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KBV kontrovers

Vom Abgeben und Loslassen: Zusammenarbeit in den Gesundheitsberufen

Diskussionsrunde auf dem Podium der Veranstaltung. Foto: Juppe/KBV
Erste Diskussionsrunde der Veranstaltung zum Thema "Wie viel
Zusammenarbeit nutzt dem Patienten". Foto: Juppe/KBV

Wann: 18. April 2012

Wo: Scandic Hotel Berlin Potsdamer Platz, Gabriele-Tergit-Promenade 19, 10963 Berlin

 

Gut besucht: Über 150 Teilnehmer bei KBV kontrovers

Teil 1: Delegation vs. Substitution: Wie viel Zusammenarbeit nutzt dem Patienten?

Der erste Teil der Veranstaltung drehte sich um das Thema Delegation vs. Substitution: Wie viel Zusammenarbeit nutzt dem Patienten? Das Streitgespräch zwischen Andrea Lemke, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats, und Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV, moderierte Sabine Rieser vom Deutschen Ärzteblatt.

Köhler verwies auf die klare rechtliche Regelung der Delegation von Leistungen im ambulanten Bereich und sieht hier keinen weiteren Handlungsbedarf. „Im ambulanten Bereich trägt eindeutig immer der Arzt die Verantwortung. Das Problem liegt eher in der fachlichen Qualifikation derjenigen, an die Ärzte Aufgaben delegieren können. Hier brauchen wir dringend klare Definitionen“, sagte er.

Andrea Lemke vertrat eine pragmatische Sicht. Wenn Aufgaben an jemanden übertragen würden, übernehme derjenige auch immer automatisch die Verantwortung und sei haftbar. Sie legte den Fokus auf die Sicherstellung der Versorgung in Pflegeeinrichtungen und befürwortete die weitere Erprobung von Modellvorhaben in diesem Bereich. Hier brauche man mehr Ideen und eine schnellere Umsetzung: Vorhaben dürften nicht immer an der Finanzierung scheitern. Das sieht Köhler anders: Erst müsse die Finanzierung sichergestellt sein, bevor Modelle umgesetzt würden.

 

Teil 2: Chancen und Grenzen der professionsübergreifenden Kooperation

 

Zweite Diskussionsrunde der Veranstaltung zum Thema Chancen und Grenzen der professionsübergreifenden Kooperation Foto: Bonatz/KBV
Zweite Diskussionsrunde der Veranstaltung zum Thema "Chancen und Grenzen der professionsübergreifenden Kooperation". Foto: Bonatz/KBV

In der zweiten Runde zum Thema Chancen und Grenzen der professionsübergreifenden Kooperation diskutierten Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des vdek, Sabine Jansen, Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Dr. Burkhard John, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt, Sabine Ridder, Präsidentin des Verbands medizini-scher Fachberufe und Prof. Jonas Schreyögg, Universität Hamburg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics.

Warum braucht man Kooperationen?

Zunächst lag der Fokus auf dem Ärztemangel. Schreyögg führte an, dass die Arztdichte in Deutschland im internationalen Vergleich immer noch relativ hoch sei. Das größere Problem liege in dem sich verändernden Krankheitsspektrum, das immer komplexer würde. John stimmte dem Problem der multimorbiden, älteren Patienten zu und sagte, der Ärztemangel sei vielmehr ein zeitlich begrenztes Phänomen. Für die komplexen Behandlungen brauche man ein gutes Behandlungsteam – auch dadurch könne der Ärztemangel bekämpft werden, da der Arzt bei seinen Aufgaben entlastet würde.

Ridder betonte, dass es keinen größeren, dafür einen anderen Versorgungsbedarf geben wird und die Gesundheitsberufe sich wesentlich schneller auf Innovationen einlassen sollten. Die Patienten seien da viel aufgeschlossener, als die meisten vermuteten. Man müsse die Chance individueller Betreuung der Patienten vielmehr nutzen. Dem stimmte auch Jansen zu. Sie sagte, multiprofessionelle Teams seien eine große Chance und es sei falsch, sich nur auf die Ärzte zu konzentrieren.

