Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebskrankheit bei Frauen. Etwa zehn Prozent aller Frauen erkranken irgendwann in ihrem Leben daran, die meisten nach dem 50. Lebensjahr. Internationale Studien haben gezeigt: Ein Programm zur systematischen Früherkennung von Brustkrebs durch Mammographie für die Altersgruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen, das sogenannte Mammographie-Screening, kann die Sterblichkeit an Brustkrebs deutlich senken. Voraussetzungen dafür sind eine hohe Qualität des Programms und eine hohe Teilnahmequote. 2004 sind die entsprechenden detaillierten Regelungen zur Einführung des Screenings in der vertragsärztlichen Versorgung in Kraft getreten. Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben Anspruch auf eine Mammographie-Screening-Untersuchung, sobald das Screening in ihrer Region angeboten wird.
Der Aufbau der im Bundesgebiet verteilten insgesamt fast 400 Standorte (teilweise mobile Standorte, sog. Mammobile) zur wohnortnahen Versorgung sowie die zusätzliche Qualifizierung von etwa 1.000 rad. Fachkräften und 1.400 Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen wurde innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung bis 2009 abgeschlossen. Nun werden in allen Regionen die anspruchsberechtigten Frauen (ca. 10 Millionen in Deutschland) im Rhythmus von zwei Jahren zur Untersuchung schriftlich eingeladen.
Das Mammographie-Screening setzt neue Standards der Qualitätssicherung in der medizinischen Regelversorgung in Deutschland, sie umfasst alle Ebenen dieses Versorgungsbereiches: von der schriftlichen Einladung der Frau, über die Screening-Untersuchung und die Durchführung der Abklärungsdiagnostik bis zur Diagnosestellung und Überleitung in die Therapie.
Eckpunkte der Qualitätssicherung im Mammographie-Screening:
Besondere Anforderungen werden an die sogenannten Programmverantwortlichen Ärzte gestellt. Unter ihrer Anleitung und Aufsicht werden die Screening-Aufnahmen erstellt, sie organisieren die obligate Doppelbefundung der Aufnahmen, sichern die Diagnosen im Rahmen der Abklärungsdiagnostik und organisieren und leiten die Konferenzen. Zusätzlich zu den Anforderungen an die befundenden Ärzte gelten für sie spezielle Fortbildungsverpflichtungen, eine einmalige, insgesamt vierwöchige Tätigkeit in einem Referenzzentrum. In dieser Zeit beurteilen sie unter anderem die Screening-Aufnahmen von 3.000 Frauen, bevor sie Tätigkeit im Screening beginnen können.
Auch für die am Programm teilnehmenden Pathologen gelten besondere Qualifikationsanforderungen sowie eine Frequenzregelung: Sie müssen neben regelmäßigen speziellen Fortbildungsveranstaltungen eine geeignete Laborausstattung sowie jährliche Mindestfrequenzen von Präparatebeurteilungen nachweisen.
In einem in seinem Umfang einmaligen Verfahren wurde jede einzelne Einheit mit den dazugehörigen Geräten sowie die ärztlichen und nicht-ärztlichen Teammitglieder vor Beginn der Screening-Routine einer Zertifizierung der Strukturqualität unterzogen, fortlaufend werden im Rahmen der Rezertifizierung im Abstand von 30 Monaten neben der Strukturqualität auch Prozess- und Ergebnisqualität vollständig abgeprüft.
Damit alle am Programm mitwirkenden Ärzte und Fachkräfte die umfassenden Qualitätssicherungsmaßnahmen umsetzen können, werden sie von insgesamt fünf jeweils für die umliegenden Screening-Einheiten zuständigen Referenzzentren unterstützt. Jede Screening-Einheit ist einem Referenzzentrum zugeordnet. Dessen Aufgabe ist es, die am Mammographie-Screening-Programm teilnehmenden Ärzte und radiologischen Fachkräfte fortzubilden, zu betreuen und zu beraten. Zudem sind diese Zentren für die externe medizinische und technische Qualitätssicherung verantwortlich sowie für einen Teil der Programmevaluation. Jeder Leiter eines Referenzzentrums ist selbst Programmverantwortlicher Arzt in einer dem Referenzzentrum angegliederten
regionalen Screening-Einheit.
Die Referenzzentren als Rückgrat des nationalen Mammographie-Screening-Programms werden durch das europäische Referenzzentrum in Nijmegen (EUREF) zertifiziert.
| Titel/Thema | Datum | Art/Größe | |
|---|---|---|---|
| European Guidelines for Quality Assurance in Breast Cancer Screening and Diagnosis, 4th Ed., 2006, Contents, Introduction and Summary | 27.03.2006 | ||
| IARC Handbooks of Cancer Prevention Volume 7 Breast Cancer Screening | 2002 | ||