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Psychotherapie

Psychotherapie ist in der vertragsärztlichen Versorgung als tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie seit 1970/71 und als Verhaltenstherapie seit 1985 gemäß der Psychotherapie-Richtlinie des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen sowie in den Vereinbarungen mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen geregelt. Die erste Fassung der Psychotherapie-Richtlinien datiert schon aus dem Jahr 1967.

Die Psychotherapie-Richtlinie ist reformiert worden. Folgende Änderungen treten am 1. April 2017 in Kraft:

Psychotherapie-Richtlinie: Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

Psychotherapeutische Sprechstunden

Vor einer Akutbehandlung oder Probatorik müssen sich Patienten künftig in einer Psychotherapeutischen Sprechstunde vorstellen. Der Psychotherapeut klärt dabei ab, ob ein Verdacht auf eine psychische Krankheit vorliegt und der Patient eine Richtlinienpsychotherapie benötigt oder ob ihm mit anderen Unterstützungs- und Beratungsangeboten geholfen werden kann.

Die Psychotherapeutische Sprechstunde dauert mindestens 25 Minuten, bei Erwachsenen stehen maximal 150 Minuten Sprechstundenzeit im Krankheitsfall zur Verfügung.

Bei Patienten, die aufgrund einer psychischen Erkrankung aus einer stationären Krankenhausbehandlung oder rehabilitativen Behandlung entlassen werden, können probatorische Sitzungen oder eine Akutbehandlung ohne Sprechstunde beginnen. Dies gilt auch, sofern ein Therapeutenwechsel nach der Sprechstunde oder während einer laufenden Therapie erfolgt.

Hinweis: Bei den Psychotherapeutischen Sprechstunden handelt es sich um ein neues Angebot, das Patienten einen zeitnahen niedrigschwelligen Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung ermöglichen soll. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Sprechstunden, die im Bundesmantelvertrag-Ärzte geregelt sind, wonach Vertragsärzte und -psychotherapeuten mindestens 20 Stunden pro Woche in Form von Sprechstunden für die Versorgung ihrer Patienten zur Verfügung stellen müssen.

Übergangsfrist: Bis 31. März 2018 gilt eine Übergangsfrist, in der auch weiterhin probatorische Sitzungen oder eine Akutbehandlung ohne Sprechstunde beginnen können.

Mindestens 100 Minuten pro Woche

Psychotherapeuten sollen 100 Minuten Sprechstunden pro Woche anbieten – bei hälftigem Versorgungsauftrag mindestens 50 Minuten. Die KVen können abweichende regionale Regelungen treffen. Es bleibt den Psychotherapeuten überlassen, wie sie ihre Sprechstunde organisieren – offen oder mit Terminvergabe.

Hinweis: Die weitere Behandlung muss nicht bei dem Psychotherapeuten erfolgen, bei dem der Patient in der Sprechstunde war. Die Sprechstunden werden nicht auf die Therapiekontingente angerechnet.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung soll zur Besserung akuter psychischer Krisen beitragen. Patienten, für die eine Akutbehandlung nicht ausreicht, sollen so stabilisiert werden, dass sie auf eine Psychotherapie vorbereitet sind oder ihnen andere ambulante, teilstationäre oder stationäre Maßnahmen empfohlen werden können.

Die neue Leistung der Akutbehandlung ist anzeigepflichtig gegenüber der Krankenkasse und darf im Krankheitsfall maximal 600 Minuten umfassen (Mindesteinheit: 25 Minuten). Das Anzeigeverfahren wird in der Psychotherapie-Vereinbarung ausgestaltet.

Hinweis: Erbrachte Stunden der Akutbehandlung sind mit einer gegebenenfalls anschließenden Kurzzeittherapie zu verrechnen.

Telefonische Erreichbarkeit

Psychotherapeuten müssen künftig sicherstellen, dass ihre Praxis für eine Terminkoordination telefonisch erreichbar ist.

Für Psychotherapeuten mit vollem Versorgungsauftrag gilt:

  • 200 Minuten/Woche telefonische Erreichbarkeit (Mindesteinheit: 25 Minuten)

Für Psychotherapeuten mit hälftigem Versorgungsauftrag gilt:

  • 100 Minuten/Woche telefonische Erreichbarkeit (Mindesteinheit: 25 Minuten)

Hinweis: Die telefonische Erreichbarkeit ist an die zuständige Kassenärztliche Vereinigung zu melden.

