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Weiterbildung im ambulanten Bereich fördern

Vertreterversammlung – KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann hat sich in Düsseldorf für mehr ambulante Abschnitte in der ärztlichen Weiterbildung ausgesprochen. Die Finanzierung dürfe aber nicht zulasten der heute tätigen Ärztegeneration gehen.

Düsseldorf, 26. Mai 2014 – „Der Medizinernachwuchs braucht ein größeres Angebot an ambulanten Abschnitten in der Aus- und Weiterbildung. Es muss wieder mehr in die medizinische Lehre investiert werden.

Praxisrelevante Lehrveranstaltungen und Modellstudiengänge dürfen nicht dem Rotstift zum Opfer fallen“, forderte Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), heute in Düsseldorf auf der Vertreterversammlung ihres Verbandes.

„Wesentliche Bestandteile der Weiterbildung kommen in der Durchlaufmaschinerie Krankenhaus mit wechselndem Personal offensichtlich zu kurz. Eine Praxis bietet da ganz andere Bedingungen“, betonte Feldmann in Bezugnahme auf eine Umfrage des Marburger Bundes.

Demnach absolvieren 98 Prozent der befragten Ärzte ihre Weiterbildung in einer stationären Einrichtung. Fast zwei Drittel von ihnen zeigten sich jedoch unzufrieden mit der Ausbildungssituation. 55 Prozent der Ärzte wünschen sich einen ambulanten Pflichtteil in ihrer Weiterbildung, beispielsweise in einer Praxis, einem Medizinischen Versorgungszentrum oder einer Ambulanz.

Um die Finanzierung, aber auch die Qualität und Koordination der Weiterbildung zu sichern, schlug Feldmann den Aufbau einer Stiftung vor. „Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung liegt im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Deshalb muss ihre Finanzierung auf eine entsprechend breite Basis gestellt werden. Sie darf nicht weiter zulasten der heute tätigen Ärztegeneration gehen“, machte die Allgemeinmedizinerin deutlich.

Sie verwies in ihrer Rede darauf, dass der Staat die verfassungsgemäße Aufgabe habe, Schaden von seinen Bürgern fernzuhalten. „Wenn also ein Ärztemangel insbesondere in ländlichen Gebieten die ärztliche Versorgung gefährdet, müssen Maßnahmen zur Sicherstellung getroffen werden“, sagte sie. Dazu könnten auch Maßnahmen für die Aus- und Weiterbildung gehören, so Feldmann.

Neben dem Thema Weiterbildung legte Feldmann den Fokus ihrer Rede auf den Bereich Niederlassung. Bereits das Studium könne als eine entscheidende Stellschraube für mehr Interesse an einer Niederlassung bei jungen Medizinern sorgen.

Das hätten die Erfahrungen der aktuellen Nachwuchskampagne der KBV gezeigt, wie Feldmann den Delegierten berichtete. „Alle Studierenden, die bei unserem Kampagnen-Shooting mitgemacht haben, sahen viele Vorteile in der Niederlassung: der längere und intensivere Kontakt mit Patienten, die flachen Hierarchien, größere Eigenverantwortung und Flexibilität.“

In den kommenden Jahren werde der Ärztemangel vor allem in einigen grundlegenden Fachgruppen zu spüren sein. „Insbesondere wird sich der Mangel bei Hausärzten, Augenärzten, Chirurgen, Frauenärzten und Hautärzten bemerkbar machen“, sagte Feldmann. Entscheidend sei daher die Frage, wie mehr medizinischer Nachwuchs, der durchaus vorhanden sei, von einer Niederlassung überzeugt werden kann.

Ein wesentliches Ziel müsse weiterhin sein, den Ärztenachwuchs bei der Praxisgründung finanziell zu unterstützen. Der Erfolg des Förderprogramms Allgemeinmedizin zeige deutlich, dass sich ein weiterer Ausbau solcher Angebote seitens der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) lohne.

Feldmann verwies in ihrer Rede vor den Delegierten auf die steigende Zahl an geförderten Ärzten im Zeitraum 2010 bis 2013. Während es im Jahr 2010 noch 3.258 Ärzte waren, die eine Förderung erhielten, stieg ihre Zahl drei Jahre später auf 4.337. Die Fördersumme nahm um 37 Prozent zu.

Im Weiteren ging Feldmann in ihrer Rede auf die bisher ermittelten Auswirkungen der ersten Stufe der Reform des Hausarzt-EBM ein und machte zugleich den Korrekturbedarf deutlich. Der Gesamtleistungsbedarf im vierten Quartal 2013 ist gegenüber dem Vorjahresquartal in nahezu allen KVen gestiegen.

Der Leistungsbedarf im hausärztlichen Versorgungsbereich – ohne geriatrie- und palliativmedizinische Leistungen – ist in den meisten KVen gesunken. Feldmann machte zudem deutlich, dass die zur Verfügung gestellten Gelder für die neu eingeführten geriatrie- und palliativmedizinischen Leistungen in allen KVen nicht ausreichend seien.

Sie betonte vor allem den Handlungsbedarf bei den Chronikerpauschalen. Bei diesen sei der Leistungsbedarf im vierten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorjahresquartal in allen KVen gesunken.

Für die zweite Stufe der EBM-Reform im hausärztlichen Versorgungsbereich forderte Feldmann eine Definition des hausärztlichen Versorgungsauftrags im Bundesmantelvertrag, eine Erweiterung der Möglichkeit zur Delegation von Leistungen auch in nicht unterversorgten Gebieten, eine Abbildung der Praxisausstattung zur Amortisation der Vorhaltefinanzierung sowie die Schaffung einer Konsultationsposition. Hinzu kämen die optionale Einführung neuer Leistungen und die mögliche Bildung von Leistungskomplexen.