Eine verbesserte Kommunikation, mehr Transparenz und Sicherheit, weniger Bürokratie: Die neue elektronische Gesundheitskarte für Patienten und die Health Professional Card (HPC) für Ärzte sollen beiden Seiten Vorteile bieten.
Vorteile für Patienten:
Etwa 10.000 Menschen sterben jährlich an unerwünschten Wechselwirkungen von Arzneimitteln mehr Menschen, als im Straßenverkehr. Die elektronische Gesundheitskarte bietet die Möglichkeit, Arzneimittel-Unverträglichkeiten zu vermeiden und vom Papierrezept auf ein elektronisches Rezept umzusteigen. Wenn künftig alle verordneten Medikamente abrufbar sind, können Gefahrenquellen leichter rechtzeitig erkannt und mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt werden.
Ein weiterer wesentlicher Vorteil: In Zukunft sind bei einem Arztwechsel oder im Notfall wichtige Gesundheitsdaten leichter verfügbar. Dadurch kann in vielen Fällen eine qualitativ bessere Behandlung erreicht werden.
Außerdem erhalten die Patienten durch die Möglichkeit, die über sie gespeicherten Daten vollständig zu lesen oder sich ausdrucken zu lassen, einen besseren Überblick über ihre gesundheitliche Situation (Impfstatus, Allergien, Verlauf chronischer Erkrankungen, Vorsorgeuntersuchungen). Das stärkt auch die Eigenverantwortung und eine aktivere Mitwirkung der Patienten.
Vorteile für Ärzte
Auch für die niedergelassenen Ärzte sollen die neuen Karten Vorteile bringen: Sie erfahren zum Beispiel direkt, ob ein Notfall-Patient Asthmatiker oder Allergiker ist, wenn die wesentlichen Daten dazu auf der Karte gespeichert werden können oder wenn diese zumindest einen zentralen Zugang zu diesen Daten ermöglicht. Letztlich soll die Gesundheitskarte die Kommunikation im Gesundheitswesen verbessern nicht nur mit dem Patienten, sondern auch mit ärztlichen Kollegen sowie mit anderen Leistungserbringern das Stichwort dazu lautet elektronische Patientenakte.
Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten sollen außerdem dazu beitragen, den Dokumentationsaufwand und damit die Bürokratie zu vermindern. Allerdings warnt die KBV die Vertragsärzte vor überzogenen Erwartungen insbesondere zu Beginn der Kartenverteilung 2006. Zunächst hat die Karte vor allem für die Patienten und die Versicherer Vorteile, erklärt der Erste KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Köhler. Erst wenn in den Folgeschritten die elektronische Patientenakte und der elektronische Arztbrief Wirklichkeit werden also die gesamte Telematik-Infrastruktur im Gesundheitswesen steht profitierten auch die Praxen in größerem Umfang. Trotzdem könne sich niemand von dem Trend abkoppeln: Wer sich als Leistungserbringer dieser Entwicklung verwehrt, katapultiert sich mittelfristig selbst aus dem System heraus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die überwiegende Zahl der Patienten die Gesundheitskarte nutzt. Zudem handelt es sich um gesetzliche Vorgaben, denen sich niemand einfach entziehen kann, so Köhler.

