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X-RAY – der Durchblick von Dr. Carl-Heinz Müller: Vorfahrt für Vorsorge

Hinterher weiß man es oft besser. Diese Erkenntnis kann besonders bitter sein, wenn es um die Diagnose von Krankheiten geht. Damit die Versicherten Angebote zur Früherkennung stärker nutzen, hat die KBV eine Präventionsinitiative gestartet. Gezielte Aufklärung in den Praxen und persönliche Einladungen sollen helfen, die Menschen zu informieren und zur Teilnahme zu motivieren, erläutert der KBV-Vorstand.

Das Gesundheitswesen ist kein reiner Reparaturbetrieb. Sicherlich: Diagnosestellung und Therapie sind die Kernkompetenzen eines jeden Arztes. Doch noch besser als Leiden zu behandeln ist es natürlich, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Vorsorge ist deshalb neben Diagnostik und Therapie die dritte wichtige Säule des ärztlichen Handelns.

Die KBV will sich in diesem Jahr verstärkt dieses Themas annehmen: mit einer Präventionsinitiative. Deren Ziel ist, die Teilnahmeraten der Versicherten an den Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen. Denn die lassen zu wünschen übrig. So hat beispielsweise nur jeder vierte Anspruchsberechtigte in den vergangenen zehn Jahren an einer Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung teilgenommen. Den sogenannten Check-up 35, eine Vorsorgeuntersuchung, die gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre kostenfrei in Anspruch nehmen können, haben im Jahr 2008 nur gut 21 Prozent mitgemacht. Das liegt ­sicherlich auch daran, dass viele Ver­sicherte über solche und ähnliche ­Angebote zu wenig Bescheid wissen. Das wollen wir ändern.

Ein besonderes Augenmerk wollen wir auf die Krebsfrüherkennung richten. Es gibt bereits den Nationalen Krebsplan, dessen Ziel unter anderem ist, die Früherkennung zu stärken, die Menschen besser zu informieren und die Teilnahme an entsprechenden Maßnahmen zu verbessern. Dieses Ansinnen wollen wir aktiv unterstützen und schon bestehende Ansätze weiterentwickeln.

Persönliche Einladung

Erreichen möchten wir dies unter anderem mit gezielter Information der Versicherten direkt in den Praxen der niedergelassenen Ärzte und mit einem modifizierten Einladungsverfahren. Mit Letzterem wollen wir speziell auf die Untersuchungen auf Gebärmutterhals- und Darmkrebs hinweisen. So könnte ein persönliches Schreiben der jeweiligen Krankenkasse oder der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) den Versicherten informieren, sobald er Anspruch auf eine kostenfreie Früherkennungsuntersuchung hat. Diesen Vorschlag wollen wir im Rahmen des Nationalen Krebsplanes dem Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten und Kassen vorlegen.

Gemeinsam motivieren

Doch nicht nur die Kassen, auch die Ärzte wollen wir mit ins Boot holen. Ziel ist, dass beispielsweise der Hausarzt seine Patienten frühzeitig auf den Check-up 35 aufmerksam macht oder auf die Möglichkeit, sich auf Vorstufen von Hautkrebs untersuchen zu lassen. Dazu wollen wir ein sogenanntes Recall-System installieren. Eine elektronische Dokumentation der Untersuchungsergebnisse soll außerdem eine zeitnahe Evaluation ermöglichen. Auch die Versicherten selbst wollen wir informieren. Denn viele wissen gar nicht, dass ihre Krankenkasse die Kosten für die – womöglich lebensrettenden – Untersuchungen übernimmt. Dazu entwickelt die KBV derzeit ein Faltblatt, aus dem Patienten auf einen Blick ersehen können, wann und in welchen Abständen sie Anspruch auf Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen haben. Diesen Flyer können die Ärzte in ihren Praxen auslegen.

Weitere Maßnahmen, die die KVen planen, wollen wir unter dem Dach einer gemeinsamen Kampagne zusammenfassen. Dazu arbeiten wir eng mit den Präventionsbeauftragten der KVen zusammen. Auch haben bereits erste Gespräche mit den Berufsverbänden der Gastroenterologen und der Gynäkologen stattgefunden. Sie begrüßen die Initiative der KBV und wollen sie tatkräftig unterstützen. Weitere Gespräche mit den Berufsverbänden der Hausärzte, der Urologen, der Dermatologen und anderer Fachgruppen sind geplant.

Ursprünglich hatte sich auch die Bundesregierung das Thema Prävention auf die Fahne ihrer schwarz-gelben Gesundheitspolitik geschrieben. Von einem entsprechenden Gesetz hat sie sich jedoch, wie jüngst aus dem Bundestag verlautete, vorerst verabschiedet. Umso wichtiger, dass wir hier mit gutem Beispiel vorangehen!

 
Letzte Änderung 06.04.2010
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Dr. Carl-Heinz Müller
Vorstand der KBV für den hausärztlichen Bereich
 
Präventionsinitiative 2011
 
Pressemitteilung der KBV