Kurz- und Langzeittherapie

Bei der Kurz- und Langzeittherapie wurden die Stundenkontingente sowie die Anzeige-, Antrags- und Gutachterpflicht angepasst.

Die wichtigsten Änderungen bei der Kurzzeittherapie sind:

  • Kurzzeittherapien können künftig bis zu 24 Stunden umfassen (bislang 25 Stunden). Die Beantragung erfolgt in zwei Schritten für jeweils ein Kontingent von 12 Stunden.
  • Die Anträge gelten nach Ablauf einer Drei-Wochen-Frist auch ohne Bescheid der Krankenkasse als bewilligt und sind nicht mehr gutachterpflichtig.

Die wichtigsten Änderungen bei der Langzeittherapie sind:

  • Für die Langzeittherapie wurde das erste Sitzungskontingent erweitert und es entfällt für alle Verfahren der zweite Bewilligungsschritt. Mit dem Fortführungsantrag kann künftig direkt das Höchstkontingent beantragt werden.
  • Der erste Bewilligungsschritt bleibt antrags- und gutachterpflichtig. Ob Anträge auf Fortführung der Psychotherapie gutachterpflichtig sind, liegt im Ermessen der Krankenkassen.

Übersicht der Änderungen für Einzeltherapie bei Erwachsenen (Angaben in Stunden à 50 Minuten):

Neu  Analytische
Psychotherapie
Tiefenpsychologisch
fundierte
Psychotherapie
Verhaltens-
therapie
 1. 160 60 60
 2. 300 100 80
Alt      
 1. 160 50 45
 2. 240 80 60
 3. 300 100 80

 

Rezidivprophylaxe

Nach Beendigung einer Langzeittherapie kann eine Rezidivprophylaxe erfolgen. Bei Bedarf werden dazu die innerhalb eines bewilligten Kontingents verbliebenen Stunden genutzt: bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden maximal 8 Stunden, bei 60 und mehr Stunden maximal 16 Stunden. Die Stunden können bis zu zwei Jahre nach Abschluss der Langzeittherapie in Anspruch genommen werden.

Gruppentherapie

Gruppentherapien können künftig immer dann eingesetzt werden, wenn sie förderlich für das prognostizierte Behandlungsergebnis sind. Sie gelten als gleichwertige, bei der Indikationsstellung zu berücksichtigende Anwendungsform.

Um das Angebot von Gruppentherapien zu erleichtern und Anreize zu schaffen, wird in allen Verfahren die Mindestteilnehmerzahl auf drei Personen abgesenkt. Zudem ist nur noch eine Anzeige gegenüber der Krankenkasse und kein Antrag auf Genehmigung der Therapie mehr notwendig, wenn der Psychotherapeut das Behandlungssetting für bereits bewilligte Stunden in der Kurzzeittherapie ändern möchte.

Versorgung von Kindern und Jugendlichen

Alle Regelungen gelten auch für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Die Besonderheiten sowie weitere Neuerungen für diese Altersgruppe sind:

Soziales Umfeld

Neu bei der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist unter anderem, dass künftig „relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld“ in die Behandlung einbezogen werden können. Damit sind erstmals auch andere Personen als Eltern und Partner denkbar.

Altersgrenzen

Im Sinne der Richtlinie sind Kinder Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind und Jugendliche Personen, die 14, aber noch nicht 21 Jahre alt sind.

Neben dieser Klarstellung wurde auch eine Ausnahmeregelung hinzugefügt: Eine mit Mitteln der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie begonnene Behandlung kann auch erst nach Vollendung des 21. Lebensjahres abgeschlossen werden, wenn damit der Therapieerfolg abgesichert wird. Grundsätzlich haben Patienten ab 18 Jahren Anspruch auf eine Erwachsenentherapie – dann gelten die Regelungen für Erwachsene.

