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Software made by KBV

Die KBV legt nicht nur Standards fest und zertifiziert Software für Arztpraxen, sie entwickelt auch selbst Softwarelösungen. Dabei legt sie größten Wert auf ein effizientes Qualitätsmanagement. Ein Fehler kann ganze Abteilungen lahmlegen und Großprojekte zum Scheitern bringen. Nils Franke berichtet.

 

Grafik: Boehm B. et al.: Software Cost Estimation with COCOMO II; Prentice-Hall 2000
Exponentielle Steigung: Je später der Fehler auffällt, desto teurer wird es.

Die Informationstechnik nimmt seit langem das größte Dezernat der KBV ein, und in dieser steht die Software-Entwicklung an erster Stelle.
Ein klassisches Produkt ist das Abrechnungsprüfmodul, auch als KBV-Prüfmodul bezeichnet.

 Es hilft dem Arzt, seine Abrechnungsdaten vor der Abgabe an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf Vollständigkeit und Konsistenz zu prüfen. Gesetzliche Änderungen, zum Beispiel bei Arzneimitteln, machen stetige Anpassungen nötig.

Es ist außerdem ein Softwareprodukt mit sehr hohen Qualitätsanforderungen. „Das Modul kommt in jeder vertragsärztlichen Praxis zum Einsatz. Ein Fehler in der Abrechnungsstatistik würde in jeder KV zu enormem Korrekturaufwand bei der Honorarverteilung führen, bis hin zu Fehlern in der Abrechnungsstatistik der KBV“, erklärt Heinz-Theo Rey, Leiter des Dezernats Informa­-­tionstechnik, Telematik und Telemedizin.


Die Anforderungen an die Qualität des KBV-Prüfmoduls sind wesentlich höher als beispielsweise bei einem Datenpflegeprogramm, das nur KBV-intern genutzt wird. „Bei der internen Nutzung fallen dem Mitarbeiter einer Fachabteilung eventuelle Fehler mit hoher Sicherheit auf.

Der Fehler wird behoben und der Mitarbeiter kann ­nahezu ohne zeitliche Verzögerung weiterarbeiten“, sagt Rey. Beim KBV-Prüfmodul dagegen wären insbesondere die Folgekosten durch schlechte Softwarequalität sehr hoch. Es müsste in einem langen Prozess der Weiterverarbeitung und der Logistik erneut in jede Praxis gebracht werden.

Eine neue Version ist flächendeckend erst zu Beginn eines jeden Quartals auslieferbar, schlimmstenfalls wäre ein Fehler also drei Monate wirksam. Ein politischer Schaden wäre ebenfalls wahrscheinlich.


Die Qualität steht grundsätzlich im Spannungsverhältnis zum Termindruck und der Knappheit der Ressourcen. Bei einer rationellen Herstellung von Software wird deshalb zunächst die Soll-Qualität festgelegt. Daraus leitet sich das Projektvorgehen ab.

Bei einer hohen Soll-Qualität kommt das klassische Modell zum Einsatz, wie es auch im Qualitätsmanagementsystem als Standardvorgehen vorgesehen ist. In diesem sind Prozess- und Rollendefinitionen sowie Richtlinien, Checklisten und Musterdokumente festgelegt.


Software ist hochkomplex, weshalb nie hundertprozentige Sicherheit erreichbar ist. „Trotzdem ist es möglich, eine belastbare Aussage zur Qualität zu erhalten: durch systematisches und – soweit möglich – automatisiertes Testen“, sagt Peter Sattler, Leiter des Teams IT-Qualität.


Die Testumgebung des KBV-Prüfmoduls besteht aus Spezifikationen, Testdateien und Solldateien. Gegenwärtig enthalten die Testdateien 2.970 Testfälle mit bewusst gewählten Regelverletzungen, kombiniert mit zulässigen Abrechnungsangaben. Auf jeden dieser Fälle soll das Prüfmodul eine Meldung ausgeben, zu der Solldateien zum Vergleich vorliegen.

Diese Tests finden auf fünf Betriebssystemen und verschiedenen Java-Versionen auf mehreren Rechnern parallel statt. Die Automatisierung beschleunigt die eigentlichen Testdurchläufe. „Die Pflege der Testumgebung bedeutet wesentlich mehr Aufwand als der Testdurchlauf. Sie kann jedoch parallel zur Programmierung erfolgen“, erläutert Sattler.


Zwar können Tests das Schlimmste vermeiden, das Ausbügeln von Fehlern in der Entwicklung ist jedoch deutlich aufwendiger und daher unökonomisch. „Qualität muss man herstellen, man darf sie nicht in das Produkt hineintesten“, betont Sattler.

Gründliches Durchdenken des Problems, sauberes Analysieren der ­Lö­sungsansätze, eine übersichtliche Darstellung der Anforderungen und systematisches Testen sind unerlässlich.


Das gilt auch für sogenannte ”moving targets“, wenn sich die Anforderungen während der Entwicklung ändern. Hierzu zählt in der KBV beispielsweise die BundesArztsuche für iPhone und iPad sowie die ZI-Kodierhilfe. Meist kommen dabei agile Vorgehensmodelle zur Anwendung, die eine hohe Flexibilität erlauben.

Das sukzessive Einbauen der Funktionalitäten erlaubt, dem Anwender frühzeitig Vorversionen zur Verfügung zu stellen, mit denen er bereits arbeiten kann. Systematisches Qualitätsmanagement sei hier umso wichtiger, sagt Sattler.


Analysen haben gezeigt, dass Softwareprojekte meist nach dem gleichen Muster scheitern: „Mangelndes technologisches Wissen und unzureichende Programmierleistung tragen sicher dazu bei. Die Ursachen aber liegen überwiegend in falschem Management der Entwicklung“, erklärt Rey.

 
Letzte Änderung 12.07.2011
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