Patienten sind mit ihrem Arzt zufrieden
Die meisten Menschen sind mit ihrem Arzt durchaus zufrieden. Das ergab eine Befragung von über 6.100 Versicherten, die die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV durchführte. Dabei waren erstmals auch Hausarztmodelle ein Thema. Mehr dazu von Meike Spierings.
Nur wenn wir wissen, was die Versicherten und Patienten wirklich wollen, können wir bei der Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen, sagt der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Köhler. Aus diesem Grund ließ die KBV in diesem Jahr von Mitte Mai bis Anfang Juni bereits zum zweiten Mal über 6.100 Versicherte repräsentativ befragen. Und wiederum sind die meisten Ergebnisse sehr positiv. Schon bei einer früheren Befragung im Jahr 2006 zeigten sich über 90 Prozent der Versicherten sehr zufrieden mit ihrem Arzt und den Praxismitarbeitern. Jetzt konnten die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten das Ergebnis noch leicht verbessern: Die Zufriedenheit der Patienten stieg sogar auf 92 Prozent. 50 Prozent charakterisierten das Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt mit sehr gut, 42 Prozent mit gut.
Erstmals beantworteten die Versicherten auch Fragen zum Thema Hausarztverträge. Wir wollten herausfinden, wie bekannt Hausarztmodelle sind, welche Informationsquellen genutzt werden, wie viele Versicherte bereits teilnehmen und wie deren Erfahrungen mit der Versorgung bisher sind, erklärte Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse im August in Berlin.
Immerhin haben 62 Prozent der Befragten schon von Hausarztmodellen gehört, 19 Prozent nehmen bereits an einem teil. Den Erwartungen entsprechend ist es den älteren Versicherten wichtiger, ausschließlich zum Arzt ihres Vertrauens zu gehen. So waren 27 Prozent der in einen Hausarztvertrag Eingeschriebenen 60 Jahre und älter, nur elf Prozent waren zwischen 18 und 29 Jahre alt. Unabhängig vom Alter ist die Qualität der ärztlichen Versorgung seit der Teilnahme für 75 Prozent der Eingeschriebenen nach deren Empfinden gleich geblieben. Für 13 Prozent der Teilnehmer an einem Hausarztmodell hat sich die Versorgung verbessert, neun Prozent beurteilen sie als schlechter. Als Anreiz für die Teilnahme sehen diejenigen, die zwar schon von einem Hausarztmodell gehört haben, aber nicht daran teilnehmen, vor allem die Aussicht auf eine bessere Kooperation von Haus- und Facharzt.
Allerdings wären nur 14 Prozent aller Befragten bereit, für eine hausarztzentrierte Versorgung ihren Arzt zu wechseln. Für 72 Prozent käme dies nicht infrage. Tatsächlich gehören Arztwechsel bisher nur in den wenigsten Fällen zu Hausarztmodellen dazu: Drei Prozent der Teilnehmer mussten ihren Hausarzt wechseln, um sich einschreiben zu können.
Als ein weiteres Ergebnis der Versichertenbefragung lässt sich feststellen, dass es eine grundsätzliche Bereitschaft zur Teilnahme an den Hausarztmodellen gibt. Doch es wird auch deutlich, dass die Versorgung sich durch eine Teilnahme kaum verbessert. Hauptmotiv zur Teilnahme ist der finanzielle Vorteil, der durch Erlass der Praxisgebühr oder Bonuszahlungen erlangt werden kann, sagte Müller. Für die Befürworter der Hausarztmodelle sei das Umfrageergebnis enttäuschend. Spannend wird dadurch aber die nächste KBV-Versichertenbefragung in zwei Jahren. Denn wir gehen davon aus, dass sich dann deutlicher als heute zeigt, ob die Versicherten diese Versorgungsform positiv oder negativ bewerten, so Müller.
Die KBV wollte mit ihrer Befragung von den Patienten auch erfahren, ob sie die Wege zu ihren Ärzten als zu lang empfinden. Doch dies ist nicht der Fall. Die Entfernung zur Arztpraxis ist für einen Großteil der Befragten angemessen. Drei Viertel erreichen die Praxis ihres Hausarztes innerhalb von zehn Minuten. Die Hälfte ist in dieser Zeit auch beim Facharzt. Das ist ein deutlicher Beleg dafür, dass die flächendeckende Versorgung nach wie vor gewährleistet ist, schlussfolgerte Müller.
Verbesserungswürdig, das hat die Befragung auch gezeigt, sind die Wartezeiten bei Haus- und Fachärzten. Zwar haben 90 Prozent aller Befragten überhaupt keine Probleme mit Wartezeiten empfunden, es sind aber Unterschiede bei der Terminvergabe festzustellen. Bekommen 30 Prozent aller gesetzlich Versicherten sofort einen Termin, sind es bei den privat Versicherten 39 Prozent. Fast doppelt so viele gesetzlich wie privat Versicherte müssen länger als drei Wochen auf einen Termin warten. Diese Zeiten sind zu lang. Hier müssen wir genau betrachten, woran das liegt, erklärte KBV-Chef Köhler. Doch dürfe auch der Grund dieser Unterschiede nicht unbeachtet bleiben. Schließlich seien privat Versicherte für die meisten Praxen überlebensnotwendig, weil es für ihre Behandlung keine Budgets gibt und die Vergütung in der Regel besser ist. Mit Sicherheit sind hierbei auch die Folgen der jahrelangen Budgetierung und Unterfinanzierung zu spüren. Ein Drittel seiner Leistungen erbringt ein niedergelassener Arzt umsonst, und das schon seit Jahren. Eine Neuordnung der vertragsärztlichen Vergütung für eine bessere Honorarsituation bei gesetzlich Versicherten und die Abschaffung der geltenden Budgets sind der richtige Weg, betonte Köhler.
