Telematik aktuell

eDMP – einfach und effizient

 

Disease-Management-Programme

Seit einigen Jahren sind sie auch in Deutschland bekannt und im Sozialgesetzbuch V und anderen einschlägigen Rechtstexten verankert: die Disease-Management-Programme (kurz: DMPs). Die Idee stammt aus den USA. Da westliche Medizin vor allem auf die Versorgung von Akutkrankheiten ausgerichtet ist, sollte ein Weg gefunden werden, chronisch kranken Menschen besser medizinisch gerecht zu werden. Von denen gibt es viele: Schätzungen zufolge sind beispielsweise 20 Prozent der Deutschen betroffen. DMPs sollen die Versorgung der Chroniker verbessern, indem die Therapie koordiniert wird und die Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin als Maßstab des Handelns und Behandelns gelten. Ziel von DMPs ist ebenfalls, die Patienten vor Folgeerkrankungen zu bewahren und die Leistungsausgaben der Krankenkassen zu senken (etwa durch die Vermeidung von Krankenhauseinweisungen).

Sechs DMPs sind im Rahmen der Risikostrukturausgleichsverordnung möglich (das heißt, die Krankenkassen können für in die Programme eingeschriebene Patienten mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleichstopf entnehmen): Asthma bronchiale, Brustkrebs, chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen (COPD), Diabetes mellitus Typ I, Diabetes mellitus Typ II und koronare Herzkrankheiten (KHK).

DMPs in der Arzt-Praxis

Wenn sich ein Patient für die Teilnahme an einem DMP entschieden hatte, musste der Arzt bislang von Hand Dokumentationsbögen ausfüllen. Das kostete viel Zeit – besonders dann, wenn der Patient sich für mehrere Programme einschreiben wollte. In diesem Fall waren für jedes DMP separate Bögen auszufüllen. Stammdaten wie Name und Versichertennummer mussten immer wieder in die entsprechenden Felder eingetragen werden. Hatte der Arzt irgendwo in einem Dokumentationsbogen einen unplausiblen Wert eingegeben, gab es kein sofortiges Feedback oder Nachfragen dazu. Oft dauerte es Wochen, bis sich die Krankenkasse oder eine Datenverarbeitungsstelle wegen Unstimmigkeiten oder Fehlern meldete. Wollte der Arzt sich einen Überblick darüber verschaffen, wie viele Teilnehmer an DMPs bei ihm eingeschrieben waren, konnte er im Rahmen der Papiervariante nur seine Patientenakten durchgehen und per Hand auszählen, wenn er nicht eine separate Liste angelegt hatte.

eDMPs machen das Leben in der Praxis leichter

Die Nachteile einer Papierdokumentation sollen nun bald der Vergangenheit angehören. Ab dem 1. April 2008 müssen alle Praxen auf eDMPs umsteigen. Die KBV hat bereits zu Testzwecken eine Software entwickelt. Sie basiert auf einem einheitlichen Datensatz. Den hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen, nachdem die KBV sich dafür stark gemacht hatte. Rund 70 Vertragsärzte in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Bayern haben die KBV-Software im Sommer 2007 getestet und damit bestätigt, dass sich die Vorgaben nutzerfreundlich umsetzen lassen. Auf der Medica präsentiert die KBV ihre Testsoftware der interessierten Öffentlichkeit.

Will der Arzt künftig den Einschreibungsbogen für einen Patienten ausfüllen, kann er eine Maske in seinem Praxisverwaltungssystem öffnen. Dies lotst ihn nach der Auswahl von einem oder mehreren DMPs in mehreren Schritten durch die Prozedur. In der Testsoftware der KBV sind dies: 1) administrative Daten, 2) Anamnese- und Befunddaten, 3) relevante Ereignisse, 4) Medikamente, 5) Schulungen, 6) Behandlungsplanung und 7) Abschluss (diesen letzten Schritt sieht der Datensatz des Gemeinsamen Bundesausschusses nicht vor). An Haken und Punkten beziehungsweise am Fehlen derselben vor den sieben Teilschritten kann der Arzt ablesen, wie vollständig er das Formular am Computer bereits ausgefüllt hat. Mit wenigen Mausklicks kann er die Daten, die zum entsprechenden Patienten vorliegen, in eine Maske integrieren. Dabei handelt es sich nicht nur um die Stammdaten (Name, Adresse etc.), sondern auch um einige medizinische Daten, die bereits im System gespeichert sind. Die restlichen Daten muss der Arzt per Hand eingeben, sofern es sich um Pflichtfelder handelt. Oft kann er sich aus Vorgaben (zum Beispiel: Raucher: ja/nein) eine Antwort aussuchen.

Selbstverständlich kann der Arzt auch die Informationen, die er über sich selbst geben muss, mit einem Klick in die entsprechenden Masken einfügen. Keine Angabe muss zweimal gemacht werden, selbst wenn der Patient an mehreren DMPs teilnehmen möchte. Das System macht den Arzt auch darauf aufmerksam, wenn er einen unplausiblen Wert eingegeben hat, etwa ein Körpergewicht von 700 Kilogramm oder einen diastolischen Wert, der über dem systolischen Wert liegt. Auf einer Übersichtsseite kann der Arzt sehen, wie viele seiner Patienten in welche Programme eingeschrieben sind.

Was weiter geschieht

Derzeit ist die digitale Signatur noch nicht möglich. Die Erstdokumentation im Rahmen eines DMP muss aber nach derzeitiger Rechtslage unterschrieben werden. Daher ist momentan wohl noch der Ausdruck derartiger Dokumente beziehungsweise einer Versandliste zwecks Unterschrift per Hand notwendig. Möglich ist allerdings auch, dass das Bundesgesundheitsministerium in einer Rechtsverordnung regelt, dass eine Unterschrift nicht notwendig ist. Dann könnten Ärzte ihre Dokumentationen sammeln und auf Datenträgern an die Datensammelstellen geben, ohne Ausdrucke anfertigen zu müssen. Langfristig sollen Anwendungen wie das eDMP dazu führen, die Tätigkeit des Vertragsarztes möglichst papierlos zu gestalten. Komfortabler wird das Erstellen von Dokumentationen aber bereits mit der Einführung der eDMPs.

 


Weitere Informationen finden Sie unter: www.kbv.de/ita (Fachinformationen für Softwarehäuser)
E-Mail: ITA@kbv.de

 

 
Letzte Änderung 13.11.2007