Wohlstandskrankheit auf dem Vormarsch
Weltweit steigt die Zahl der Zuckerkranken in besorgniserregender Weise. Einen regelrechten Boom erleben die Vereinigten Staaten und Europa: Allein in Europa leben mittlerweile rund 50 Millionen Diabetes-Kranke und es werden immer mehr.
Deutschland nimmt unter den europäischen Ländern eine Spitzenposition ein: Über zehn Prozent der Menschen zwischen 20 und 80 Jahre haben eine Zuckererkrankung, mehr als in jedem anderen Land Mitteleuropas und Experten gehen davon aus, dass es noch viel mehr werden. Die Internationale Diabetes Föderation erwartet, dass die Zahl der Diabetiker in den kommenden 20 Jahren um mehr als 20 Prozent steigt. Noch düsterer sieht die Prognose der Deutschen Diabetes-Stiftung aus: Sie rechnet damit, dass die Zahl der Diabetiker in jedem Jahr um 300.000 zunimmt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, haben wir im Jahr 2025 doppelt so viele Diabetiker wie heute, sagt der Sprecher der Stiftung, Reinhart Hoffmann.
Zu viel Fett, zu wenig Bewegung
Hauptursache für diese Entwicklung ist das zunehmende Übergewicht der Europäer. Ärzte schätzen, dass fast jeder Fünfte in Deutschland krankhaft zu dick ist. In Europa schwanken diese Werte zwischen neun Prozent Übergewichtige in den Niederlanden und 23 Prozent in Tschechien. Damit sind die Europäer auf dem besten Weg, mit den Amerikanern gleichzuziehen. Dort ist rund jeder Dritte zu dick.
Besonders besorgniserregend: Nicht nur Erwachsene bringen hierzulande oft zu viele Pfunde auf die Waage, auch Kinder und Jugendliche sind immer öfter zu fett. Falsche Ernährung mit Fast Food und Süßigkeiten sowie zu wenig Sport und Bewegung im Alltag sind die Ursachen. Mittlerweile warnen Kinderärzte sogar davor, dass immer mehr Kinder und Teenies an einem so genannten Altersdiabetes erkranken: Diese Krankheit trat früher fast nur bei Erwachsenen auf.
Teure Krankheit
Bereits jetzt werden in den europäischen Ländern insgesamt rund 50 Milliarden Euro pro Jahr für die Behandlung von Diabetes ausgegeben Tendenz steigend. Wenn wir nicht aufpassen, wird Diabetes zum Totengräber unseres Gesundheitssystems, warnt daher der Vorsitzende der Deutschen Diabetes-Stiftung, Professor Dieter Grünklee.
Aber auch für den einzelnen Betroffenen birgt der Diabetes Gefahren: Er ist nämlich zusammen mit Krankheiten wie Bluthochdruck oder zu hohen Blutfetten ein Risikofaktor für viele Folgeerkrankungen, zum Beispiel für Herzinfarkt und Schlaganfall.