Ein dritter Schwerpunkt der Versichertenbefragung waren die Auswirkungen der Gesundheitsreform. Drei Viertel aller Befragten spüren demnach keine substanziellen Veränderungen. Dennoch gaben 41 Prozent an, dass ihre Ausgaben eher gestiegen sind. In der Qualität der Versorgung bemerkten 84 Prozent der privat Versicherten keine Veränderungen bei den gesetzlich Versicherten waren deutlich weniger Personen dieser Meinung, nämlich 76 Prozent. Eine Verschlechterung der Qualität bemerkten acht Prozent der privat und 16Prozent der gesetzlich Versicherten. Die Menschen spüren also die Restriktionen, die mit den gesetzlichen Veränderungen eingetreten sind, so Köhler.
Sehr differenziert sehen die Befragten die mit der Gesundheitsreform eingeführten Wahltarife. Erwartungsgemäß sind Modelle mit Beitragsrückerstattung vor allem für jüngere und gesündere Versicherte interessant jeweils drei Viertel der gesetzlich Versicherten, die im Vorjahr nie oder nur ein- bis zweimal beim Arzt waren, würden einen solchen Tarif wählen. Von den Versicherten, die drei- bis zehnmal einen Arzt aufgesucht haben, sind es noch 56 Prozent und bei denen, die noch öfter beim Arzt waren, 39 Prozent. 31 Prozent der gesetzlich Versicherten würden sich nicht für einen solchen Tarif entscheiden. 59 Prozent aller Befragten dagegen bewerteten Wahltarife, die vor dem Facharztbesuch den Besuch eines Hausarztes vorsehen, positiv sofern dies die Kosten der Krankenversicherung senken würde. Nur zehn Prozent lehnen solchen Tarife ab. Auch bei den Hausarzttarifen sind jüngere Menschen deutlich häufiger bereit, ein solches Angebot zu wählen, als ältere. Gleichzeitig aber geben mit steigendem Alter immer mehr Versicherte an, auch jetzt schon grundsätzlich zuerst zum Hausarzt zu gehen. Dies ist bei 54 Prozent der über 70-Jährigen der Fall, allerdings nur bei 13Prozent der unter 29-Jährigen.
Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die Medikamentenversorgung haben fast die Hälfte aller Befragten bemerkt. 37 Prozent erlebten es bereits häufiger, dass sie statt des gewohnten Medikaments ein anderes Präparat erhielten. 62 Prozent hingegen haben diese Erfahrung bisher eher selten gemacht. Das ungewohnte Arzneimittel haben 94 Prozent der Versicherten wie vorgesehen eingenommen. 74 Prozent von ihnen bemerkten keinen Unterschied in der Wirkung. 15 Prozent hingegen sagen, das neue Medikament habe schlechter gewirkt. Ein Prozent geht von einer besseren Wirkung aus. Zehn Prozent der Befragten wussten keine Antwort auf diese Frage. Das Ergebnis zeigt, dass die weit überwiegende Mehrheit kein Problem mit der Aut-idem-Regelung hat. Aber es gib auch fünf Prozent der Versicherten, die aufgrund des Austauschs ihr Medikament nicht wie vorgesehen eingenommen haben, erklärte Müller. Die Hälfte dieser fünf Prozent gaben an, das Medikament ausprobiert, aber nicht vertragen zu haben. 14 Prozent meinten, die Wirkung sei schlechter und haben es wieder abgesetzt. Auf das gewohnte Medikament griffen sieben Prozent wieder zurück. Weitere sieben Prozent hatten Schwierigkeiten bei der Einnahme des neuen Präparats. 13 Prozent gaben für dessen Nichteinnahme keine Gründe an.
Alles in allem hat die zweite Versichertenbefragung der KBV gezeigt, dass sich die Versorgungslage gegenüber dem Jahr 2006 nicht nachhaltig verändert hat. Der Großteil der Versicherten ist nach wie vor zufrieden mit der ambulanten Versorgung. Die Auswirkungen der Gesundheitsreform beginnen erst zu greifen, noch spüren die Versicherten nur in geringem Umfang, was sich wie ändert. Dies gilt insbesondere für die Hausarzttarife, so Köhler. Denn Versicherte, die mit solchen Modellen bereits heute Erfahrungen gesammelt haben, befinden sich in Tarifen, die im Kollektivvertrag eingebettet sind. Das wird sich allerdings in Kürze deutlich ändern: Der Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg ist der Vorbote davon, mahnt der KBV-Chef.

