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Köhler: All das kann nur der Arzt!

Vertreterversammlung - KBV-Chef erinnerte Politik und Krankenkassen daran, dass der Arzt in seiner Funktion mehr denn je unersetzbar ist. Die Kassen arbeiteten zunehmen mit Tricks, sagte, und kündigte einen Krankenkassen-Navigator im Internet an.

Nürnberg, 21. Mai 2012 – „Der Arzt ist heute der Dreh- und Angelpunkt in der Gesundheitsversorgung. An je mehr Orten Gesundheitsversorgung stattfindet, und je mehr Akteure daran beteiligt sind, desto stärker bedarf es eines Ankerpunktes, an dem alle Fäden zusammenlaufen. Der Arzt ist nicht nur ein ‚Kümmerer‘, er ist auch Koordinator und Manager. Er hat eine Schutzfunktion für den Patienten. Er ist es, der den Überblick behält, der Behandlungsschritte abwägt und Prioritäten setzt. Bei all dem helfen keine Telemedizin, kein Outsourcing und auch keine Delegation. All das kann nur der Arzt!“ Das hat Dr. Andreas Köhler, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), heute auf der Vertreterversammlung seiner Körperschaft in Nürnberg erklärt.

Die Entwicklung führe nicht gerade dazu, dass die Aufgaben der Ärzte abnähmen, sagte Köhler. Dies belege jetzt auch eine Umfrage unter den Ärzten, welche die KBV zusammen mit dem NAV-Virchow-Bund am 5. Juni präsentieren wird. Ein Ergebnis daraus ist, dass die Arbeitsbelastung der Ärzte insgesamt hoch ist und die Zeit für die Patienten nicht ausreicht. Im Schnitt arbeiten Haus- und Fachärzte über 55 Stunden in der Woche. Dabei behandeln Fachärzte mehr als 40 Patienten am Tag, Hausärzte sogar mehr als 50.

Vor allem die Bürokratie stehle den Ärzten wertvolle Behandlungszeit, sagte der KBV-Vorsitzende. „Das Motto muss lauten: versorgen statt verwalten!“, erklärte Köhler.

Köhler griff die Krankenkassen scharf an, welche in jüngerer Zeit die Rechte der Vertragsärzte und Psychotherapeuten mit Tricks auszuhebeln versuchten. „Die Kassenseite versucht neuerdings, durch Korrekturen in den Sitzungsprotokollen die Ärzteseite zu benachteiligen. Zwar werden solche Versuche im Nachhinein immer wieder zurückgenommen, aber erst, wenn wir sie ausdrücklich reklamieren. Des Weiteren klagt das Institut des Bewertungsausschusses über eine schlechte Qualität der Daten, die die Krankenkassen liefern, was zum vollständigen Ausschluss mancher Kassen aus den Berechnungen führt. Hier müssen wir sehr genau hinschauen und wachsam bleiben!“, appellierte Köhler.

Selbst die vom Gesetzgeber festgeschriebenen Rechte der Niedergelassenen werden von den Kassen nicht respektiert, kritisierte er. Da die Entwicklung der Vergütung an die Veränderung der Morbidität geknüpft sei, versuchten die Krankenkassen die Messmethode der Morbidität zu verwässern. „Teilweise mit drakonischen Mitteln“, sagte Köhler. „Derzeit versuchen sie die simple Tatsache, dass eine Person mehrere Krankheiten haben kann, einfach zu negieren beziehungsweise diese einzuschränken.“

Köhler stellte die Pläne zu einem Krankenkassen-Navigator vor. „Wir wollen ein Gegengewicht zu den Arztbewertungsportalen der Kassen setzen und in umgekehrte Richtung für Transparenz sorgen. Wir als Ärzteschaft wollen die Kassen einmal daran erinnern, was sie dazu beitragen können, die Arbeit der Niedergelassenen und damit den Dienst am Patienten zu erleichtern. Und wir wollen, dass die Öffentlichkeit dies erfährt!“, so der KBV-Chef.

Auf dem Portal sollen Ärzte und Psychotherapeuten die Gelegenheit haben, ihre persönlichen Erfahrungen mit Krankenkassen zu schildern. Therapiefreiheit, Regresse, Bürokratie, Selektivverträge sowie Service und Information, werden abgefragt. Die Bewertung erfolgt nach Schulnoten. Für die Erfahrungsberichte werden Freitextantworten möglich sein. Im vierten Quartal 2012 soll das Portal online gehen.