Klartext Ausgabe vom 01.04.2005
Praxisgebühr wirkt steuernd
Berlin (kah) Die Praxisgebühr hat nachhaltig zum Rückgang der Patientenzahlen in deutschen Arztpraxen geführt. Stichprobenerhebungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI) für das Jahr 2004 ergaben, dass die Fallzahlen im Bundesgebiet um 8,7 Prozent (alle Arztgruppen) im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. Während Allgemeinärzte einen Gesamtfallzahlrückgang von 6,7 Prozent verzeichneten, sind nach Angaben der Stu-die vor allem Augenärzte (10,9), Chirurgen (11,6), Gynäkologen (15,1), Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (11,1), Hautärzte (17,5) und Orthopäden (11,3) vom Ausbleiben der Patienten betroffen. Zudem zeigt die Studie, dass mit einem Minus von 16,2 Prozent besonders die Gruppe der 20- bis 39-Jährigen den Praxen fernblieb. Dagegen nahm die Zahl bei zuzahlungsbefreiten Kindern und Jugendlichen mit 4,7 Prozent am wenigsten ab. Deutlich weniger von dieser Entwicklung ist die Anzahl der Arzt- beziehungsweise Praxiskontakte betroffen. Hier war lediglich ein Rückgang von insgesamt 2,9 Prozent für das Jahr 2004 festzustellen. Aus der Studie geht nicht hervor, warum die Patienten ausblieben: Ob vor allem ärmere Menschen auf einen Arztbesuch verzichteten oder Bagatell-Erkrankungen diesen nicht dringend notwendig machten, bleibt somit offen.
Erwartungsgemäß ist der Anteil der Überweisungen an allen Behandlungsfällen seit Einführung der Praxisgebühr mit über 40 Prozent deutlich gestiegen. Der Grund hierfür liegt offensichtlich darin, dass Patienten beim Aufsuchen eines Zweitarztes die Mehrfach-Entrichtung der Praxisgebühr vermieden haben.
