Mittel für die ärztliche Versorgung werden sich stärker am Bedarf orientieren
Berlin, 25. Oktober 2007 Der entscheidende Gewinn aus dieser Honorarreform ist, dass bei einem steigenden Bedarf an ärztlicher Leistung durch höhere Morbidität künftig auch mehr Geld zur Verfügung stehen soll. Dies hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, heute in Berlin festgestellt. Anlässlich der Diskussionsveranstaltung KBV kontrovers unter dem Titel Die Honorarreform: reich an Chancen oder arm an Perspektiven? zog Köhler eine Zwischenbilanz der Reform anlässlich des Verhandlungsabschlusses zwischen KBV und Krankenkassen.
So sei etwa die Pauschalierung von Leistungen ab dem 1. Januar 2008 eine Vereinfachung, erfordere aber unbedingt eine zusätzliche Dokumentation, um Menge und Qualität der erbrachten Leistungen darstellen zu können. Das Übergangsjahr 2008 bis zum In-Kraft-Treten des neuen Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) in Euro werde allerdings noch schwierig für die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten. Erst mit den Euro-Gebührenordnungen auf regionaler Ebene wird es zu einer Entspannung ihrer extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage kommen, prophezeite der KBV-Chef.
Franz Knieps, Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium, würdigte ausdrücklich die Arbeit der Gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen an der Honorarreform. Nun haben wir die echte Chance, ein verständliches, gerechtes und umfassendes Vergütungssystem zu errichten. Verdienst- und Tätigkeitschancen für Vertragsärzte werden sich verbessern, versprach er. Ein völliger Verzicht auf eine Mengensteuerung sei allerdings nicht realistisch. Köhler hob hervor, dass die nunmehr jährliche Anpassung der Vergütung künftig nicht nur an den Behandlungsbedarf der Bevölkerung, sondern auch an die Betriebs- und Entwicklungskosten in den Praxen geknüpft werde. Vertragsärzte und Kassenärztliche Vereinigungen wollen sich dem Wettbewerb um die beste Gesundheitsversorgung stellen. Aber dafür brauchen sie auch die finanziellen Mittel, stellte der KBV-Vorsitzende klar.
Im zweiten Teil der Veranstaltung standen am Nachmittag die Fragen Ambulante Versorgung: mehr oder Um-Verteilung? sowie Gesundheit 2010: alles ‚morbi’ oder was? im Mittelpunkt. Es diskutieren Georg Baum (Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft), Dr. Martin Danner (Referatsleiter Gesundheitspolitik und Selbsthilfeförderung der BAG Selbsthilfe), Dr. Andreas Hellmann (Vorsitzender der KBV-Vertreterversammlung), Dr. Carl-Heinz Müller (KBV-Vorstand), Prof. Günter Neubauer (Professor für Volkswirtschaftslehre und Gesundheitsökonomik an der Münchener Universität der Bundeswehr), Dr. Doris Pfeiffer (Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen), Wolfgang van den Bergh (stellvertretender Chefredakteur der Ärzte Zeitung) und Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg (stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen).
In ihrer Veranstaltungsreihe KBV kontrovers lädt die Ärzteorganisation zweimal im Jahr namhafte Experten zur Podiumsdiskussion über aktuelle Themen des Gesundheitswesens. Die nächste Veranstaltung findet am 17. April 2008 statt.
