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Praxisnachrichten

Vorsorge für Mütter und Väter: Neues Formular und Vergütung

19.04.2018 - Die Verordnung medizinischer Vorsorge für Mütter und Väter wird zum 1. Oktober 2018 bundesweit vereinheitlicht. Das bedeutet weniger Aufwand für Ärzte, weil nicht mehr unterschiedliche Formulare auszufüllen sind. Zudem erhalten Ärzte für die Verordnung künftig eine Vergütung.

Einheitliches Verfahren und weniger Aufwand

Für die Verordnung medizinischer Vorsorgeleistungen für Mütter und Väter steht ab Oktober das neue Formular 64 zur Verfügung. „Damit wird das Verordnungsverfahren für Vorsorgeleistungen bundesweit vereinheitlicht und für Ärzte verringert sich der Aufwand, der bisher mit Vorsorgeverordnungen verbunden ist“, sagt KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel.

Denn aktuell gibt es viele unterschiedliche Formulare, die den Patienten von ihren Krankenkassen oder Anbietern der Vorsorgeleistungen, zum Beispiel dem Müttergenesungswerk, zur Verfügung gestellt werden. Diese Formulare können meist jedoch nicht per Praxisverwaltungssoftware (PVS) ausgestellt werden und umfassen oftmals drei Seiten und mehr.

Vorteil: in der Software hinterlegt

Das nun vereinbarte Formular 64 vereinfacht das Verordnungsverfahren maßgeblich, da nun für alle Patienten das gleiche Formular genutzt wird. Das Formular kann per Praxisverwaltungssoftware oder per Blankoformularbedruckung ausgestellt werden.

Die Verordnung ist durch Vertragsärzte möglich, Vertragspsychotherapeuten dürfen Vorsorgeleistungen für Mütter und Väter nicht verordnen.

Neues Formular 65 für mitzubehandelnde Kinder

Im Zusammenhang mit der medizinischen Vorsorge für Mütter und Väter wird zum 1. Oktober ein weiteres Formular eingeführt: das Formular 65 „Ärztliches Attest Kind“.

Es wird nur dann benötigt, wenn bei einer Vorsorgeleistung der Mutter oder des Vaters ein Kind dabei ist, das mitbehandelt werden muss. Kommen mehrere Kinder mit zur Vorsorge, die mitbehandelt werden sollen, wird für jedes Kind ein solches Attest benötigt.

Das neue Attest-Formular 65 kann auch verwendet werden, wenn Müttern und Vätern eine medizinische Rehabilitation verordnet wird.

Vergütung der Verordnung

Für das Ausstellen des Formulars 64 „Verordnung medizinischer Vorsorge für Mütter oder Väter“ wird die Gebührenordnungsposition (GOP) 01624 neu in den EBM aufgenommen. Die Leistung ist mit 210 Punkten bewertet, was 22,37 Euro entspricht.

Für das Ausstellen des Formulars 65 „Ärztliches Attest Kind“ ist die GOP 01622 berechnungsfähig. Sie ist mit 83 Punkten bewertet, was 8,84 Euro entspricht. Hierfür wird die Leistungslegende der GOP 01622 durch Aufnahme des Formulars 65 angepasst.

Die Änderungen im EBM treten gleichzeitig mit den neuen Formularen zum 1. Oktober in Kraft.

Formulare bestellen

Praxen können die neuen Formulare im dritten Quartal erstmals über ihre reguläre Formularbestellung erhalten. Die Formulare werden ab 1. Oktober auch in den Praxisverwaltungssystemen hinterlegt sein.

Abgrenzung Vorsorge zur Rehabilitation

Medizinische Vorsorge soll helfen, dem Entstehen sowie Wiederauftreten oder Fortschreiten einer Erkrankung entgegenzuwirken. Im Vergleich dazu geht es bei einer klassischen Reha im weitesten Sinne um die „Wiederherstellung“ der körperlichen oder seelischen Gesundheit des Patienten.

Anders als bei einer Reha-Maßnahme für Mütter oder Väter liegen bei einer Vorsorgeleistung noch keine längerfristigen Aktivitätsbeeinträchtigungen bei der Mutter oder dem Vater vor (> 6 Monate).

Ziel der Vorsorgeleistungen ist es, den spezifischen Gesundheitsrisiken und gegebenenfalls bestehenden Erkrankungen von Müttern und Vätern in Erziehungsverantwortung entgegenzuwirken. Dies erfolgt im Rahmen stationärer Vorsorgeleistungen durch eine ganzheitliche Therapie unter Einbeziehung psychologischer, psychosozialer und gesundheitsfördernder Hilfen.

Das neue Formular 64 im Überblick

Auf Formular 64 können Leistungen der medizinischen Vorsorge allein für Mütter oder Väter aber auch als Mutter- / Vater-Kind-Leistung verordnet werden. Maßgebend für die Verordnung ist allerdings die Indikation für die Mutter beziehungsweise den Vater.

Das ist auf dem Formular anzugeben:

Vorsorgerelevante Gesundheitsstörungen / Erkrankungen

Neben den vorsorgerelevanten Gesundheitsstörungen einschließlich Risikofaktoren, zum Beispiel Übergewicht, Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, sind die vorsorgerelevanten Erkrankungen anzugeben. Um eine bessere Vorstellung davon zu erhalten, welche Einschränkungen im täglichen Leben aus der Erkrankung resultieren, können auch Funktionsdiagnosen angegeben oder Freitextangaben gemacht werden.

Vorsorgebedürftigkeit

Die Angaben zur Vorsorgebedürftigkeit umfassen Informationen zur Anamnese, zu den vorübergehenden Beeinträchtigungen der Aktivitäten und Teilhabe (z.B. häusliches Leben organisieren, mit Stress umgehen) sowie zu den Kontextfaktoren, die für die mütter- / väterspezifische Problemkonstellation relevant sind (z.B. mangelnde Unterstützung bei der Kindererziehung, Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie).

Krankenbehandlung und andere Maßnahmen

Es werden die bisher durchgeführten Leistungen der Krankenbehandlung (z.B. ärztliche Interventionen, Arzneimittel- / Heilmitteltherapie) und andere Maßnahmen (z.B. Reha-Sport / Funktionstraining) abgefragt. Zudem muss bestätigt werden, dass das Behandlungsziel mit weiteren Heilmittelbehandlungen nicht zu erreichen ist.

Vorsorgeziele

Es sind die Vorsorgeziele in Bezug auf die genannten Gesundheitsstörungen / Erkrankungen anzugeben (z.B. Erlernen von Bewältigungsstrategien, Vermeidung der Chronifizierung).

Zuweisungsempfehlungen

Der Arzt kann eine Leistungsform empfehlen (z.B. ausschließlich Mütter-Leistung oder gemeinsame Mutter-Kind-Leistung) sowie Angaben zu Kindern machen, die mit aufgenommen werden sollten.

Sonstige Angaben

Schließlich können spezifische Anforderungen an die Einrichtungen (z.B. Klima, Barrierefreiheit) sowie eine Telefonnummer bei Rückrufwunsch angegeben werden. Sofern die beantragte Leistung zur medizinischen Vorsorge vor Ablauf der gesetzlich festgelegten Wartefrist von vier Jahren erforderlich ist, ist dies näher zu erläutern.

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