Stellungnahmen

KBV-Konzept zum Präventionsmanagement in der Arztpraxis

Erkrankungen vorbeugen, Selbstmanagement fördern

Unsere Vision

Im Bewusstsein der Bürger in Deutschland ist angekommen, dass ihre eigenverantwortliche Mitwirkung bei der Verhütung von Krankheiten gefordert ist.  Es ist selbstverständlich geworden, dass sie dazu von ihrer Arztpraxis gezielte Unterstützungsangebote bekommen.Vielen Menschen gelingt es, ihren Lebensstil dauerhaft zu verändern.

Die Ärzte stärken das Selbstmanagement ihrer Patienten. Ihre zentrale Rolle liegt in der Motivation der Menschen: Sie initiieren und koordinieren Präventionsmaßnahmen und überprüfen ihre Wirksamkeit.

Die Arztpraxen haben sich strukturell weiter entwickelt. Präventionsberatung ist eine wesentliche Funktion neben der heilenden Medizin. Die Akzeptanz der Angebote bei den Patienten steigt durch die Rolle der Ärzte  als direkte und zentrale Ansprechpartner.

Warum brauchen wir systematisches Präventionsmanagement?

Weil chronische Krankheiten in unserer alternden Bevölkerung immer weiter zunehmen und weil wissenschaftlich bewiesen ist, dass man solche Krankheiten und ihre Folgen verhüten oder hinauszögern kann (z.B. Diabetes, Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen).

Um das zu erreichen, ist eine langfristige Änderung des Lebensstils ebenso wichtig wie die zuverlässige Einnahme wirksamer Medikamente über viele Jahre hinweg. Dazu brauchen viele Menschen mehr Unterstützung als bisher. Aus Studien wissen wir:

  • Über 50 Prozent der Bevölkerung sind übergewichtig, mehr als 13 Prozent sind adipös,
  • 47 Prozent treiben unregelmäßig Sport, 24 Prozent nie,
  • Über 50 Prozent der Patienten mit Herzschwäche wiegen sich nicht regelmäßig, um Wassereinlagerungen rechtzeitig zu entdecken,
  • 50 Prozent der Patienten nehmen ihre Medikamente nicht wie verordnet ein.

Wie muss erfolgreiches Präventionsmanagement aussehen?

Schulungen und intensives Coaching für Patienten oder Angehörige wirken nur dann, wenn man die richtigen Maßnahmen für die richtigen Patienten auswählt. Prävention mit der Gießkanne funktioniert nicht. Dass es sich lohnt, die eigene Gesundheitsvorsorge selber in die Hand zu nehmen, ist nicht jedem klar. Nicht jeder ist bereit dazu, viele lassen sich aber motivieren.

Erprobte Schulungs- und Unterstützungsprogramme sind der Kernbestandteil der Maßnahmen. Sie werden durch geschulte Fachkräfte begleitet und finden in Gruppen oder einzeln statt. Ihre Wirkung überprüft der Arzt regelmäßig. Wenn die vereinbarten Ziele erreicht sind, werden sie beendet.

Warum sollen Ärzte dabei die zentralen Akteure sein?

Die Ärzte genießen das höchste Vertrauen der Patienten – als Gesundheitsexperten und als Menschen. Wissenschaftliche Studien haben zudem belegt, dass Ärzte bei Ansprache und Motivation von Patienten zu Lebensstiländerungen deutlich bessere Effekte erzielen als andere Berufsgruppen oder beispielsweise eine anonyme Ansprache per Telefon durch Krankenkassencallcenter.

Wie sieht das KBV-Konzept konkret aus?

Für alle Präventionsprogramme gibt es einen systematischen Rahmenprozess:

Grafik Prozess Präventionsprogramme

  1. Identifikation: Der Arzt wählt nach festgelegten Kriterien Patienten mit hohen Risiken aus (z.B. Bluthochdruck).
  2. Risikostratifizierung/Einschreibung: Auswahl eines geeigneten Schulungs-/Unterstützungsprogramms je nach individuellem Risiko.
  3. Interventionen: Durchführung der Programme mit geschultem Personal (Einzel- oder Gruppentraining, gegebenenfalls unterstützt durch regelmäßige Telefonkontakte und/oder Hausbesuche).
  4. Assessment: Regelmäßige Prüfung, ob die vereinbarten Ziele erreicht wurden, kontrollierte Beendigung der Maßnahme.

Was hat der Patient davon?

Gut geschulte Patienten und ihre Angehörigen können Therapien nachweislich besser einhalten und langfristig einen gesünderen Lebensstil praktizieren. Sie können Körperwarnsignale frühzeitig wahrnehmen und richtig darauf reagieren (zum Beispiel durch Anpassung der Medikamentendosis unter ärztlicher Kontrolle). So können Notfallbehandlungen und Krankenhauseinweisungen  vermieden werden. Patienten können sogar die Entstehung von Erkrankungen verhindern, selbst wenn sie ein hohes Risiko dafür haben (zum Beispiel Diabetes), wie Studien belegen.

Wer soll das bezahlen?

Wenn  Krankheiten und ihre Folgen (z.B. Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall) vermieden werden, kann das Gesundheitssystem viel Geld sparen. Ein gutes Präventionsmanagement für die drei häufigen Erkrankungen Herzschwäche, Depression und Bluthochdruck kann 2,2 Milliarden Euro pro Jahr bei der Krankenbehandlung einsparen. Um Programme erstmals umzusetzen, braucht man aber zunächst zusätzliches Geld. Es könnte aus den finanziellen Mitteln stammen, welche die Krankenkassen zur Werbung neuer Mitglieder derzeit schon für fragwürdige Präventionsangebote einsetzen (zum Beispiel Wellness-Wochenenden, Golf-Schnupperkurse).

Zusammenfassung

Die berechtigte Forderung nach mehr Patientenbeteiligung erfordert auf Seiten der Arztpraxis entsprechende Angebote zur professionellen Unterstützung eigenverantwortlicher und mündiger Gesundheitsvorsorge. Das KBV-Konzept zur Umsetzung von Präventionsmanagement als Standard in Arztpraxen schafft die notwendigen Voraussetzungen dafür, dass das Potenzial der Patienten zur Verbesserung der Versorgungsqualität genutzt und deren eigenverantwortliche Mitwirkung künftig auch selbstverständlich eingefordert werden kann.

 

 
Letzte Änderung 02.05.2012