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Praxisnachrichten

Substitutionstherapie: G-BA passt Richtlinie an

20.09.2018 - Die umfangreichen Änderungen in der Substitutionstherapie aus dem vergangenen Jahr sind nun auch in der entsprechenden Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses umgesetzt worden. Erleichterungen für Ärzte gibt es bei der Dokumentation zur Qualitätssicherung. Die Therapieziele wurden weiter gefasst.

Ziel der Reform war und ist es, das Versorgungsangebot zu verbessern und mehr Ärzte für die Substitutionsbehandlung zu gewinnen. Dazu wurden die Regeln stärker an die Versorgungsrealität angepasst.

Unter anderem sind Substitutionsärzte seitdem rechtlich besser abgesichert, da wesentliche ärztlich-therapeutische Belange in die Richtlinienkompetenz der Bundesärztekammer (BÄK) fallen.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat nun am 6. September die Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung (Anlage I Nummer 2) angepasst.

Damit werden inhaltlich die Vorgaben aus der 2017 überarbeiteten Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung und der BÄK-Richtlinie zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger nachvollzogen.

Therapieziele neu definiert

Die Opioidabhängigkeit wird als schwere chronische Krankheit definiert, die in der Regel einer lebenslangen Behandlung bedarf. Die Suchtmittelfreiheit als oberstes Ziel wurde in der G-BA-Richtlinie gestrichen und hinsichtlich einer Opioidabstinenz konkretisiert.

Diese soll im Rahmen der ärztlichen Therapie angestrebt werden, zum Beispiel in einem zielorientierten motivierenden Gespräch, in dem die Opioidabstinenz thematisiert wird. Die Ergebnisse der Gespräche werden dokumentiert.

Die Zielsetzung der Substitution wurde in der Richtlinie insgesamt weiter gefasst.

Erweitertes Drogenscreening

Neu ist zudem ein erweitertes Drogenscreening, bestehend aus qualitativen und gegebenenfalls quantitativen Substanzbestimmungen im Rahmen der körperlichen Untersuchung.

Stichprobenprüfungen ausgesetzt

Der G-BA setzt mit der angepassten Richtlinie die Stichprobenprüfungen zur Qualitätssicherung für das laufende Jahr nun offiziell aus. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) hatten die Prüfungen im Sommer bereits eingestellt. Hintergrund waren datenschutzrechtliche Bedenken.

Ab 2019 erfolgen wieder Stichprobenprüfungen. Dazu muss die patientenbezogene Dokumentation vor der Übermittlung pseudonymisiert werden. Es kommt dabei das Verfahren zum Einsatz, das Ärzte bereits bei der Datenübermittlung an das Substitutionsregister anwenden.

Weniger Datenübermittlungen

Aus Datenschutzgründen entfallen zudem weitere Vorgaben: Zum Beispiel müssen Ärzte zu Beginn der Substitutionstherapie nicht mehr ihre Dokumentation zur Prüfung an die Qualitätssicherungskommission der KV übermitteln, wenn es sich um Patienten handelt, die erst kürzere Zeit drogenabhängig sind. Dasselbe gilt für die Patienten unter 18 Jahre sowie bei allen Behandlungen mit Diamorphin, Codein oder Dihydrocodein.

Für alle Substitutionsbehandlungen entfällt die Datenübermittlung an die Kommissionen, die bislang nach Ablauf von fünf Behandlungsjahren vorgegeben war.

Auch müssen Ärzte keine schriftliche Bestätigung der psychosozialen Beratungsstelle über die Aufnahme oder die Fortführung einer psychosozialen Betreuung mehr einholen.

BMG prüft Beschluss

Das Bundesgesundheitsministerium hat zunächst zwei Monate Zeit, den Beschluss des G-BA zu prüfen. Nach erfolgter Nichtbeanstandung wird er im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt am Folgetag in Kraft.

Anschließend hat der Bewertungsausschuss sechs Monate Zeit, den EBM zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Rechtsgrundlagen der Substitutionstherapie

Bei der Substitutionsbehandlung müssen Ärzte diverse rechtliche Grundlagen beachten. Hier eine kurze Übersicht:

Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (2017 überarbeitet)
Richtlinie der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger (2017 überarbeitet)
Betäubungsmittelgesetz
Arzneimittelgesetz
Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu Methoden der vertragsärztlichen Versorgung (Anlage 1 Nr. 2)

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