Was selbst viele Ärzte nicht wissen: Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) sind weit mehr als Honorarverteilungsstellen. Die Beratungs- und Unterstützungsleistungen, die sie ihren Mitgliedern bieten, sind so vielfältig, dass folgende Beispiele anhand fiktiver Fälle nur einen groben Überblick vermitteln können. Eine Zusammenstellung von Alexandra Bodemer.
Die ersten Schritte in der eigenen Praxis sind wahrlich nicht einfach. Abrechnung, Leistungsdokumentation, Individualbudgets das alles sind Begriffe, mit denen Markus Lingen bislang kaum Berührung hatte. Darüber war er auch froh. Schließlich bin ich Arzt geworden, weil ich mich um Menschen kümmern will und nicht um Formulare, sagt der 37-Jährige.
Es geht nicht ohne Formulare. Das weiß Lingen mittlerweile, und manchmal ärgert er sich auch darüber. Dennoch: Mit Unterstützung seiner KV hat er die Dinge gut im Griff. Sie hat ihm im Rahmen eines speziellen Patenschaftsprogramms für Jungmediziner sogar einen persönlichen Berater zur Seite gestellt, der ihn durch den Dschungel der vertragsärztlichen Tätigkeit leitet. Er stellt Informationen zusammen, recherchiert, knüpft Kontakte und hilft bei der Analyse der Abrechnung und der Verordnungskosten. Da Augenarzt Lingen damit sehr zufrieden ist, erwog bald auch seine Freundin, ebenfalls Medizinerin, in die Niederlassung zu gehen. Zuerst war sie unsicher, ob sie das wirtschaftliche Risiko wirklich auf sich nehmen sollte. Wer sagt mir, ob die Praxis auch in fünf oder zehn Jahren noch rentabel sein wird? Woher weiß ich, wie der Bedarf an Ärzten meiner Fachrichtung sich in meiner Region entwickelt? Und überhaupt, wie finde ich einen guten Standort, und wie funktioniert das mit der Zulassung?
Meinhard Meyer-Schramm gehört zwar schon zu den älteren Hasen unter den Vertragsärzten, aber mit einem Thema hat er sich lange nicht anfreunden können: der EDV. Ich habe möglichst alles, was mit den neueren Technologien zu tun hatte, meinen Helferinnen überlassen, gesteht der vielbeschäftigte Kinderarzt. Erst als seine KV ihn informierte, dass Ärzte ab 2010 per Gesetz ihre Abrechnung nur noch online einreichen dürfen, entschloss er sich, zur IT-Beratung seiner KV zu gehen. Jetzt weiß er bestens Bescheid über EDV-Abrechnung und Datenschutz und nutzt den elektronischen Datenaustausch mit Kollegen (D2D = Doctor to Doctor). Mir war gar nicht klar, dass die KV auch eigene Softwarelösungen anbietet. Vieles geht jetzt einfacher und schneller als vorher, sagt der Nordrheiner.
Eine Praxis muss auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren. Das war HNO-Ärztin Charlotte Kindler natürlich schon immer bewusst. Mit dem Gedanken, dass Ärzte heutzutage auch Manager sein müssen, hat sie sich nach eigenem Bekunden dennoch schwergetan. Da ihr aber bald klar wurde, dass Know-how in Unternehmensplanung und -führung, Praxisanalyse und -bewertung bei der Existenzsicherung hilfreich ist, ließ sie sich von ihrer KV betriebswirtschaftlich beraten. Schließlich besuchte sie sogar einen Kurs an der Management Akademie ihrer Südwest-KV. Auch Praxismitarbeiter können dort spezielle Schulungen erhalten, etwa eine Ausbildung zur Praxismanagerin. Ich habe mehr als vorher das Gefühl, wirklich Herrin im eigenen Haus zu sein und den Erfolg meiner Arbeit nicht nur in medizinischer Hinsicht beeinflussen zu können, lautet Kindlers Resümee.
Als Hausarzt ist Rainer Meng erste Anlaufstation für seine Patienten. Die Praxis brummt, aber gerade das ist es, was ihm manchmal Bauchschmerzen bereitet. Wegen des großen Andrangs ist auch Mengs Verordnungsvolumen entsprechend. Durch die immer neuen und strengeren gesetzlichen Regelungen und Restriktionen blickt er manchmal kaum noch durch. Sie einzuhalten, kann in Anbetracht von Regressdrohungen für ihn jedoch eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens sein. Richtgrößen, Ausnahmelisten, Off-Label-Use, Sprechstundenbedarf, Verordnungsausschlüsse um das gesetzlich verordnete Dickicht zu durchdringen, hat er sich von seiner KV ganz individuell beraten lassen, hat Vorträge und einen Workshop besucht. Darüber hinaus erhält er regelmäßig eine Publikation zum Thema wirtschaftliche Verordnungsweise, in der seine KV die wichtigsten Informationen zusammenstellt. Jetzt muss ich nicht mehr bei jedem Griff zum Rezeptblock Angst vor dem berühmten Damoklesschwert Regress haben, meint der Arzt.
Dr. Verena Stellmann, niedergelassene Fachärztin für Onkologie, tut viel für ihre Patienten. In Sachen Qualitätsmanagement (QM) gehört sie zu den Pionieren. Für die Vorbereitung auf eine entsprechende Zertifizierung hat sie die Unterstützung ihrer KV in Anspruch genommen. Neben den eigenen QM-Programmen, die manche KVen ihren Mitgliedern anbieten, können diese sich auch mit dem KBV-/KV-Programm QEP® (Qualität und Entwicklung in Praxen) vor Ort schulen lassen. Doch auch ohne Zertifikat wird das Thema Qualität im Serviceportfolio der KVen großgeschrieben. Zur Qualität, die Stellmann bieten möchte, gehört für sie auch, dass sie ihren schwerkranken Patienten Anlaufstellen nennen kann, die ihnen bei der Bewältigung ihrer Krankheit zur Seite stehen. Geholfen hat ihr dabei die Kooperationsberatung für Selbsthilfegruppen und Ärzte (KOSA). Sie stellt unter anderem den Kontakt zu Selbsthilfegruppen her und entlastet Ärzte bei der Vermittlung. Zurzeit verfügen fünf KVen über eine solche Einrichtung. Hier wie in vielen weiteren Bereichen bauen sie ihren Service kontinuierlich weiter aus, übrigens auch für Versicherte. Näheres dazu im nächsten KBV KLARTEXT.