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Praxisnachrichten

Reform der Notfallversorgung

Streit um Notfallversorgung - KBV plant zentrale Anlaufstelle

19.07.2018 - In der Diskussion um eine Notfallgebühr hat KBV-Chef Dr. Andreas Gassen klargestellt, dass es nicht darum gehe, „echte“ Notfallpatienten zur Kasse zu bitten. Anliegen sei vielmehr, dass Patienten mit akuten Beschwerden schnellstmöglich die richtige Versorgung erhielten. Dazu wird die KBV die bundesweite Bereitschaftsdienstnummer 116117 als zentrale Anlaufstelle ausbauen.

Gassen hatte am Montag in einem Zeitungsinterview eine finanzielle Steuerung als „Ultima Ratio“ nicht ausgeschlossen, wenn andere Steuerungsmittel nicht greifen, und damit heftige Diskussionen ausgelöst. Bereits zuvor hatte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen eine Kontaktgebühr als letztes Mittel der Patientensteuerung ins Gespräch gebracht.

Hintergrund ist, dass immer mehr Patienten mit Bagatellerkrankungen auch tagsüber die Notfallaufnahmen und Rettungsstellen der Krankenhäuser aufsuchen und die Ärzte dadurch immer weniger Zeit für „echte“ Notfälle haben. Nach einem Gutachten der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin machen das in den Notaufnahmen etwa 50 bis 70 Prozent der Patienten aus.

KBV plädiert für Steuerung der Patienten

Aufgrund der zunehmenden Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen bedarf es aus Sicht der KBV dringend einer Steuerung der Patienten. Viele Menschen wollten heute medizinische Probleme an sieben Tagen rund um die Uhr gelöst haben und sehr wenige differenzierten in wirklich ernsthafte, bedrohliche Notfälle, sagte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender KBV-Vorstandsvorsitzender, heute in einem Videointerview mit KV-on. Dafür bräuchte man ausreichend Personal, doch das werde immer knapper, obwohl die Ärzte immer mehr arbeiteten.

Hofmeister: Patienten da erreichen, wo das Problem beginnt

„Man muss den Patienten da erreichen, wo sein Problem beginnt. Wenn er das Gefühl hat, er braucht medizinische Hilfe, muss er jemanden erreichen können, idealerweise erstmal telefonisch“, erläuterte Hofmeister. Hier setzt das Konzept der KBV an, dass neben Portal- und Bereitschaftsdienstpraxen eine telefonische Anlaufstelle für Patienten vorsieht.

Künftig sollen Patienten rund um die Uhr die 116117 anrufen können. Medizinisch geschultes Personal kümmert sich um die Anrufer und klärt, wie dringlich das Problem ist: Kann ein solcher Patient zum Beispiel tagsüber in die Routineversorgung geleitet werden, muss er sofort notärztlich gesehen werden oder reicht es, wenn er am nächsten Tag einen Arzt aufsucht. Die Klärung erfolgt mithilfe einer standardisierten medizinischen Ersteinschätzung.

Telefonische Beratung und Terminvermittlung

Es werden sich viele Fragen und Probleme gerade bei leichten Beschwerden bereits am Telefon klären lassen, wie Hofmeister unter Hinweis auf Erfahrungen anderer Länder hervorhob. Dafür soll es die Möglichkeit einer ärztlichen Beratung geben. Auch eine Terminvermittlung sei in dringenden Fällen denkbar. Eine Ausweitung der Einsatzzeiten des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist nicht vorgesehen. Dafür seien gar nicht genug Ärzte vorhanden, betonte der Vize-KBV-Chef in dem Videobeitrag.

Entlastung für Ärzte

Das neue 116117-Angebot soll auch die niedergelassenen Ärzte entlasten, die heute schon an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Denn insgesamt, so Hofmeister, stiegen die Leistung und die gelieferte Arbeitszeit der Ärzte und Psychotherapeuten kontinuierlich an, und zwar nicht nur im Notfallbereich, sondern auch im Bereich der Regelversorgung.

Gassen: „Wir warten auf die Zustimmung des Gesetzgebers“

Die Vorbereitungen für das neue Angebot laufen, auch die ersten Pilotprojekte sind am Start. „Wir warten auf die Zustimmung des Gesetzgebers, dass wir den 24-Stunden-Service unter der Nummer 116117 aufbauen können“, sagte Gassen. Zurzeit dürften die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ein solches Angebot nur zu den sprechstundenfreien Zeiten bereitstellen, nicht rund um die Uhr.

Werbekampagne für die 116117

Um die 116117 bekannter zu machen, plant die KBV gemeinsam mit den KVen eine Werbekampagne. Sie soll Anfang nächsten Jahres starten. Hofmeister sieht darin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es könne nicht allein Aufgabe der Ärzte sein, die Nummer zu propagieren. Auch Politik und Medien seien in der Pflicht.

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