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Stand 05.12.2018

Qualitätssicherung (sektorenübergreifend)

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung (sQS)

Viele medizinische Leistungen werden heute sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor durchgeführt. Auch werden Patienten im Verlauf einer Behandlung häufig in beiden Sektoren versorgt. Der Gesetzgeber hat deshalb den Gemeinsamen Bundesausschuss – das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland – verpflichtet, Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung zu entwickeln.

Die Qualitätssicherung betrifft sowohl Leistungen, die in Praxen und Krankenhäusern angeboten werden, als auch sektorenübergreifende Behandlungsabläufe. Ziel ist eine gleich hohe Qualität in beiden Bereichen.

Rechtliche Grundlagen

Die seit Dezember 2010 gültige „Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (Qesü-RL)“ wird zum 1. Januar 2019 von der „Richtline zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL)“ abgelöst. Ebenfalls zum 1. Januar 2019 sollen die beiden laufenden Verfahren der Qesü-RL in die neue Richtlinie überführt werden.

Aufbau der Richtlinie

Die Rahmenbestimmungen (erster Teil der Richtlinie) beinhalten die grundlegenden Strukturen und Prozesse, die zur Umsetzung der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung erforderlich sind, sowie die Aufgaben der beteiligten Organisationen. Die „themenspezifischen Bestimmungen“ (zweiter Teil der Richtlinie) enthalten spezifische Regelungen, die für die jeweiligen Qualitätssicherungsverfahren individuell getroffen werden.

Qesü-Richtlinie
Beschluss des G-BA zur DeQS-Richtlinie
Themenschwerpunktseite sQS des G-BA

 

sQS-Verfahren

Bislang liegen zwei sQS-Verfahren vor: „Perkutane Koronarintervention (QS PCI) und Koronarangiographie“ und „Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen (QS WI)“.

Ab Januar 2019 folgt als weiteres Verfahren die sektorenübergreifende Qualitätssicherung der Gallenblasenoperationen/Choleszystektomie (QS CHE) sowie ab 2020 ein sektorenübergreifendes Qualitätssicherungsverfahren zu Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen (QS NET).

Verfahren 1: Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie

Seit dem 1. Januar 2016 sind alle invasiv tätigen Kardiologen im Rahmen des ersten themenspezifischen sQS-Verfahrens "Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie" verpflichtet, jede Herzkatheter-Untersuchung und jede perkutane Koronarintervention bei gesetzlich versicherten Patienten zu dokumentieren.

Die fallbezogene Dokumentation unterliegt folgenden Datenlieferfristen:

Quartalsweise Lieferung zum 15. Mai, 15. August, 15. November und zum 28. Februar.
Die Daten des gesamten Erfassungsjahres müssen bis zum 28. Februar bei der Datenannahmestelle KV vorliegen. Für kollektivvertraglich tätige Vertragsärzte übernimmt diese Aufgabe in der Regel die Kassenärztliche Vereinigung (KV).

Im weiteren Verlauf ist geplant, zusätzlich zu der fallbezogenen QS-Dokumentation und den Sozialdaten bei den Krankenkassen als weitere Datenquelle eine Patientenbefragung in das QS-Verfahren zu integrieren.

Weiterführende Informationen:

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA):
G-BA: Patienteninformation (PDF-Datei)
Beauftragung des IQTIG: Entwicklung von Patientenbefragungen im Rahmen des Qualitätssicherungsverfahrens PCIie (PDF-Datei)
Bundesqualitätsbericht 2016 (PDF-Datei)

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):
Praxisinformation: QS-Verfahren Koronarangiographie/PCI (PDF-Datei) Textbaustein: Patienteninformation über die Verpflichtung zur Datenerhebung (PDF-Datei)

Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG):
Informationen zum QS Verfahren „PCI und Koronarangiographie"

Verfahren 2: Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen

Die Vermeidung von Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen ist das Ziel eines neuen Qualitätssicherungsverfahrens in Praxen und Kliniken, das zum 1. Januar 2017 gestartet ist.

Das Verfahren fußt auf zwei Säulen. Zum einen werden postoperative Wundinfektionen, die zur stationären Aufnahme geführt haben, im Krankenhaus erfasst. Durch eine Verknüpfung dieser Daten mit Sozialdaten, die den Krankenkassen vorliegen, ist es möglich, diese Wundinfektionen zurückzuverfolgen und festzustellen, wo der ambulante oder stationäre Eingriff erfolgt ist. Ob Ihre Fachgruppe von dieser Qualitätssicherung Richtlinie betroffen ist entnehmen Sie bitte der „Anwenderinformation QS-Filter“ der einrichtungsbezogenen Spezifikation des IQTIG.

Zum anderen beantworten operierende Ärzte in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Krankenhäusern jährlich Fragen zum Hygiene- und Infektionsmanagement ihrer Einrichtung. Dies erfolgt im vertragsärztlichen Bereich im Rahmen einer webbasierten Befragung. Die Dokumentationspflicht beginnt erstmalig im ersten Quartal 2018 und bezieht sich auf das einrichtungsbezogene Hygiene- und Infektionsmanagement des Jahres 2017.

