Pressemitteilungen 2007

Köhler: Attraktive Gebührenordnung kann Ärztemangel verhindern

Berlin, 26. April 2007 – „Die Protestaktionen im vergangenen Jahr haben gezeigt: Die Vertragsärzte sind nicht länger bereit, unter den derzeitigen Bedingungen zu arbeiten. Wir brauchen eine Gebührenordnung, die im internationalen Vergleich mithalten kann, sonst läuft uns der medizinische Nachwuchs davon.“ Das hat heute der Vorsitzende des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin erklärt. Dr. Andreas Köhler äußerte sich bei einer Veranstaltung der Reihe „KBV kontrovers“.

Dr. Ulrich Orlowski, Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) entgegnete: „Das Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung und das Vertragsarztrechts¬änderungsgesetz werden die Situation der Vertragsärzte spürbar verbessern. Allerdings werden Maßnahmen wie Zuschläge bei Unterversorgung und eine Verringerung der Probleme an den Schnittstellen von ambulanter und stationärer Medizin ohne eine Honorarreform nur Stückwerk bleiben.“

Für diese Reform forderte Köhler die Unterstützung des Ministeriums ein: „Wir haben derzeit eine Unterdeckung von rund 30 Prozent. Damit muss Schluss sein. Wir brauchen eine Zusicherung des BMG, dass sich die gestiegene Morbidität auch auf die Honorare der Ärzte auswirkt. Die Lage ist ernst. Ich erwarte bereits für 2008 eine Diskussion darüber, ob wir die Menge an Leistungen, die wir für die Patienten erbringen, einschränken müssen, wenn wir eine Euro-Gebührenordnung mit festen Preisen im Jahr 2009 einführen.“

„Wir müssen schnell handeln. Bereits jetzt sind die Arztzahlen in einigen Regionen in Deutschland rückläufig, insbesondere bei den Hausärzten und insbesondere in den neuen Bundesländern“, so Ulrich Weigeldt, Vorstand der KBV.

Das Thema der KBV-kontrovers-Veranstaltung lautete „Deutschland: attraktiver Standort für Ärzte?“ Es diskutierten außerdem Christoph Bader (Präsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland), Prof. Gabriele Doblhammer-Reiter (Direktorin des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels), Dr. Eckhart von Hirschhausen (Arzt und Kabarettist), Dr. Burkhard John (Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt), Prof. Norbert Klusen (Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse), Dr. Carsten Lekutat (Hausarzt in der vertragsärztlichen Versorgung), Hartmut Reiners (Referatsleiter im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg) sowie Dr. Peter Windeck (Partner der Kienbaum Consultants International GmbH).

Ein Schwerpunkt waren mögliche Attraktivitätssteigerungen des Arztberufs durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz und das Gesetz zur Weiterentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung. Außerdem setzten sich die Teilnehmer mit dem fehlenden Medizinernachwuchs und der Zukunft der Bedarfsplanung auseinander. Unter dem Titel „KBV kontrovers“ diskutieren zweimal im Jahr Experten über aktuelle Themen des Gesundheitswesens. Die nächste Veranstaltung findet am 25. Oktober statt.

 
Letzte Änderung 26.04.2007
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