Klartext

Bild: Unaufmerksames Kind vor Büchern
Foto: David Davis/ Fotolia

Maßgeschneiderte Hilfe für Menschen mit AD(H)S

In Kürze wird die KBV ein Konzept zur qualitätsgesicherten Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit AD(H)S präsentieren. Externe Fachleute und Patientenorganisationen waren eng in die Entwicklung eingebunden. Ein Bericht von Heidi Hujer aus dem Referat Flexible Vertragsformen der KBV.

Mindestens eine halbe Million Kinder und Jugendliche in Deutschland leidet an einer Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts-)Störung, kurz ADHS und ADS. Die Fallzahlen sowie die Behandlungskosten steigen ständig, und Familien nehmen die regional unterschiedlichen Versorgungsangebote oft unkoordiniert in Anspruch. Die KBV-Vertragswerkstatt hat in ihrem neuen Konzept Lösungen entwickelt, um eine qualitätsgesicherte Diagnostik und Therapie flächendeckend anbieten zu können. Das Ziel ist, infrage kommende Patienten zu identifizieren und diese schnell, zielgerichtet und koordiniert von qualifizierten Vertragsärzten und Psychotherapeuten behandeln zu lassen.

Das Konzept hat die KBV in enger Zusammenarbeit mit dem Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung entwickelt. Der Sachverstand und die Erfahrungen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten, die AD(H)S-kranke Kinder hauptsächlich betreuen, haben so in den Entwurf Eingang gefunden. Auch die Stimmen der Betroffenen, in diesem Fall der Eltern, hat die Vertragswerkstatt berücksichtigt. Die Selbsthilfeverbände ADHS Deutschland, der Bundesverband Aufmerksamkeitsstörung und der Bundesverband Selbstständigkeitshilfe bei Teilleistungsschwächen haben das Konzept begleitet, beraten und ergänzt. Schwerpunkt ist die Diagnose und die Betreuung von Patienten in sogenannten AD(H)S-Teams. Die Betonung einer qualitätsgesicherten, leitlinienorientierten Diagnostik und Differenzialdiagnostik stellt sicher, dass nur eindeutige Fälle behandelt werden. Die Therapie richtet sich nach den neuesten Leitlinien. Sie ist multimodular und am individuellen Fall orientiert. Zunächst ist ein Behandlungsversuch ohne Medikamente vorgesehen. Müssen die Ärzte doch Arzneimittel verordnen, so wird deren Einsatz regelmäßig überprüft und angepasst.

Im Konzept der KBV übernehmen regionale AD(H)S-Teams die Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Das heißt, die beteiligten Ärzte und Psychotherapeuten vor Ort verpflichten sich zur Zusammenarbeit und gegebenenfalls zur Aufgabenteilung. So wird die Kommunikation und Kooperation verschiedener Spezialisten verbessert und gleichzeitig die Versorgung in ländlichen Regionen qualitätsgesichert organisiert. Die Patienten und ihre Familien profitieren von einem festen Ansprechpartner, der den Behandlungsplan festlegt und umfassend über Inhalte und Ziele der Behandlung aufklärt. Zusätzlich können die Eltern – abhängig vom regionalen Angebot und vom Bedarf – an Elterntrainingsseminaren teilnehmen, in denen Strategien des Umgangs mit AD(H)S-kranken Kindern vermittelt werden.

Die KBV wird den AD(H)S-Vertrag gemeinsam mit den Berufs- und Selbsthilfeverbänden detailliert auf einem Symposium vorstellen, welches voraussichtlich am 29. Mai stattfinden wird. Näheres dazu in der nächsten Ausgabe von KBV KLARTEXT.

 
Letzte Änderung 01.04.2008
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