Gründung der Telematik-Betriebsgesellschaft gematik
Sehr geehrte Damen und Herren,
zugegeben: die Langform des Namens gematik Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte gGmbH ist sperrig und umständlich. Ich kann Ihnen aber versichern: die Gesellschaft selbst wird weder das eine noch das andere sein. Sie wird eine hocheffiziente Organisation. Das muss sie auch sein, will sie die anstehenden Aufgaben bei der Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der Telematikanwendungen im Gesundheitswesen, aufbauend auf der elektronischen Gesundheitskarte, erfüllen.
Da kommt nämlich einiges auf uns zu. Immerhin reden wir vom weltweit größten Projekt dieser Art. Unser Ziel: in einigen Jahren hat jeder Krankenversicherte in Deutschland eine elektronische Gesundheitskarte. Jeder Versicherte übt die Hoheit über seine Daten auf, bestimmt, was zusätzlich zu den unverzichtbaren Grunddaten wie Name, Versicherungsnummer, Geschlecht und Krankenkasse, darauf gespeichert wird. Die Möglichkeiten, die sich zukünftig auftun, sind erstaunlich.
Schon in der Anfangsphase wird das elektronische Rezept für eine wesentlich höhere Sicherheit des Patienten sorgen, weil Unverträglichkeiten von Medikamenten schneller erkannt werden können. Heute gibt es in der Arztpraxis dabei immer wieder Probleme: neue Patienten haben oft genug keinen vollständigen Überblick über das, was sie an Medikamenten nehmen, vergessen manches und machen es so dem behandelnden Arzt sehr schwer bis unmöglich, ggf. mögliche negative Wechselwirkungen zu berücksichtigen. Sind dagegen auf einem Server alle verordneten Medikamente (und später dann auch Arzneien zur Selbstmedikation) abrufbar, können potenzielle Gefahrenquellen ausgeschlossen werden.
Dieses Beispiel zeigt, dass Telematik im Gesundheitswesen im Interesse der Patienten ist. Die weiteren Ausbaumöglichkeiten sind enorm: in einigen Jahren wird es möglich sein, eine Patientenakte mit allen relevanten Behandlungsdaten abzurufen. Jeder behandelnde Arzt egal ob im Krankenhaus, in der ambulanten Versorgung oder der Rehabilitation wird in die Lage versetzt, sich dadurch ein aktuelles Bild über den bisherigen Behandlungsverlauf zu machen, bestimmte Werte abzurufen, und so schnell und zielgenau zu agieren.
Die Voraussetzungen für das Funktionieren des Systems sind allerdings vielfältig. Der Datenschutz muss immer gewährleistet sein, damit das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt nicht gestört wird. Die Daten müssen zuverlässig, kompatibel und verständlich sein. Die Anwendung muss möglichst einfach und sicher sein, damit die Akzeptanz bei Patienten, Ärzten, Apothekern und anderen Heilberufen hoch ist.
Die unterschiedlichsten Organisationen und Systeme müssen miteinander harmonieren. Die zukünftigen Funktionen werden nämlich nur dann nutzbar und sinnvoll sein, wenn sie den Anforderungen z.B. einer Arztpraxis, eines Krankenhauses oder einer Apotheke gerecht werden. Sie müssen den Praxistest bestehen. Genauso haben die Krankenkassen hohe Anforderungen an das Handling. Die Entwicklung der dafür notwendigen Grundlagen, die Pflege und die Weiterentwicklung sind dementsprechend sehr aufwändig und müssen extrem vielen, sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Das ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe. Und es kostet sehr viel Geld, bis die zu erwartenden Einsparungen zum Tragen kommen.
Unterschiedliche Interessen und die Höhe der notwendigen Investitionen in die notwendige Infrastruktur aller Beteiligten (und das sind eine ganze Menge: neben der Bereitstellung der eCard für jeden Versicherten sind es alleine 140.000 Arzt- und Psychotherapeutenpraxen, die ausgerüstet werden müssen, von Krankenhäusern, Apothekern und anderen Heilberufen gar nicht zu reden!) haben die Verhandlungen zur Umsetzung des § 291a SGB V sehr schwer gemacht. Der heutige Erfolg zeigt aber, dass es der Selbstverwaltung trotz der unleugbaren Schwierigkeiten gelungen ist, eine für alle tragfähige Lösung zu finden.
Deswegen ist es auch so wichtig, dass in der heute gegründeten gematik die Kostenträger und die Leistungserbringer paritätisch vertreten sind. Verfahrens- und Entscheidungsregelungen sind gefunden worden, die eine Blockade verhindern und gleichzeitig tragfähige Mehrheitsentscheidungen fördern. Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) hat eine wichtige beratende und fördernde Rolle. Patientenvertreter, Datenschutzbeauftragte, Psychotherapeuten, Wissenschaftler, Industrie, Software-Anbieter und Gebietskörperschaften sind einbezogen, ohne dass die Handlungsfähigkeit der gematik leidet.
Es ist uns damit gelungen, eine Betriebsorganisation zu schaffen, die den hohen Anforderungen gewachsen sein wird. Die KBV wird konstruktiv, kreativ und immer mit dem Augenmerk auf der Handhabbarkeit und Akzeptanz im Interesse der Patienten und des Gesundheitssystems mitarbeiten. Denn nur, wenn es uns gemeinsam gelingt, alle Ärzte, alle Krankenhäuser, alle Apotheken, alle Krankenkassen und vor allem und am wichtigsten die Patienten vom Nutzen der eCard und ihrer Möglichkeiten zu überzeugen, wird das Projekt ein Erfolg.
Auf die Gesellschafter, die Geschäftsführer, die künftigen Mitarbeiter und den Beirat kommt viel Arbeit zu. Aber die wird sich lohnen!
