Die große Ärztewanderung
Immer mehr deutsche Ärzte zieht es ins Ausland. Dies belegen neue Zahlen der KBV. Demnach arbeiten knapp 16.000 deutsche Mediziner in anderen Ländern. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings größer sein, weil nicht alle Staaten bei der Erhebung berücksichtigt wurden, sondern nur die wichtigsten Immigrationsländer. Allein bei der britischen Registrierungsbehörde, dem General Medical Council, sind knapp 4.200 deutsche Ärzte gemeldet. Der Grund: Im Vereinigten Königreich verdienen sie doppelt so viel wie in Deutschland. Mit attraktiven Arbeitsbedingungen und materiellen Reizen versuchen vor allem Großbritannien und die skandinavischen Länder, dringend benötigte Ärzte anzuwerben. Die Kapazitäten dieser Länder sind zu gering, um die benötigte Zahl an Medizinern auszubilden.
Seit dem Jahr 2000 haben sich mehr als 12.000 Ärzte vom deutschen Arbeitsmarkt verabschiedet Tendenz steigend. Waren in Frankreich im Jahr 2000 erst 593 deutsche Ärzte tätig, hat sich ihre Zahl bis 2005 auf 879 erhöht. In Österreich und der Schweiz ist die Entwicklung ähnlich. Allein 2006 haben 2.575 Ärzte Deutschland verlassen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Zunahme von 14 Prozent. Besonders bevorzugt werden dabei deutschsprachige Länder, also Österreich (272) und die Schweiz (744). In die USA wanderten 2006 225 Mediziner aus. Fast die Hälfte aller 2006 ausgewanderten deutschen Ärzte hat in diesen drei Staaten eine neue Heimat gefunden. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung wählten nur 264 Ärzte im vorvergangenen Jahr Skandinavien und Großbritannien als Immigrationsziel.
Die Abwanderung hat sich in den zurückliegenden Jahren beschleunigt. Im Jahr 2001 gingen lediglich 1.437 Ärzte ins Ausland. Die am meisten von der Emigration betroffenen Bundesländer sind Berlin und Baden-Württemberg.
Als Gründe für die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, gelten vor allem die als nicht leistungsgerecht empfundene Bezahlung, die mangelhafte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die zu große Belastung durch Bürokratie.
Gleichzeitig arbeiteten 2006 16.080 ausländische Ärzte in Deutschland. Mehr als 5.700 von ihnen stammten aus Osteuropa. Nach Ansicht der KBV können sie aber die Lücken nicht füllen. In den nächsten fünf Jahren werden sich insgesamt mehr als 40.000 Haus-, Fach- und Krankenhausärzte aus Altersgründen aus der Patientenversorgung verabschieden.
| Jahr | Anzahl | |
|---|---|---|
| 2001 | 1.437 | |
| 2002 | 1.691 | |
| 2003 | 1.992 | |
| 2004 | 2.731 | |
| 2005 | 2.249 | |
| 2006 | 2.572 | |
