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Honorar für 2019 geeint

Honorarverhandlungen: Vergütung steigt um 620 Millionen Euro

23.08.2018 - Für die Vergütung ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen stehen im nächsten Jahr rund 620 Millionen Euro mehr zur Verfügung. Darauf haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband am Dienstag geeinigt.

Der Orientierungswert wird zum 1. Januar 2019 auf 10,8226 Cent angehoben (aktuell 10,6543 Cent). Damit steigt die Vergütung für alle ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen um rund 1,58 Prozent. Das bedeutet etwa 550 Millionen Euro mehr für die Versorgung gesetzlich krankenversicherter Patienten.

Voraussichtlich weitere rund 70 Millionen Euro mehr müssen die Krankenkassen bereitstellen, um den wachsenden Behandlungsbedarf ihrer Versicherten zu finanzieren. Die genauen Berechnungen zu den regionalen diagnose- und demografiebezogenen Veränderungsraten laufen noch. Die Raten sollen Mitte September beschlossen werden.

Angebot der Kassen lag bei 0,2 Prozent

Die Krankenkassen hatten in der ersten Verhandlungsrunde eine Steigerung des Orientierungswertes von 0,2 Prozent angeboten. Der jetzt gefasste Beschluss wurde im Erweiterten Bewertungsausschuss, dem neben jeweils drei Mitgliedern der KBV und des GKV-Spitzenverbandes drei unparteiische Mitglieder angehören, einstimmig gefasst.

KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen zeigte sich zufrieden, dass eine Einigung erzielt werden konnte. Nach dem miesen Angebot der Krankenkassen habe die Ärzteseite damit kaum noch gerechnet, sagte er. Im vorigen Jahr hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss gegen die Stimmen der KBV einen Beschluss gefasst und für den Orientierungswert eine Steigerung von 1,18 Prozent festgelegt.

Gassen: keine „echten“ Honorarverhandlungen

Gassen wies auf die begrenzten Möglichkeiten hin, die die bundesweiten Honorarverhandlungen bieten. „Es geht vornehmlich um den Orientierungswert, der neben der Punktzahl zwar ein entscheidender Faktor für die Preise ärztlicher und psychotherapeutischer Leistung ist. Fehlbewertungen im EBM beispielsweise werden dadurch aber nicht korrigiert“, betonte er.

Zudem basierten sowohl die Anpassung des Orientierungswertes als auch die Ermittlung des Behandlungsbedarfs auf standardisierten Verfahren. Von echten Honorarverhandlungen könne deshalb nicht die Rede sein.

In einem Video-Interview mit KV-on betonte Gassen, die Entbudgetierung vorantreiben zu wollen. Das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz enthalte erste Ansätze. Die KBV werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Grund- und Versichertenpauschalen extrabudgetär vergütet werden.

Weitere Kosten werden geprüft

Zu den Ergebnissen der Honorarverhandlungen gehört auch, dass die Krankenkassen im Grunde anerkannt haben, dass der gestiegene Aufwand der Praxen für die Einhaltung von Vorschriften zur Hygiene und zum Datenschutz zu Mehrkosten führt. Das gleiche gilt für Investitionen zur Digitalisierung.

Diese Mehrausgaben wurden zwar nicht bei der Anhebung des Orientierungswertes für 2019 berücksichtigt, wie von der KBV gefordert. Der Erweiterte Bewertungsausschuss erteilte aber dem Institut des Bewertungsausschusses einen Prüfauftrag, um die entstandenen Kosten berechnen zu können.

Beratungen zu Hausbesuchen

Die KBV hatte in den Honorarverhandlungen außerdem gefordert, die Bezahlung der Haus- und Pflegeheimbesuche deutlich zu verbessern. Ein entsprechender Beschlussantrag war in der vergangenen Woche vom GKV-Spitzenverband abgelehnt worden. Nun soll in den Beratungen zur EBM-Weiterentwicklung die Vergütung von Besuchen thematisiert werden.

Die Ergebnisse der bundesweiten Honorarverhandlungen bilden die Basis für die regionalen Honorarverhandlungen, die die Kassenärztlichen Vereinigungen ab Herbst mit den Krankenkassen vor Ort führen.

Auf einen Blick: Die Ergebnisse

  • Orientierungswert: Der Orientierungswert steigt zum 1. Januar 2019 um 1,58 Prozent auf 10,8226 Cent (aktuell: 10,6543 Cent). Die Gesamtvergütung wächst damit um rund 550 Millionen Euro.
  • Behandlungsbedarf: Das Klassifikationsmodell zur Ermittlung der regionalen diagnose- und demografiebezogenen Veränderungsraten wurde beschlossen, die Raten sollen am 18. September beschlossen werden. Für den steigenden Behandlungsbedarf wird ein zusätzlicher Vergütungsumfang von 70 bis 80 Millionen Euro erwartet.
  • Anerkennung weiterer Kosten: Zusätzliche Ausgaben, die den Praxen für die Einhaltung von Vorschriften zur Hygiene und zum Datenschutz (Datenschutz-Grundverordnung) entstehen, wurden im Grunde anerkannt; es sollen jetzt weitere Berechnungen erfolgen. Das gleiche gilt für Kosten für die Digitalisierung, die nicht durch andere Regelungen abgedeckt sind, zum Beispiel durch die Finanzierungsvereinbarung zur Telematikinfrastruktur.
  • Besuche: Der GKV-Spitzenverband hatte in der ersten Verhandlungsrunde einen Beschlussantrag der KBV zur besseren Honorierung von Besuchen abgelehnt. Die Beratungen sollen jetzt im Zuge der EBM-Weiterentwicklung geführt werden.

Honorarverhandlungen: Darüber wird verhandelt

KBV und GKV-Spitzenverband haben den gesetzlichen Auftrag, jährlich über die Morbiditätsentwicklung und über die Anpassung des Orientierungswertes zu verhandeln.

Eine Vorgabe des Gesetzgebers ist, dass die Krankenkassen das volle Morbiditätsrisiko ihrer Versicherten tragen müssen. Das bedeutet: Nimmt die Zahl der Erkrankungen und damit der Behandlungsbedarf in der Bevölkerung zu, müssen die Kassen entsprechend mehr Geld bereitstellen.

Außerdem sieht das Gesetz vor, dass der Orientierungswert jedes Jahr überprüft und angepasst werden soll. Dabei sind die für Arztpraxen relevanten Investitions- und Praxiskosten zu berücksichtigen. Ferner sollen die Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven sowie die allgemeine Kostendegression bei Fallzahlsteigerungen in die Berechnungen eingezogen werden.

Die Beschlüsse auf Bundesebene bilden die Grundlage für weitere Verhandlungen auf Landesebene. Dort beginnen im Herbst die Verhandlungen zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen. Dabei wird es darum gehen, wie viel Geld die Krankenkassen für die ambulante Versorgung der Menschen in der jeweiligen Region im nächsten Jahr bereitstellen. Basis bildet die auf Bundesebene vereinbarte morbiditätsbedingte Veränderungsrate und die vereinbarte Anpassung des Orientierungswertes.

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