Chronikerprogramme für Diabetiker
Blutzuckerkontrolle, Ernährung, Unterzuckerung, Herz, Niere, Augen: Alles das und noch viel mehr berührt der Diabetes er ist eine komplizierte Erkrankung, auch bei der Betreuung. Zu hoher Zucker kann viele Organe schädigen. Deshalb ist es wichtig, die Blutzuckerwerte genau einzustellen, parallel dazu müssen wichtige, oft geschädigte Organe regelmäßig kontrolliert werden, zum Beispiel die Nieren, die Augen und die Füße.
Das Zauberwort dazu heißt Disease-Management-Programme (DMP). Auf Deutsch nennt man sie auch strukturierte Behandlungsprogramme. Ihr Ziel ist, alle Patienten mit einer bestimmten chronischen Erkrankung möglichst optimal zu versorgen und zwar mit System. Bei der Entwicklung eines solchen Programms müssen die Beteiligten zu Beginn festlegen, an wen es sich richten soll, zum Beispiel an alle Patienten mit einem Altersdiabetes. Was wollen wir für diese Patienten erreichen? ist die nächste Frage, die beantwortet sein will. Danach gilt es festzulegen, wer die Betreuung bei welchem Grad und Stadium der Erkrankung übernimmt. Alle Beteiligten müssen sich beim Beispiel Alterszucker einigen, wann genau der Hausarzt behandelt und ab welchen Blutzuckerwerten oder Folgeerkrankungen ein Spezialist erforderlich ist. Das gleiche gilt für die Frage, wann ein Krankenhaus-Aufenthalt wirklich angezeigt ist. Diese Festlegung darf nicht willkürlich erfolgen, sondern muss medizinisch begründet sein und außerdem die organisatorischen Rahmenbedingungen beachten. Auch die Aufgaben anderer Heilberufler, zum Beispiel der Krankengymnasten, werden an dieser Stelle bestimmt. Das Wichtigste schließlich ist die richtige Ansprache der eigentlich Betroffenen. Deshalb sind standardisierte Schulungen für den betroffenen Patienten fester Bestandteil dieser Programme. Ohne die aktive Mitwirkung des Patienten bleibt die Medizin bei den meisten chronischen Krankheiten wirkungslos.
Diese Programme sind eine echte Chance zur Verbesserung der Patientenversorgung, meint Dr. Leonhard Hansen, Zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Die Organisation vertritt alle niedergelassenen Ärzte. Zusammen mit Vertretern von verschiedenen Patientengruppen haben die Ärzte strukturierte Behandlungsprogramme unter anderem für Diabetes entwickelt. Das Hauptziel unseres Konzeptes ist, Spätkomplikationen der Zuckerkrankheit zu verhindern oder zumindest schnell zu erkennen, damit wir noch eingreifen können, so Hansen.
Patienten profitieren von den DMPs zweifach: Einmal, weil sie systematischer betreut und regelmäßig von entsprechenden Spezialisten nachuntersucht werden, zum anderen, weil viele Krankenkassen ihnen einen Bonus anbieten, wenn sie sich für ein strukturiertes Behandlungsprogramm entscheiden. Wie dieser Bonus aussieht, ist bei den verschiedenen Kassen unterschiedlich.
Welche Ärzte behandeln Diabetiker im Rahmen eines DMPs? Hier hilft die Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter der Internetadresse www.kbv.de. Sie leitet zu den Arztsuchdiensten der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen weiter, die den Patienten dabei helfen, Ärzte in ihrer Umgebung zu finden, die sie im Rahmen eines strukturierten Behandlungsprogramms betreuen
