Freiberuflichkeit ist Garant einer vertrauensvollen Arzt-Patient-Beziehung
Berlin, 25. April 2008 Das Wunschbild von AOK-Chef Rolf Steinbronn ist entlarvend: Er stellt die Niederlassung der Ärzte infrage und damit auch deren Freiberuflichkeit. Wer solche Phantasien hegt, legt bewusst die Axt an die vertrauensvolle Beziehung der Patienten zu ihren Ärzten, erklärte heute Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin. Wer so denkt, hat wirklich keine Vorstellung davon, worum es eigentlich geht: Arztsein ist nicht irgendein Beruf, sondern eine bewusste Entscheidung, anderen zu helfen. Die Freiberuflichkeit ermöglicht es erst, Spielräume zu haben, um Entscheidungen unter vorrangig medizinischen Gesichtspunkten zu treffen und nicht dem ökonomischen Diktat beispielsweise einer Krankenkasse unterworfen zu sein. Diese Äußerungen schrecken Kolleginnen und Kollegen ab, die sich mit dem Gedanken tragen, eine hausärztliche Praxis zu gründen oder zu übernehmen , sagte KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller. Hintergrund sind Medienberichte, nach denen Rolf Steinbronn, Vorstandsvorsitzender der AOK Plus (Sachsen-Thüringen) erklärt haben soll, die Niederlassung der Ärzte als Form der Zukunft erhalten zu wollen, wäre falsch.
Zwar hat Steinbronn diese Äußerung mittlerweile dementiert. Trotzdem sind unsere niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen zu Recht zornig, so Müller. Die Honorarsituation ist unbefriedigend, insbesondere in den neuen Bundesländern. Dort wirkt es geradezu als Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen, dass die Krankenkassen zwar die Tarif-Angleichung Ost an West für die Kliniken finanzieren, aber nicht bereit sind, dies auch für den ambulanten Bereich zu vollziehen. Köhler warnte: Hier zeigt sich, welches Wunschdenken Kassenmanager haben: Dominante Krankenkassen, die Ärzten am liebsten im Detail vorschreiben wollen, wie sie zu handeln haben. Die entlarvenden Äußerungen von Herrn Steinbronn sollten alle im Hinterkopf haben, die Verträge mit Krankenkassen abschließen wollen.
Beide Vorstände zeigten sich überzeugt: Verlässlichkeit, Attraktivität und freies Handeln sind auszeichnende Wesensmerkmale des niedergelassenen Arztes. Das ist in Gefahr geraten: Die Vergütung muss sich deshalb spürbar verbessern. Darum ist die Honorarreform 2009 so wichtig und entscheidend.