Sprechstunde

Bei Kindern und Jugendlichen können im Krankheitsfall bis zu 250 Minuten Psychotherapeutische Sprechstunde stattfinden, 100 Minuten können dabei auch mit relevanten Bezugspersonen ohne Anwesenheit des Kindes oder Jugendlichen stattfinden.

Probatorik

Bei Kindern und Jugendlichen können 2 bis 6 probatorische Sitzungen durchgeführt werden. Relevante Bezugspersonen können einbezogen werden.

Rezidivprophylaxe

Bei Kindern und Jugendlichen können, bei Hinzuziehung von relevanten Bezugspersonen, bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden maximal 10 Stunden, bei 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden für die Rezidivprophylaxe genutzt werden.

Rechtliche Grundlagen der psychotherapeutischen Versorgung

Grundlegend für die psychotherapeutische Berufsausübung ist das Gesetz über die Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, das 1999 in Kraft trat. Es wirkte sich direkt auf die Psychotherapie-Richtlinie und Psychotherapie-Vereinbarungen aus sowie auf das Fünfte Sozialgesetzbuch (SGB V). Seitdem sind Psychotherapeuten fest in die vertragsärztliche Versorgung integriert. Beide Berufe werden als Heilberufe mit Approbation anerkannt.

Die KBV vertritt die Belange der Vertragspsychotherapeuten, indem sie in unterschiedlichen Gremien die im SGB V niedergelegten Themen betreut:

  • Die Richtlinie Psychotherapie, die im Gemeinsamen Bundesausschuss gemäß Paragraf 92 Abs. 6a SGB V beraten wird.
  • Die Psychotherapievereinbarung als Anlage 1 zum Bundesmantelvertrag und als zweiseitiges Dokument zwischen Kassen und KBV.
  • Die dreiseitige Vereinbarung zu Psychiatrischen Institutsambulanzen gemäß Paragraf 118 Absatz 2 zwischen Kassen, KBV und DKG
  • Die Vereinbarung zu den Psychosomatischen Institutsambulanzen gemäß Paragraf 118 Abs. 3, die derzeitig verhandelt wird.

Anlage 1 - Psychotherapie-Vereinbarung Ärzte ab 01.10.2016

Vertragsdatum: 15.01.2015
Fassung vom: 15.12.2014
Inkrafttreten: 01.10.2016
Anlage 1 - Psychotherapie-Vereinbarung Ärzte ab 01.10.2016 (PDF, 122 KB)

Historie der Psychotherapie-Vereinbarung

Psychotherapie-Vereinbarungen in den Fassungen von 1963 bis heute

Psychotherapie-Richtlinie

Aktuelle Richtlinien über die Durchführung der Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung inklusive Historie der Beschlüsse 1967 bis heute.

Vereinbarung zu Psychiatrischen Institutsambulanzen

Vereinbarung zu Psychiatrischen Institutsambulanzen gemäß §118 Abs. 2 SGB V
Vertragsdatum: 01.07.2010
Inkrafttreten: 01.07.2010
Vereinbarung zu Psychiatrischen Institutsambulanzen (PDF, 132 KB)

Historie der Vereinbarungen zu Psychiatrischen Institutsambulanzen

Historie der Vereinbarungen in den Fassungen von 1976 bis heute.

Gesetz über die Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Übersicht:

  • § 1 Berufsausübung
  • § 2 Approbation
  • § 2a Unterrichtungspflichten
  • § 3 Rücknahme, Widerruf und Ruhen der Approbation, Verzicht
  • § 4 Erlaubnis
  • § 5 Ausbildung und staatliche Prüfung
  • § 6 Ausbildungsstätten
  • § 7 Ausschluß der Geltung des Berufsbildungsgesetzes
  • § 8 Ermächtigung zum Erlaß von Rechtsverordnungen
  • § 9 Gebührenordnung bei Privatbehandlung
  • § 9a Dienstleistungserbringer
  • § 9b Verwaltungszusammenarbeit
  • § 9c Pflichten des Dienstleistungserbringers
  • § 10 Zuständigkeiten
  • § 11 Wissenschaftliche Anerkennung
  • § 12 Übergangsvorschriften

Gutachtertätigkeit Psychotherapie

Bewerbungsverfahren und Anforderungen für eine Gutachtertätigkeit

Gemäß Paragraf 12 der Psychotherapie-Vereinbarungen benennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung im Einvernehmen mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen die jeweiligen Gutachter.

