1,4 Millionen Medikamentenabhängige: eine Herausforderung für das deutsche Gesundheitswesen
In Deutschland sind schätzungsweise mindestens 1,4 Millionen Menschen medikamentenabhängig. Anders als Drogen- oder Alkoholsucht verläuft die Abhängigkeit von Medikamenten unauffällig, diskret und kaum wahrnehmbar im Alltag. Über den aktuellen Kenntnisstand der Forschung sowie über mögliche Lösungsansätze und Strategien für Wege aus der Sucht diskutieren Betroffene, Wissenschaftler, Ärzte, Apotheker, Selbsthilfegruppen und Krankenkassen heute in Berlin auf der Fachtagung: Medikamentenabhängigkeit: gemeinsam handeln!. Vorgestellt wurden darüber hinaus verschiedene regionale Kooperationen und Initiativen sowohl aus der ambulanten als auch aus der stationären Versorgung.
Sabine Bätzing, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, skizzierte konkrete Ansätze der Regierung: Durch die Förderung von Studien und Projekten wollen wir dafür sorgen, dass neue Wege und Lösungen für die Behandlung und Prävention gefunden werden. Daten und Fakten zur Medikamentenverordnung lieferte Prof. Ulrich Schwabe von der Universität Heidelberg.
Gemeinsam gegen die stille Sucht
Die Abhängigkeit von Arzneimitteln wird auch als stille Sucht bezeichnet. Der Übergang zwischen Gebrauch und Missbrauch ist oft fließend und deshalb besonders schwer zu erkennen. Eine sorgfältige Diagnostik und Gespräche sind wichtig, um in der Arztpraxis das Problem der Medikamentenabhängigkeit frühzeitig zu erkennen und passend zu reagieren. Insbesondere beim Vorbringen sehr unspezifischer Beschwerden ist es zudem entscheidend, dass es einen kontinuierlichen Kontakt zwischen Patient und Arzt gibt, so der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Ulrich Weigeldt.
Bis eine Medikamentenabhängigkeit heute erkannt und von den Betroffenen akzeptiert wird, vergehen oft Jahre. Uns geht es darum, medikamentenabhängige Menschen früher zu erreichen und ihnen eine adäquate Hilfe in den Beratungs- und Behandlungseinrichtungen der Suchtkrankenhilfe zu vermitteln, umschreibt der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Rolf Hüllinghorst, sein Anliegen.
Im Rahmen der Selbsthilfeförderung setzen die Betriebskrankenkassen seit 2005 verstärkt auf Informationsvermittlung und Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Sie wenden sich dabei an Versicherte und Arbeitgeber. Neben einer verantwortungsvollen Medikation durch die behandelnden Ärzte ist die wirksamste Prävention von Medikamentenabhängigkeit die Beratung über die richtige Anwendung von Arzneimitteln, betonte K.-Dieter Voß, Vorstand beim BKK Bundesverband.
