Pressemitteilungen 2006

Weigeldt: „DMP müssen sich mehr am Patienten orientieren“

Berlin, 31. Mai 2006 – „Programme zur Behandlung chronisch Kranker, so genannte Disease-Management-Programme (DMP) müssen sich stärker am Patienten orientieren“, hat heute Ulrich Weigeldt, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in Berlin gefordert. Untrennbar damit verbunden sei ein Bürokratieabbau. Entsprechende Vorschläge dazu hat die KBV heute dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt. „Alleine die Dokumentation könnten wir um 60 Prozent reduzieren“, schätzt Weigeldt. „Die dadurch frei werdende Zeit wird dringend für den Patienten und seine Behandlung benötigt.“

Vor allem bei den Formularen sieht die KBV erhebliche Einsparpotenziale. So würde künftig ein einziges Formblatt zur Teilnahmebestätigung, Einwilligungserklärung und Diagnosesicherung genügen. Eine Dokumentation aller medizinischen Daten und Befunde sei verzichtbar, sofern der Arzt bestätigt, dass der Patient die Einschreibekriterien erfüllt. Auch beim Thema Qualitätssicherung sei ein bloßes Sammeln von Daten auf Verdacht nicht zielführend. Vielmehr sollten nur solche Daten in den Dokumentationsbogen aufgenommen werden, die Bestandteil eines belegten Qualitätsindikators sind, so der Vorschlag.

Die Folge- und Verlaufsdokumentation müsse neu gegliedert und auf das Wesentliche reduziert werden. „Im Idealfall könnte es dann nur noch einen Bogen für verschiedene Krankheitsbilder geben. Anbieten würden sich die Indikationen für Diabetes Typ 2, Asthma/COPD und koronare Herzkrankheiten. Besonders ältere Personen leiden häufig an einer oder mehrere dieser Erkrankungen, die deshalb im Versorgungsalltag der ambulanten Praxen besonders präsent sind“, erläuterte der KBV-Vorstand.

Ein weiterer Vorschlag betrifft die Evaluation der Programme. Hier sollten Massenerhebungen (also die Dokumentation jeder einzelnen DMP-Untersuchung) durch repräsentative Stichproben ersetzt werden. Dies reduziere die Datenmenge und erhöhe gleichzeitig die Aussagekraft der Ergebnisse.

„Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass von einer Reduktion der Routinedokumentation der DMP sowohl die Patienten als auch ihre behandelnden Ärzte profitieren würden. Diese Verschlankung bedeutet keine Minderung der Qualität der Programme. Die simple Gleichung, weniger Daten bedeuteten auch weniger Qualität, ist abwegig“, stellte Weigeldt klar. „Das Vorgehen, so viele Daten wie möglich zu erheben, um diese vielleicht irgendwann einmal nutzen zu können, ist eine Ursache für die derzeitige Überfrachtung. Besser wäre es, erst die angestrebten Ziele, etwa bei der Qualitätsverbesserung, zu definieren, um dann den entsprechenden Dokumentationsbedarf zu bestimmen“ so der Appell des KBV-Vorstands.

DMP sind strukturierte Behandlungsprogramme zur Versorgung chronisch Kranker. Patienten, die sich in ein solches Programm einschreiben, werden nach bestimmten Vorgaben behandelt. Bislang gibt es DMP für Diabetes Typ 1 und 2, Asthma, COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), Brustkrebs und koronare Herzerkrankungen. Die Teilnahme an einem DMP ist für Patienten und Ärzte freiwillig.

 
Letzte Änderung 31.05.2006
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