Für die konkrete Auswahl werden Bewerberlisten der Interessenten für eine Gutachtertätigkeit herangezogen. Von den jeweiligen Bewerberlisten werden Gutachter in der Regel alle fünf Jahre nach Bedarf benannt. Aktuell ist mit einer Neuberufung von Gutachtern von den Bewerberlisten nicht zu rechnen, da die Benennung von Gutachtern gemäß den Psychotherapie-Vereinbarungen für fünf Jahre im Juni 2014 erfolgt ist. Mit einer Neuberufung von Gutachtern ist im Frühjahr 2019 zu rechnen.

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Dabei werden für eine Gutachterbenennung jeweils alle Interessenten von den Bewerberlisten in die Auswahl mit einbezogen. Die konkrete Auswahl erfolgt dann nach weiteren übergeordneten Gesichtspunkten wie Regionalverteilung, Geschlechterverteilung, Verteilung nach den jeweiligen Grundberufen (Ärzte/Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) und gegebenenfalls auch schon nachgewiesene Gutachtertätigkeiten für den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen).

Die Regularien für die Gutachterbestellung und die übergeordneten Kriterien für die Auswahl sind in § 12 Abs. 5 und 6 der Psychotherapie-Vereinbarungen festgelegt. Die Anforderungen für die Qualifikation als Gutachter nach den Psychotherapie-Richtlinien und -Vereinbarungen sind in Abschnitt F § 26b der Psychotherapie-Richtlinien geregelt.

Eine Gutachtertätigkeit kann demnach in den Bereichen tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie oder Verhaltenstherapie jeweils gesondert für den Bereich der Erwachsenenbehandlung oder der Kinder- und Jugendlichentherapie erfolgen, so dass hier vier gesonderte Listen für diese Bereiche geführt werden.

Im Hinblick auf Fragen nach der jeweils in Nr. 7 der Kriterien festgelegten „Altersgrenze“ für den Beginn der Gutachtertätigkeit ist darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um eine Bestimmung handelt, die auf Grund der Formulierung „in der Regel“ kein Ausschlusskriterium darstellt, so dass die Einreichung der Unterlagen auch dann erfolgen kann, sofern ansonsten alle Kriterien erfüllt werden. Es ist weiterhin darauf hinzuweisen, dass die Vertragspartner bei Überschreiten der „Altersgrenze“ mit besonderer Begründung eine Benennung trotzdem vornehmen können.

Alle fünf Jahre erfolgt eine Ausschreibung im Deutschen Ärzteblatt und dessen Ausgabe PP für Interessenten zur Aufnahme auf die Bewerberliste bei Nachweis der Erfüllung der oben genannten Kriterien der Psychotherapie-Richtlinien. Die entsprechenden Anträge sind formlos zu stellen.

Entsprechende Antragsformulare seitens der Vertragspartner der Psychotherapie-Vereinbarungen hierfür existieren nicht. Die Erfüllung der Kriterien der Richtlinien ist durch entsprechende Fotokopien zu belegen. Zur Aufnahme auf die Bewerberliste reicht es nicht aus, einen entsprechenden Antrag ohne Nachweis der in den Psychotherapie-Richtlinien geforderten Qualifikationsanforderungen zu stellen.

Für eine Aufnahme auf die Bewerberliste ist daher der Nachweis der Qualifikationsanforderungen, wie sie in F § 26b der Psychotherapie-Richtlinien gefordert sind, notwendig. Bei Erfüllung dieser Voraussetzungen erfolgt eine Aufnahme auf die Bewerberliste.

Die Ausschreibung findet jeweils etwa ein Jahr vor der geplanten Benennung neuer Gutachter statt. Da diese zuletzt im Juni 2014 erfolgt ist, wird die nächste Ausschreibung für Interessenten nicht vor Mai 2018 stattfinden. In der Zeit zwischen den Ausschreibungen werden seitens der Vertragspartner der Psychotherapie-Vereinbarungen keine Qualifikationsnachweise zur Prüfung angenommen.

Dokumente zur Gutachtertätigkeit