Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Risikofaktoren kennen – Herzinfarkt und Schlaganfall

Einige Risikofaktoren für Schlaganfall oder Herzinfarkt lassen sich nicht beeinflussen, etwa das Alter oder eine erblich bedingte Disposition. Andere jedoch sind eine Sache der Lebensweise. Wer seine Gefährdung kennt und sich angemessen verhält, kann das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich verringern.


Erhöhter Blutdruck

Zu hoher Blutdruck ist der wichtigste Risikofaktor für einen Schlaganfall. Von Bluthochdruck spricht der Arzt, wenn er bei einem Patienten mehrfach einen Druck misst, der höher ist als 140/90 mmHg (sprich: Millimeter Quecksilbersäule). Der erste Wert bezeichnet dabei den so genannten systolischen Druck. Er entsteht, wenn das Herz das Blut in die Gefäße pumpt. Der zweite Wert heißt diastolischer Druck. Die Gefäße erzeugen ihn durch ihre Eigenspannung im Wesentlichen selbst. Einen optimalen Blutdruck als so genannten Zieldruck gibt es in Bezug auf den Schlaganfall derzeit nicht. Erstrebenswert sind jedoch Werte unter 120/80 mmHg. Grundsätzlich ist ein erhöhter Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für Arterienverkalkung. Daher ist es wichtig, regelmäßig seinen Blutdruck überprüfen zu lassen. Dann bleiben erhöhte Werte nicht lange unentdeckt.


Erhöhter Cholesterinspiegel

Ein zu hoher Cholesterinspiegel im Blut ist ein klarer Risikofaktor für Herzinfarkte. Der Zusammenhang zwischen zu hohen Blutfetten und einem Schlaganfall ist nicht ganz so eindeutig. Experten empfehlen trotzdem auch in Hinblick auf das Schlaganfallrisiko, auf die Cholesterinwerte zu achten.
Das Cholesterin im Blut besteht aus verschiedenen Untergruppen. Die wichtigsten sind das so genannte LDL-Cholesterin und das HDL-Cholesterin. Ihre Höhe hängt einerseits von der Ernährung ab, andererseits davon, wie viel Cholesterin die Leber selbst produziert.
In Form des LDL wandert das Cholesterin von der Leber in die Blutgefäße. Hier kann es sich ablagern und zur Arteriosklerose führen. LDL-Cholesterin gilt daher als „schlechtes Cholesterin“. In Form des HDL wandert das Cholesterin genau in die umgekehrte Richtung: von den Gefäßen in die Leber. Deshalb gilt HDL-Cholesterin als das „gute Cholesterin“ – ein hoher HDL-Spiegel senkt die Arteriosklerosegefahr. Liegt das Gesamtcholesterin im Blut über 200 mg/dl (sprich Milligramm pro Deziliter), gilt es als erhöht. Das so genannte LDL-Cholesterin sollte davon nicht mehr als 150 mg/dl betragen, so genanntes HDL-Cholesterin nicht weniger als 40 mg/dl.


Erhöhter Blutzucker

Auch ein zu hoher Blutzucker schädigt die Blutgefäße. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel ist ein Risikofaktor für Arteriosklerose und damit für einen Herzinfarkt, in geringerem Maße auch für einen Schlaganfall. Daher ist es wichtig, regelmäßig seinen Blutzucker kontrollieren zu lassen. Zeigen sich bei der Untersuchung zu hohe Werte, sollte der Betroffene mit seinem Arzt zusammen überlegen, wie er diese senken kann. Oft kommt auch eine Therapie ohne Medikamente in Betracht. Der entscheidende Richtwert ist der so genannte Nüchternblutzucker. Dieser Wert sollte unter 110mg/dl liegen (sprich: Milligramm pro Deziliter). Das entspricht nach einer neuen Einheit 6,1 mmol/l (sprich: Millimol pro Liter). Ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l) gilt der Betroffene als Diabetiker. Dazwischen liegt der Bereich der so genannten gestörten Glucosetoleranz.


Rauchen

Wer regelmäßig zur Zigarette greift, steigert sein Schlaganfallrisiko damit um fast das Doppelte. Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass Ex-Raucher rund fünf Jahre brauchen, um das Schlaganfallrisiko von Nichtrauchern zu erreichen. Lunge, Herz und Gehirn, Nieren, Harnblase und Beine – sie alle und noch viele Organe mehr leiden unter dem Rauchen. Studien haben gezeigt, dass zehn Zigaretten pro Tag die Wahrscheinlichkeit, an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu sterben, bei Männern um 18 Prozent, bei Frauen um sogar um 31 Prozent erhöhen. Grundsätzlich ist es zu jeder Zeit und in jedem Alter ein gesundheitlicher Gewinn, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn mit dem Rauch-Stopp beginnt der Körper sofort mit der Schadensbeseitigung. Erste Vorteile des Nichtrauchens stellen sich schon nach kurzer Zeit ein: Bereits etwa 20 Minuten nach der letzten Zigarette gleichen sich Herzschlagfrequenz und Körpertemperatur derjenigen des Nichtrauchers an. Etwa acht Stunden dauert es, bis sich das mit dem Zigarettenrauch aufgenommene giftige Kohlenmonoxid in der Blutbahn verflüchtigt und lebensnotwendigem Sauerstoff Platz gemacht hat.


Vorhofflimmern

Beim Vorhofflimmern arbeiten der rechte und der linke Vorhof im Herzen nicht mehr regelmäßig. Eine Folge davon ist, dass auch die Kammern, die das Blut in den Lungen- und den Körperkreislauf pumpen, nicht mehr regelmäßig schlagen. Beim Vorhofflimmern können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden. Wenn diese mit dem Blut ausgeschwemmt werden, können sie Gefäße verstopfen, die das Gehirn versorgen. Ein Schlaganfall ist die Folge. Studien haben gezeigt: Wer unter Vorhofflimmern leidet, hat ein Schlaganfallrisiko von rund 4,5 Prozent pro Jahr! Kommen weitere Risikofaktoren hinzu – zum Beispiel Bluthochdruck – steigt die Gefahr noch weiter.


Psychische Faktoren

Psychische Risikofaktoren für eine Arteriosklerose und einen daraus resultierenden Herzinfarkt lassen sich schwieriger nachweisen, sie sind aber trotzdem gemeinhin anerkannt. Dazu gehören zum Beispiel soziale Faktoren wie Stress, Einsamkeit und hohe berufliche Anforderungen bei geringem Handlungsspielraum. Möglicherweise wirken diese Einflussgrößen jedoch auch über die oben genannten Faktoren: Zum Beispiel könnte der Blutdruck bei Dauerstress steigen.
Regelmäßige Untersuchungen können Leben retten
Häufig merken die Betroffenen selbst wenig oder nichts davon, dass sie einen erhöhten Blutdruck oder Cholesterinspiegel haben. Deshalb ist es wichtig, die Werte regelmäßig kontrollieren zu lassen –  zum Beispiel im Rahmen der zweijährigen Gesundheitsuntersuchung. Dann bleiben erhöhte Werte nicht lange unentdeckt und der Patient kann zusammen mit seinem Arzt überlegen, welche Behandlung nötig ist, um Blutdruck oder Cholesterinspiegel in den Griff zu bekommen und Folgeschäden zu vermeiden. 
Letzte Änderung 05.05.2004