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Mehr Therapiemöglichkeiten für Menschen mit geistiger Behinderung

25.10.2018 - Für Menschen mit einer geistigen Behinderung steht künftig ein höheres Stundenkontingent für die psychotherapeutische Behandlung zur Verfügung. Das gilt für die Psychotherapeutische Sprechstunde, die probatorische Sitzung und die Rezidivprophylaxe.

Dazu hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) seine Richtlinie, die die Durchführung einer Psychotherapie zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung regelt, entsprechend ergänzt.

Grund für die Ausweitung des Angebotes ist, dass bei Menschen mit einer geistigen Behinderung häufig Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung sowie Problemerkennung und deren Lösung im Alltag auftreten. Insofern kann es notwendig sein, für die Behandlung der Störung auch eine Bezugsperson aus dem sozialen Umfeld einzubeziehen.

Zusätzliche Stundenkontingente

Mit der Richtlinienänderung wurde nunmehr die Möglichkeit geschaffen, Bezugspersonen in die Therapie einzubeziehen, ohne dass dies vom Patientenkontingent abgezogen wird. Jetzt gibt es für die Einbeziehung einer Bezugsperson ein extra Kontingent, sodass nun weitere Therapieeinheiten für die Psychotherapeutische Sprechstunde, die probatorischen Sitzungen und die Rezidivprophylaxe zur Verfügung stehen.

Danach können Menschen mit einer Intelligenzminderung für eine ambulante Psychotherapie bis zu zehn Psychotherapeutische Sprechstunden-Einheiten à 25 Minuten je Krankheitsfall in Anspruch nehmen. Probatorische Sitzungen à 50 Minuten sind sechsmal je Krankheitsfall möglich.

Bei der Rezidivprophylaxe können im Falle der Hinzuziehung von Bezugspersonen bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden maximal zehn Stunden und bei einer Behandlungsdauer von 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden genutzt werden.

Patientengruppe festgelegt

Der G-BA-Beschluss legt auch die Patientengruppe fest, für die die erweiterten Behandlungsmöglichkeiten gelten sollen. Dabei handelt es sich um Menschen, bei denen eine Diagnose entsprechend des Abschnitts „Intelligenzstörung“ (F70-F79) nach ICD-10 vorliegt.

Der Beschluss wird nunmehr vom Bundesgesundheitsministerium geprüft. Außerdem müssen KBV und GKV-Spitzenverband die Psychotherapie-Vereinbarung im Hinblick auf den Einbezug von Bezugspersonen im Rahmen der Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie oder analytischen Psychotherapie anpassen. Die PraxisNachrichten werden darüber berichten.

Übersicht der neuen Kontingente

  • Psychotherapeutische Sprechstunde: bis zu zehn psychotherapeutische Sprechstunden-Einheiten à 25 Minuten je Krankheitsfall (insgesamt bis zu 250 Minuten) möglich (bisher: bis zu sechs Sprechstunden / bis zu 150 Minuten)
  • Probatorische Sitzungen: bis zu sechs probatorische Sitzungen in Einheiten à 50 Minuten je Krankheitsfall (insgesamt bis zu 300 Minuten) möglich (bisher: insgesamt bis zu vier Sitzungen)
  • Rezidivprophylaxe: im Falle der Hinzuziehung von relevanten Bezugspersonen können bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden maximal zehn Stunden und bei einer Behandlungsdauer von 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden für die Rezidivprophylaxe genutzt werden (bisher: maximal acht beziehungsweise 16 Stunden)

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