Mindestens eine halbe Million Kinder und Jugendliche in Deutschland leidet an einer Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts-)Störung - kurz AD(H)S. Am 29. Mai 2008 veranstaltete die KBV daher ein Symposium rund um das Thema.
Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV, stellte das neue Vertragskonzept zur "Qualitätsgesicherten Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS/ADS" vor. Unterstützt haben die Veranstaltung unter anderem die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk, sowie Prof. Andreas Warnke, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Würzburg.
Das Konzept hat die Vertragswerkstatt der KBV in enger Zusammenarbeit mit dem Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung entwickelt. Der Sachverstand und die Erfahrungen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten, die AD(H)S-kranke Kinder hauptsächlich betreuen, haben so in den Entwurf Eingang gefunden. Auch die Stimmen der Betroffenen, in diesem Fall der Eltern, hat die Vertragswerkstatt berücksichtigt. Die Selbsthilfeverbände ADHS Deutschland, der Bundesverband Aufmerksamkeitsstörung und der Bundesverband Selbstständigkeitshilfe bei Teilleistungsschwächen haben das Konzept begleitet, beraten und ergänzt. Schwerpunkt ist die Diagnose und die Betreuung von Patienten in sogenannten AD(H)S-Teams. Die Betonung einer qualitätsgesicherten, leitlinienorientierten Diagnostik und Differenzialdiagnostik stellt sicher, dass nur eindeutige Fälle behandelt werden. Die Therapie richtet sich nach den neuesten Leitlinien. Sie ist multimodular und am individuellen Fall orientiert. Zunächst ist ein Behandlungsversuch ohne Medikamente vorgesehen. Müssen die Ärzte doch Arzneimittel verordnen, so wird deren Einsatz regelmäßig überprüft und angepasst.
Im Konzept der KBV übernehmen regionale AD(H)S-Teams die Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Das heißt, die beteiligten Ärzte und Psychotherapeuten vor Ort verpflichten sich zur Zusammenarbeit und gegebenenfalls zur Aufgabenteilung. So wird die Kommunikation und Kooperation verschiedener Spezialisten verbessert und gleichzeitig die Versorgung in ländlichen Regionen qualitätsgesichert organisiert. Die Patienten und ihre Familien profitieren von einem festen Ansprechpartner, der den Behandlungsplan festlegt und umfassend über Inhalte und Ziele der Behandlung aufklärt. Zusätzlich können die Eltern abhängig vom regionalen Angebot und vom Bedarf an Elterntrainingsseminaren teilnehmen, in denen Strategien des Umgangs mit AD(H)S-kranken Kindern vermittelt werden.
Dieser Artikel erschien in leicht veränderter Form im KBV Klartext (Ausgabe April 2008). Alle Artikel der Ausgabe finden Sie hier: Klartext April 2008
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| Eckpunkte qualitätsgesicherte Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS/ADS | März 2009 | ||