Wer soll Koordinator sein?

In der folgenden Diskussion gingen die Meinungen darüber auseinander, ob nur Hausärzte oder auch andere Gesundheitsberufe und Arztgruppen die Rolle des Koordinators übernehmen sollten. John plädierte dafür, nicht noch neue Schnittstellen zu schaffen, die wiederrum zu Reibungsverlusten und finanziellen Mehrkosten führten. Man brauche einen Teamleiter und das sei im besten Fall der Hausarzt, weil der seine Patienten am besten kenne.

Ridder betrachtete das Thema differenzierter: Bei leichten Erkrankungen wie einem Schnupfen könnten sich die Patienten durchaus vorstellen, sich in der Apotheke beraten zu lassen. Bei komplizierteren Erkrankungen sei sicherlich aus Patientensicht der Hausarzt derjenige, der den Hut aufhaben sollte. Jansen forderte, das flexibel zu halten und an den jeweiligen Patienten anzupassen: Koordinator könne auch mal ein Facharzt oder jemand aus dem Krankenhaus sein. Ballast stimmte dem zu und sagte, auch die Versorgungssituation vor Ort sei entscheidend dafür, wer die Koordination der Zusammenarbeit übernehmen würde.

Schreyögg wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass es keinerlei wissenschaftliche Belege dafür gebe, dass der Hausarzt diese Funktion am Besten erfülle. Man solle auch dem Patienten ein Mitspracherecht einräumen. John sah dieses Mitspracherecht kritisch und führte an, dass dies die Kosten sicherlich in die Höhe treiben würde. Das Case-Management solle bei demjenigen mit dem medizinischen Fachwissen liegen. Das lies Jansen nicht so stehen und verwies auf andere Gesundheitsberufe, die ebenfalls ein kompetentes Case-Management betreiben könnten. Vielmehr sei ihrer Meinung nach auch entscheidend, wie kompetent der Hausarzt sei. Ist er bereit Verantwortung abzugeben? Kennt er die Strukturen in seiner Region?

Wie wird Kooperation attraktiv?

Im nächsten Diskussionsabschnitt ging es auch um den Aufbau einer modernen Arztpraxis und finanzielle Anreize für die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe. John beschrieb, dass die Praxis mit einem Arzt und zwei Helferinnen veraltet sei, man brauche vielmehr ein Versorgungsteam und finanzielle Anreize für die Weiterbildung von Fachkräften. Teamarbeit und flexible Arbeitszeiten seien auch gerade für den Nachwuchs wichtige Anreize. Auch Schreyögg forderte eine stärkere Honorierung von professionsübergreifenden Kooperationen, ein Teil der Vergütung solle qualitätsorientiert erfolgen.

 

Programm
Uhrzeit Titel Referenten/Referentinnen
10:30 Begrüßung

Dr. Andreas Köhler,
Vorstandsvorsitzender der KBV

10:40

Delegation vs. Substitution:
Wie viel Zusammenarbeit
nutzt dem Patienten

moderiertes konstruktives Streitgespräch

Dr. Andreas Köhler,
Vorstandsvorsitzender der KBV

Andrea Lemke,
Präsidiumsmitglied des
Deutschen Pflegerats e.V.

Moderation: Sabine Rieser,
Deutsches Ärzteblatt

12:00 Mittagspause

13:00

Chancen und Grenzen der
professionsübergreifenden
Kooperation

moderierte konstruktive Diskussion

Thomas Ballast,
Vorstandsvorsitzender des vdek

Sabine Jansen,
Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Dr. Burkhard John,
Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt

Sabine Ridder,
Präsidentin des Verbands medizinischer Fachberufe

Prof. Dr. Jonas Schreyögg,
Universität Hamburg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics

Moderation: Dirk-Oliver Heckmann,
Deutschlandfunk

14:30

Schlusswort

 

 
Letzte Änderung 18.04.2012
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Anmeldung
Per E-Mail anmelden: kontrovers@kbv.de

Aktuelle Veranstaltung: Bitte melden Sie sich bis zum 17. Oktober 2012 an.
 
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