Die einrichtungsbezogene Dokumentation unterliegt folgender Datenlieferfrist:

Die Daten des gesamten Erfassungsjahres müssen bis zum 28. Februar bei der Datenannahmestelle KV vorliegen. Ausnahme ist das erste Erfassungsjahr, hier ist die Frist der 30. April 2018. Im Mitgliederportal Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung steht Ihnen ein Webportal zur kostenfreien Dokumentation zur Verfügung. Der Leitfaden enthält eine Kurzanleitung und hilfreiche Hinweise zur Nutzung des Webportals zur Praxishygiene.

Leitfaden "Webportal „Einrichtungsbefragung zur Praxishygiene"

Ausfüllhilfe für die konkrete Beantwortung der einrichtungsbezogenen Befragung zum Hygiene- und Infektionsmanagement mit allen Fragen, kurzen Erläuterungen, passenden Musterdokumenten und weiterführenden Links.

 

Weiterführende Informationen:

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA):

Qesü-Richtlinie

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):

Praxisinformation: QS-Verfahren Wundinfektionen (PDF)

Praxisinformation: QS-Verfahren Wundinfektionen - Einrichtungsbefragung (PDF)

Fragen und Antworten zur Einrichtungsbefragung - FAQ (PDF)

Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG):

Information zum QS-Verfahren „Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen“

Neu: Verfahren 3: Cholezystektomie (QS CHE)

Ab dem 1. Januar 2019 beginnt die Datenerhebung für die Qualitätssicherung (QS) der Gallenblasenoperation (Cholezystektomie). Diese war von 2006 bis 2012 Bestandteil der Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL). Nach einer grundsätzlichen Überarbeitung und Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren wurde das Verfahren nun in die datengestützte einrichtungs- und sektorenübergreifende QS integriert.

Ziel des Verfahrens ist es, die Rate an Komplikationen, Wiederholungseingriffen und Folgeerkrankungen nach Gallenblasenoperationen zu senken.

Zukünftig ist die differenzierte Darstellung der vertragsärztlichen Leistung innerhalb der stationären Versorgung geplant. Belegärztliche Operationen der Gallenblase sollen nicht länger der Krankenhausleistung zugeschrieben, sondern in Ergebnisauswertungen und Rückmeldeberichten separat dargestellt werden.

Da zum 1. Januar 2019 keine Softwarelösung für die belegärztliche Dokumentation und die anschließende Weiterleitung der QS-Daten erstellt werden konnte, ist die belegärztliche Dokumentation für das Erfassungsjahr 2019 ausgesetzt und erst für das Erfassungsjahr 2020 vorgesehen.

Weiterführende Informationen:

G-BA: Beschluss QS CHE vom 19. Juli 2018 sowie Änderungsbeschluss (belegärztliche Dokumentation) vom 18. Oktober 2018 

G-BA:

AQUA-Institut: Informationen zur Verfahrensentwicklung

Geplant: Verfahren 4: Nierenersatztherapie bei chronischen Nierenversagen (QS NET)

Ab dem 1. Januar 2020 werden zwei Bereiche der sektoralen Qualitätssicherung in einem neuen sektorenübergreifenden Verfahren zusammengeführt.

Das zukünftige Verfahren zur Qualitätssicherung der Nierenersatztherapie wird Indikatoren zur dauerhaften Dialysetherapie wie auch der Versorgung während und nach einer Nierentransplanation enthalten.

Bestehende Regelungen des G-BA werden abgelöst:

Sicherung der Qualität von Dialysebehandlungen (QSD-RL)

Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL) – Leistungsbereich Nieren- sowie Nieren- und Pankreastransplantation

Ziel ist des Verfahrens ist es, die Kooperation zwischen Dialyseeinrichtungen und Transplantationszentren zu fördern sowie die Rate an Komplikationen, Begleit- und Folgeerkrankungen im Rahmen einer Dialyse und der Organtransplantation zu verringern.

Datenquellen der Qualitätsindikatoren sind zum einen die fallbezogenen Dokumentationen der Ärzte sowie Sozialdaten, die den Krankenkassen vorliegen. Diese Daten werden insbesondere genutzt, um den Behandlungsverlauf eines chronischen Nierenversagens über fünf beziehungsweise zehn Jahre erfassen und darstellen zu können (Follow-Up-Indikatoren).

Im weiteren Verlauf ist die Integrierung einer Patientenbefragung in die QS geplant.

Weiterführende Informationen:

G-BA: Beauftragung einer Patientenbefragung für QS NET

AQUA-Institut: Information zur Verfahrensentwicklung

Entwicklung von Qualitätsindikatoren und Qualitätsinstrumenten

Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) entwickelt im Auftrag des G-BA die für die Qualitätssicherungsverfahren notwendigen Qualitätsindikatoren und Qualitätsinstrumente. In den „Methodischen Grundlagen“ beschreibt das IQTIG die einzelnen Entwicklungsschritte.

Institutionen des Gesundheitswesens, wissenschaftliche Institutionen, Patientinnen und Patienten und deren Vertreter sowie weitere fachkundige Personen hatten Gelegenheit, zu dieser Methodenbeschreibung schriftlich Stellung zu nehmen. Im Herbst 2017 wurden die „Methodischen Grundlagen“ erstmalig überarbeitet und veröffentlicht. Weitere Fortschreibungen sind geplant.