Depressionen

Depression – was ist das?

„Depressionen werden oft unterschätzt und irgendwo zwischen Schnupfen und Einbildung angesiedelt. In Wirklichkeit aber handelt es sich um eine lebensgefährliche Krankheit“, sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Rund zehn Prozent aller Deutschen erkranken einmal oder mehrmals im Leben an einer schweren depressiven Episode. Einige von ihnen versuchen, sich im Verlauf der Krankheit das Leben zu nehmen.

Woran erkennt man eine Depression?

Ein einheitliches Erscheinungsbild gibt es bei der Depression nicht: Sie ist eine Erkrankung, die sich bei verschiedenen Menschen in sehr unterschiedlicher Weise äußern kann: Der Betroffene berichtet – häufig erst auf Nachfrage – über sein verändertes Erleben. Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Antriebslosigkeit, Schuldgefühle und Angst dominieren. Nicht selten sind die Patienten auch unfähig, überhaupt noch Gefühle empfinden zu können: „Ich bin wie versteinert“, sagen viele. „Die Depression ist wie ein bleierner Mantel, der sich über Körper und Geist legt“, so Hegerl.
Aber häufig berichten Patienten auch über Symptome, die eher an andere Erkrankungen denken lassen. Neben den Veränderungen im Verhalten und Erleben erzeugt sie nämlich auch nicht selten körperliche Beschwerden. Zum Beispiel berichten Patienten oft über Schlaflosigkeit, über Appetitstörungen und dass sie sehr schnell ermüden. Viele Betroffene vermeiden soziale Kontakte, stellen ihre Hobbies ein und ziehen sich vollständig zurück. Oft ist die Mimik und Gestik erstarrt und die Stimme leise und monoton.

Welche Ursachen haben Depressionen?

Depressionen haben selten nur eine einzige Ursache. Häufig wirken verschiedene Faktoren bei der Entstehung der Krankheit zusammen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Patienten mit einer Depression häufig vorher eine belastende Situation durchlebt haben. Das kann zum Beispiel der Tod eines nahestehenden Menschen sein oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Offenbar spielen auch soziale Faktoren eine Rolle, die von den Betreffenden verlangen, sich an neue Umstände anzupassen: zum Beispiel eine Heirat oder ein Wechsel des Wohnortes. Ein belastendes Ereignis muss aber nicht zwangsläufig in eine Depression führen. Alle Menschen durchleiden in ihrem Leben belastende Situationen, aber nicht jeder erkrankt. Also müssen noch andere Faktoren hinzukommen, die zu der Entstehung der Krankheit „Depression“ beitragen. Nach Auffassung von Wissenschaftlern spielen die Erbanlagen eine erhebliche Rolle. Bestimmte Persönlichkeitsfaktoren können zusätzlich von Bedeutung sein. Schließlich kann auch eine körperliche Erkrankung – zum Beispiel eine Störung der Schilddrüsenfunktion – die Krankheit mit verursachen.
Alle diese Faktoren zusammengenommen bewirken im Gehirn des Betreffenden bestimmte neurobiologische Veränderungen – insbesondere scheint das Gleichgewicht von so genannten Botenstoffe gestört zu sein. Diese Botenstoffe sind für die Kommunikation und das Zusammenspiel der Gehirnzellen wichtig. Als Folge dieser Fehlfunktion entstehen die Symptome einer Depression.

 
Letzte Änderung 23.01.2003