Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom im EBM

27.09.2018 - Die ambulante Behandlung von Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom mit der hyperbaren Sauerstofftherapie wird zum 1. Oktober als neue Leistung in den EBM aufgenommen. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Bewertungsausschuss in der vergangen Woche gefasst.

Beim diabetischen Fußsyndrom leiden Patienten an schlecht heilenden Wunden am Fuß. Bundesweit sind Experten zufolge etwa drei Prozent der Diabetiker betroffen. Zur Standardtherapie gehören medikamentöse Behandlung, Wunddebridement, Verbände, Druckentlastung und chirurgische Maßnahmen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte im vergangenen Jahr beschlossen, dass diese Behandlungsmethode auch in der vertragsärztlichen Versorgung angewendet werden darf.

Neuer Abschnitt 30.2.2 im EBM

Die hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom wird nun zum 1. Oktober als neuer Abschnitt 30.2.2 in den EBM aufgenommen. Die ärztlichen Aufwände werden durch fünf neue Gebührenordnungspositionen (GOP) abgebildet.

Dabei handelt es sich um die GOP 30210 (64 Punkte / 6,80 Euro) für die Teilnahme an einer multidisziplinären Fallkonferenz zur Indikationsprüfung, die GOP 30212 (343 Punkte / 36,50 Euro) für die Indikationsprüfung selbst und die GOP 30214 (140 Punkte / 14,90 Euro) für die Betreuung des Patienten zwischen den Druckkammerbehandlungen.

Für die Feststellung der Druckkammertauglichkeit wird die GOP 30216 (323 Punkte / 34,40 Euro) eingeführt und für die hyperbare Sauerstofftherapie selbst die GOP 30218 (1173 Punkte / 124,90 Euro).

Bestimmte Voraussetzungen notwendig

Für die Anwendung der Sauerstofftherapie und deren Abrechnung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So müssen unter anderem die Standardtherapien erfolglos geblieben sein.

Die Überweisung an ein Druckkammerzentrum dürfen nur besonders qualifizierte Fachärzte ausstellen. Berechtigt sind Fachärzte für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie (in dieser Kombination) sowie Fachärzte im Gebiet Innere Medizin oder für Allgemeinmedizin jeweils mit der Anerkennung „Diabetologie“ oder „Diabetologe Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)“.

Eine multidisziplinäre Fallkonferenz (GOP 30210) muss stattgefunden haben und dessen Ergebnis bei der Indikationsüberprüfung vor Überweisung (GOP 30212) berücksichtigt werden.

Die Feststellung der Druckkammertauglichkeit (GOP 30216) und die hyperbare Sauerstofftherapie selbst (GOP 30218) können nur Fachärzte im Gebiet Innere Medizin, für Allgemeinmedizin, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Anästhesiologie, Orthopädie und Unfallchirurgie sowie im Gebiet Chirurgie mit einem „Druckkammerarzt“-Diplom der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. oder mit gleichwertiger Qualifikation berechnen.

Zudem ist für diese beiden Leistungen eine Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung erforderlich. Die Voraussetzungen für die Genehmigungserteilung sind in einem Anhang zum Abschnitt 30.2.2 aufgeführt.

Extrabudgetär vergütet

Die Leistungen werden zunächst – mit Ausnahme der GOP 30214 – für zwei Jahre extrabudgetär vergütet. Dann wird der Bewertungsausschuss anhand der Entwicklung der neuen GOP – insbesondere der Leistungsmenge und des Leistungsbedarfs sowie der Anzahl und der regionalen Verteilung der abrechnenden Ärzte – überprüfen, ob eine weitere extrabudgetäre Vergütung gerechtfertigt ist.

Übersicht: GOP für die hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom

 GOP Inhalt  Bewertung 
30210 Teilnahme an einer Fallkonferenz zur Indikationsprüfung vor Überweisung an ein Druckkammerzentrum 64 Punkte / 6,80 Euro
30212 Indikationsprüfung vor Überweisung an ein Druckkammerzentrum 343 Punkte / 36,50 Euro
30214 Betreuung eines Patienten zwischen den Druckkammerbehandlungen 140 Punkte / 14,90 Euro
30216 Feststellung der Druckkammertauglichkeit vor der ersten Sitzung 323 Punkte / 34,40 Euro
30218 Hyperbare Sauerstofftherapie 1173 Punkte / 124,90 Euro

 

Hyperbare Sauerstofftherapie

Der G-BA hat sich bereits mehrmals mit der hyperbaren Sauerstofftherapie als stationäre und ambulante Behandlungsmethode beim diabetischen Fußsyndrom befasst. Im Jahr 2000 wurde die Methode als Leistung in der ambulanten Versorgung nicht anerkannt. Im Krankenhaus war sie ab 2008 in Ausnahmefällen ab einer Wundtiefe des sogenannten Wagner-Stadiums III möglich (Wunde bis zu Knochen und Gelenken).

Im Jahr 2014 wurde ein erneutes Beratungsverfahren eröffnet. Trotz eines nicht eindeutig belegten medizinischen Nutzens hat der G-BA am 21. September 2017 beschlossen, Patienten diese ergänzende ambulante Behandlungsmöglichkeit zu eröffnen. Stationär und ambulant darf die hyperbare Sauerstofftherapie künftig ab einer Wundtiefe des sogenannten Wagner-Stadiums II angewendet werden (Wunde bis zu Gelenkkapsel, Sehnen, Knochen).

Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie atmen die Betroffenen unter erhöhtem Luftdruck in einer Druckkammer reinen Sauerstoff ein. So soll das Wundgewebe mit mehr Sauerstoff versorgt werden, um die Heilung anzuregen.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten