KBV Messe 2010
Versorgungsinnovation 2010
29. bis 31. März 2010 in Berlin
Highlights der Veranstaltung
Dr. Müller im Gespräch mit Journalist Dr. Paquet
Neues aus der Vertragswerkstatt - Präsentation zum Messeauftakt
Die Vertragswerkstatt der KBV hat zwei neue Konzepte für die qualitätsgesicherte ambulante Versorgung spezieller Krankheitsbilder entwickelt: eines für Patienten mit ausgeprägter chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und eines für Menschen mit Blutgerinnungsstörungen (Hämophilie). Beide präsentierte sie zu Beginn der KBVMesse Versorgungsinnovation 2010 am 29. März.
Mit den Verträgen wollen wir die bestehende Versorgung des Kollektivvertrages ergänzen. Sie sollen lebende Verträge sein und künftig auch Teil des Kollektivvertrags werden, sagte Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV, anlässlich der Vorstellung der Verträge im Gespräch mit Dr. Robert Paquet.
Das COPD-Konzept ist speziell zugeschnitten auf Patienten mit einem ausgeprägten Krankheitsbild, die deshalb eine Langzeitsauerstofftherapie benötigen. Die Diagnose, Therapie und Betreuung der Betroffenen erfolgt nach internationalen Leitlinien. Hausärzte und Lungenfachärzte arbeiten in dem Programm strukturiert und eng zusammen, wenn es um die Medikation geht oder darum die Patienten und deren Angehörige zu schulen. Zentral ist bei der Behandlung zudem die Raucherentwöhnung, denn das Rauchen ist die häufigste Ursache für die Erkrankung. Das Ziel ist, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Die KBV erarbeitete das Konzept zusammen mit dem Bundesverband der Pneumologen.
Das Hämophilie-Versorgungskonzept konzentriert sich auf die möglichst wohnortnahe ambulante Versorgung der Patienten mit Blutgerinnungsstörungen. Das sind sehr seltene Erkrankungen, die für die Krankenkassen jedoch sehr teuer sind. Dabei gilt es die Selbstbehandlung durch das Spritzen der fehlenden Gerinnungsfaktoren zu fördern sowie Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. Vorgesehen ist unter anderem eine enge Kooperation des jeweiligen Hausarztes mit weiteren Facharztgruppen und nichtärztlichen Leistungserbringern. Die auf die Krankheit spezialisierten Ärzte müssen bestimmte Qualitätsnachweise erbringen, für das Praxispersonal sind entsprechende Fortbildungen vorgesehen. Die KBV hat das Konzept gemeinsam mit dem Berufsverband der Deutschen Hämostaseologen erarbeitet.
Wie bei allen Konzepten der KBV-Vertragswerkstatt ist deren Umsetzung von der Bereitschaft der Krankenkassen abhängig, entsprechende Verträge für ihre Versicherten abzuschließen.
Eckpunkte der Verträge zum Download
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Versorgungskonzept COPD |
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Versorgungskonzept Hämophilie |
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Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV
Perspektiven der Versorgungsplanung Einsatz georeferenzierter Daten
Zum Thema Versorgungsanalyse und -planung der Zukunft gaben nationale und internationale Experten einen Ausblick und stellten den Einsatz sogenannter georeferenzierter Daten in verschiedenen Informationssystemen vor. Die KBV präsentierte hierzu ihr Instrument für eine kleinräumige Versorgungsanalyse, das die Bedarfsplanung verbessern soll.
Eine gute Versorgungsplanung muss Entwicklungen voraussehen und einbeziehen. Ziel ist aber nicht nur die Analyse, sondern auch das Einsetzen der knappen Ressourcen dort, wo es am nötigsten ist, sagte Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV. Dabei helfen soll das elektronische geografische Gesundheitsinformationssystem (eGIS). In dem System integriert sind Daten aus dem Bundesarztregister, demografische und sozioökonomische Strukturdaten, die Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen sowie Daten über stationäre Behandlungsfälle. Künftig sollen noch weitere Daten in das System eingehen.
