte befürchten, dass mit der Bürgerversicherung eine „Zwei-Klassen-Medizin durch die Hintertür“ entstehen könne, da dann künftig für alle Patienten die Leistungen gedrosselt werden, heißt es in der Sendung. Die Politik würde in diesem Fall bestimmen, welche Behandlung finanziell angebracht ist und einige wenige Patienten könnten es sich leisten, Leistungen zusätzlich zu kaufen, so eine Fachärztin für Gynäkologie im Interview.

Befürworter der Bürgerversicherung hoffen auf das Ende einer Bevorzugung von Privatpatienten, für Kritiker hingegen bedeute dieses Modell eine Bevormundung der Versicherten. Der Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Karl Lauterbach, wies darauf hin, dass Ärzte unter der Bürgerversicherung für jeden Patienten das gleiche Honorar erhalten würden. Der nötige Honorarausgleich würde nach Einschätzung der SPD 11 Milliarden Euro im Jahr kosten. Laut der CDU-Gesundheitspolitikerin Karin Maag sei die Union erst dann zu Gesprächen über die Bürgerversicherung bereit, wenn eine Große Koalition „an einer vermeintlichen Ungleichbehandlung“ zu scheitern drohe.


Video: ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ vom 10.12.2017