Testlauf für elektronische Fallakte in Arztpraxen
Berlin/München, 15.11.07 - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Sana Kliniken AG starten gemeinschaftlich den ersten Praxistest zur flächendeckenden Einführung der elektronischen Fallakte.
Der angelaufene Praxistest mit 30 Arztpraxen und drei Pilot-Krankenhäusern kann während der internationalen Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf bis zum 17. November verfolgt werden. Mit der elektronischen Fallakte können die behandelnden Ärzte in Praxen und Kliniken ohne Zeitverzögerung auf Patientenbefunde, Röntgenbilder und Medikamentenverschreibungen zugreifen. Die Sana-Akte erlaubt außerdem die elektronische Einweisung ins Krankenhaus sowie eine Übermittlung des Arztbriefes auf digitalem Wege.
KBV und Sana sind hier Vorreiter, das Fallaktenprojekt kann die rund 120.000 Vertragsärzte erreichen und ist einmalig in Deutschland. Bisher verlief der Austausch von Patientendaten zwischen Arztpraxis und Klinik papiergebunden, was bei jährlich 15 Millionen Klinikeinweisungen enorme Kosten verursacht und zu Zeitverzögerungen führt. Besonders an den Wochenenden ist das Anfordern der Daten vom niedergelassenen Arzt schwierig. Die Fallakte baut Brücken zwischen den bislang bestehenden Daten-Inseln bei Ärzten und Kliniken und führt zusammen, was zur Behandlung der Patienten notwendig ist. Darauf haben der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Köhler und Sana-Vorstand Dr. Michael Philippi heute hingewiesen.
Der Vorteil für den Patienten liegt auf der Hand: Dieser muss seine Kranken-geschichte nicht mehrfach erzählen und kann sich darauf verlassen, dass egal ob im Krankenhaus oder in der Praxis seine behandelnden Ärzte immer die jeweils erforderlichen Behandlungsunterlagen einsehen können, erklärte Philippi. Dies geschieht unter datenschutzrechtlich gesicherten Bedingungen. Eine parallele Erhebung von Informationen zur Erkrankung zunächst beim niedergelassenen Arzt und dann in der Klinik entfalle damit. Köhler sagte: Mit der Einführung der elektronischen Fallakte machen KBV und Sana einen entscheidenden Schritt hin zu einer besseren Behandlung der Patienten und zu einem effizienteren Ablauf im Alltag. Gleichzeitig ist das Projekt eine wichtige Integrationsleistung in der Überwindung der sektoralen Grenzen.
Die Sana-Akte kann in die meisten gängigen Praxis-EDV-Systeme komforta-bel integriert werden und unterstützt den zertifizierten Datenstandard der KBV D2D. Zuvor hatte Sana im Verbund mit anderen privaten Klinikbetreibern und der Deutschen Krankenhausgesellschaft das Fraunhofer Institut ISST (Institut für Software- und Systemtechnik) mit der Entwicklung eines einheitli-chen Standards beauftragt. Das Projekt realisiert der international erfahrene eHealth-Anbieter GMD aus Berlin.
Hintergrundinformationen
Zum Unterschied von elektronischer Fallakte (eFa) und elektronischer Patientenakte (ePa)
Die elektronische Fallakte (eFa) soll die elektronische Patientenakte ergänzen. Die Fallakte beinhaltet alle Dokumente, die vom Arzt oder der Klinik zum Patienten angelegt werden. Die Unterlagen bleiben jeweils nur dort gespeichert, wo sie abgelegt wurden (also beim Arzt oder in der Klinik). Damit ist die Fallakte ein Bindeglied zwischen Klinik-EDV, Praxis-EDV und elektronischer Patientenakte. Während die Fallakten also von den jeweiligen Ärzten angelegt werden, ist der Patient für die ePa selbst verantwortlich. Hier soll er möglicherweise lebenslang medizinische Unterlagen sammeln. Mehr Informationen unter: www.sana.de.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
Die KBV vertritt die politischen Interessen der über 148.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten auf Bundesebene. Sie ist der Dachverband der 17 Kassen-ärztlichen Vereinigungen (KVen), die die ambulante medizinische Versorgung für 72 Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland sicherstellen. Die KBV schließt mit den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen und anderen Sozialversicherungsträgern Vereinbarungen, beispielsweise zur Honorierung der Ärzte und zum Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen. Die KVen und die KBV sind als Einrichtung der ärztlichen Selbstverwaltung Körperschaften des öffentlichen Rechts. Mehr Informationen unter: www.kbv.de.
Die Sana Kliniken AG
Die Sana Kliniken AG mit Sitz in München wurde 1976 gegründet und zählt zu den Pionieren der führenden privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands. Das Unternehmen hat 2006 mit 12.400 Mitarbeitern Erlöse von 792 Millionen Euro erwirtschaftet und damit den Umsatz um vier Prozent gesteigert. 662.000 Patienten wurden versorgt (im Vorjahr 511.000). Die Klinikgruppe umfasst aktuell 36 eigene Krankenhäuser, darüber hinaus 25 weitere Krankenhäuser im Management-Vertrag, 19 Pflegeheime und diverse Dienstleistungsgesellschaften.