Zu Gast auf der Versorgungsmesse war Dr. Enrique Loyola, von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Er referierte internationale Beispiele bei denen geografische Informationssysteme bereits zum Einsatz kommen. Dr. Gerhard Fülöp vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen schilderte die Erfahrungen, die in Österreich mit Gesundheitsinformationssystemen gemacht wurden. Prof. Reinhard Busse, von der Technischen Universität Berlin, stellte seine aktuelle Arbeit am sogenannten Gesundheitsatlas Deutschland vor, der die Morbidität der Bundesbürger detailliert abbildet. Prof. Thomas Kistemann, von der Rheinische Friedrich Wilhelm Universität Bonn, gab eine wissenschaftliche Einschätzung zu den medizinisch-geografischen Aspekten der Gesundheitsversorgung.
In einer abschließenden Diskussionsrunde wies Busse darauf hin, dass die Versorgungsplanung nur eine Blickrichtung auf die Daten sei. Eine Bündelung der Daten, beispielsweise auch von den Krankenkassen, könnte noch bei weiteren Forschungsfragen zu Erkenntnissen führen. Dabei waren sich die Experten einig darüber, dass der Datenschutz Priorität haben muss.
Dr. Andreas Köhler und Daniel Bahr (FDP): Versorgungsinnovation für alle!?
Köhler und Bahr im Dialog
Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Köhler, und der Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Daniel Bahr (FDP), eröffneten die KBVMesse mit einem sogenannten Impulsdialog.
Darin kritisierte Bahr die Kurzsichtigkeit der Kassen, sich nicht auf die Erprobung von Versorgungskonzepten einzulassen und in neue Behandlungsformen zu investieren. Schließlich könnten sie mit den Verträgen langfristig Geld sparen und eine höhere Versorgungsqualität erreichen.
Köhler sprach sich für einen fairen Wettbewerb um die beste Versorgung aus. Gute Versorgungsangebote sollten nach deren Erprobung in Form von Selektivverträgen in den Kollektivvertrag überführt werden. Dort stünden sie allen Versicherten zur Verfügung. Bahr stimmte dem zu. Es müsse aber regionale Differenzierungsmöglichkeiten und mehr Freiheiten vor Ort geben, da nicht alles, was irgendwo im Land ausprobiert werde, überall übernommen werden müsse. Der FDP-Politiker sprach sich zudem für ein Nebeneinander von Selektivverträgen und Kollektivvertrag aus.
Politische Diskussion: Klöpfer, Köhler, Reimann, Spahn, Lindemann, Etgeton (v.l.)
Politische Diskussionrunde mit hochkarätigen Teilnehmern
Der KBV-Vorstands- vorsitzende Dr. Andreas Köhler hat mit Mitgliedern des Bundestages sowie Patientenvertretern das Thema Versorgung- sinnovationen diskutiert.
Die Teilnehmer waren sich einig, die Versorgungs- angebote in den Selektivverträgen als Suchmodell zu verstehen und bewährte Angebote künftig in den Kollektivvertrag zu übernehmen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jens Spahn (CDU), sagte: Wir brauchen Selektivverträge für Innovationen, um spezifische Probleme anzugehen. Sie können Bewegung ins Spiel bringen. Köhler stimmte dem zu, kritisierte jedoch sogenannte Parallelstrukturen durch die Hausarztverträge des Paragrafen 73 b des Fünften Sozialgesetzbuches.
Lars Lindemann (FDP), Mitglied des Ausschusses für Gesundheit, bestätigte, dass es viel mehr begleitende Forschung in der Versorgung, auch im Sinne des Wettbewerbs, geben müsse. Dr. Carola Reimann (SPD), Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit, gab zu bedenken, dass dies nur mit den Kassen möglich sei. Köhler forderte in diesem Zusammenhang einen Innovationsfonds, der die Erforschung von Versorgungskonzepten künftig finanziert. Dieser soll von allen gesetzlichen Krankenkassen paritätisch getragen werden.
Dr. Stephan Etgeton von der Verbraucherzentrale Bundesverband drängte auf mehr Transparenz für die Versicherten und wies auf das Problem der Evaluation von Versorgungsangeboten hin. Qualität müsse man standardisiert messen können. Spahn stimmte einer Qualitätskontrolle zugunsten höherer Transparenz zu, machte aber auf den enormen Aufwand hierzu aufmerksam. Köhler wies darauf hin, mit dem KBV-Projekt AQUIK® (Ambulante Qualitätsindikatoren und Kennzahlen) bereits einen Anfang in der Qualitätsdarlegung gemacht zu haben.
Dr. Albrecht Kloepfer vom Büro für politische Kommunikation moderierte die Diskussionsrunde.