Pressemitteilungen 2010

Für eine objektive und unabhängige Patienteninformation

EU-Politik - Kommissionsvorschläge müssen verbessert werden

 

Brüssel, 24. Februar 2010 - Dr. Peter Liese (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der christdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament, Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung (BAG SELBSTHILFE) und der Allianz chronisch seltener Erkrankungen (ACHSE) begrüßen heute grundsätzlich die Bemühungen der Kommission zur Stärkung der Patienteninformation über Arzneimittel. Sie fordern jedoch weitere Verbesserungen.

 Peter Liese und der Vertreter der KBV, Dr. Carl-Heinz Müller, sowie Vertreter der Patientenorganisationen, der BAG SELBSTHILFE, Martin Danner, und Andreas Reimann (ACHSE) schlagen eine Erweiterung der Arzneimittel-Packungsbeilagen um eine sogenannte „Drug-facts-box“ als neutrale Informationshilfe für den Patienten vor. Die „Drug-facts-box“ richtet sich gezielt an den Patienten und enthält eine Zusammenfassung sowie eine übersichtliche und verständliche Darstellung aller erwünschten und unerwünschten Wirkungen des betreffenden Arzneimittels.

Dr. Carl-Heinz Müller sagt dazu: „Ein vertrauensvolles Arzt-Patientenverhältnis ist entscheidend für Therapietreue und Behandlungserfolg. Hierzu sind zunächst die Packungsbeilage und die Fachinformation, die mit der Zulassung des Arzneimittels als offizielle Informationen freigegeben sind, von grundlegender Bedeutung. Da diese offiziellen Informationen die indikationsgerechte Arzneimitteltherapie erst ermöglichen, richten sie sich an den Arzt.“

 Eine verbesserte Mitwirkung des Patienten stärkt aber auch das Arzt-Patientenverhältnis und erhöht den Behandlungserfolg. Diesem Zweck sollen therapiebezogene und wirkstoffbezogene Patienteninformationen dienen. Sie sollten frei von werblichen Einflüssen sein und müssen die Risiken der Einnahme eines Arzneimittels objektiv und patientengerecht darstellen. Vorgeschlagen wird daher eine Erweiterung der Fachinformation und Packungsbeilage um diese „Drug-facts-box“ als neutrale Informationshilfe für den Patienten.

 Martin Danner und Andreas Reimann betonen, dass Packungsbeilage, Fachinformation und Patienteninformation im Internet – und zwar in allen Sprachen der EU – in einer leicht zugänglichen Datenbank verfügbar sein sollten. Allerdings sollte auch die Patienteninformation legitimiert sein durch die jeweilige Zulassungsbehörde, um aufgrund einer spezifisch wissenschaftlich abgesicherten Methodik Objektivität, Unabhängigkeit und die Freiheit von werblichen Einflüssen sicherzustellen. „Das Recht des Patienten auf objektive Information muss Vorrang vor den letztlich geschäftlichen Interessen der Pharmaindustrie haben“, erläuterte Reimann.

 Peter Liese erklärte, das der neue EU-Gesundheitskommissar John Dalli für eine substantielle Überarbeitung des Vorschlages eintrete. Es komme jetzt sehr drauf an, welche Position im Parlament die Mehrheit findet: „Ich trete dafür ein, Printmedien komplett vom Vorschlag auszunehmen. Die Position ist auch in den zuständigen Ausschüssen mehrheitsfähig. Im Internet sollte hingegen genehmigte Information für alle Patienten zugänglich sein. Ohne Vorabgenehmigung halte ich die Information von Patienten aber für problematisch. “

 

 
Letzte Änderung 24.02.2010
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