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Praxisnachrichten

Hausärzte spielen für pflegende Angehörige wichtige Rolle

13.09.2018 - Für pflegende Angehörige ist der Hausarzt zunehmend ein wichtiger Ansprechpartner. „Dieser Bedarf an Unterstützung wird in den nächsten Jahren weiter steigen“, betonte KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister in einem Gespräch mit den PraxisNachrichten.

Hofmeister nahm Bezug auf Zahlen der aktuellen Versichertenbefragung der KBV, bei der fast jeder fünfte der rund 6.000 Befragten angegeben hatte, einen ihm nahestehenden Menschen zu pflegen. 59 Prozent teilten mit, sich in dieser Situation ratsuchend an den Hausarzt zu wenden. Überdurchschnittlich oft erfolgt die Rücksprache bei den über 70-Jährigen.

Bedarf an Unterstützung wächst

„Die Pflege Angehöriger ist eine körperlich und emotional sehr belastende Aufgabe“, sagte Hofmeister, der selbst Hausarzt ist. Oftmals würden Betroffene erst spät realisieren, dass sie Hilfe benötigten, um nicht selbst zu erkranken.

Mit Blick auf die Alterung der Bevölkerung betonte er: „Hausärzte werden sich in Zukunft nicht nur um mehr pflegebedürftige Patienten kümmern müssen, sondern auch um deren Angehörige.“ Dies sei eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Seelische Last stärker als körperliche

Bei der Versichertenbefragung hatten fast 60 Prozent der Pflegenden angegeben, dass sie die Pflege körperlich stark oder sehr stark belastet. Eine körperlich starke Belastung reklamierten mehr Frauen (63 Prozent) als Männer (45 Prozent) sowie deutlich mehr ältere als jüngere Befragte.

Ferner fiel auf, dass die seelischen Folgen schwerer wiegen als die körperlichen: 78 Prozent der pflegenden Angehörigen berichteten von einer starken oder sehr starken gefühlsmäßigen Belastung. Diese ist am größten, wenn der Pflegebedürftige an Demenz leidet.

Schnittstelle zu Service-Angeboten für Pflegende

„Pflegende Angehörige brauchen Ansprechpartner im Gesundheitswesen, die neben der Versorgung der Pflegebedürftigen selbst vor allem die körperliche Gesundheit und die seelischen Sorgen der Hilfegebenden im Blick haben“, sagte Professor Adelheid Kuhlmey von der Berliner Charité bei der Vorstellung der Befragungsergebnisse Ende August. Diese Ansprechpartner seien im zunehmenden Maße Hausärzte.

Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften, das die KBV seit zehn Jahren bei der Versichertenbefragung berät, sieht darin eine zusätzliche Leistung der Hausärzte. Die Befragungsergebnisse zeigten, dass sich die angesprochenen Ärzte nicht ausschließlich mit den gesundheitlichen Beschwerden ihrer pflegenden Patienten befassten , sondern auch mit unterstützenden Hinweisen und präventiven Hilfen reagierten, hob Kuhlmey hervor und fügte hinzu: „quasi als Schnittstelle zu Service-Angeboten für Pflegende“.

Bei der Versichertenbefragung hatten rund drei Viertel der Befragten, die mit ihrem Hausarzt über ihr Pflegeengagement gesprochen haben, angegeben, dass sie auf solche Angebote aufmerksam gemacht wurden.

Versorgungskonzept der KBV für Pflegende

Die Vertragswerkstatt der KBV hat bereits vor Jahren ein spezielles Versorgungskonzept für pflegende Angehörige entwickelt. Ziel ist es, den gesundheitlichen Risiken und Einschränkungen der Betroffenen vorzubeugen beziehungsweise diese zu minimieren.

Das Konzept setzt bei der zentralen Schlüsselfunktion des Hausarztes an, die durch die Versichertenbefragung erneut belegt wurde. Durch eine gezielte Situationsanalyse und Beratung durch den Arzt soll eine frühzeitige individuelle Unterstützung ermöglicht werden, um die Gesundheit zu erhalten.
Konkret sieht das Versorgungskonzept zunächst eine genaue Ermittlung des individuellen pflegebedingten Gesundheitsrisikos des pflegenden Angehörigen vor. Diese ist die Grundlage für eine weiterführende Beratung zu körperlichen und psychosozialen Belangen.

Die Krankenkassen sind aufgerufen, mit der KBV und den Kassenärztlichen Vereinigungen entsprechende Verträge abzuschließen, damit dieses Konzept den Versicherten zugute kommen kann.

Vertragswerkstatt der KBV

Impulse für die Weiterentwicklung von Strukturen und Prozessen sowie für die Qualität und Patientenorientierung insgesamt ergeben sich kontinuierlich aus einer dynamischen Versorgungslandschaft. Die Vertragswerkstatt der KBV entwickelt deshalb seit ihrer Gründung im Jahr 2005 mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, Ärzten, Berufsverbänden und Selbsthilfeorganisationen entsprechende Vertragskonzepte, die den Kollektivvertrag dort ergänzen, wo spezifische Zusätze die Versorgung verbessern können.

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