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Praxisnachrichten

PraxisBarometer zeigt Stand der Digitalisierung in Praxen

25.10.2018 - Die Digitalisierung ist in den Praxen der Ärzte und Psychotherapeuten weit vorangeschritten. Das ergab das erstmals von der KBV in Auftrag gegebene PraxisBarometer, wofür rund 1.750 Ärzte und Psychotherapeuten befragt wurden.

Mit dieser Analyse liegt erstmals eine umfassende, repräsentative Erhebung mit belastbaren Zahlen vor, wie KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen am Dienstag bei der Vorstellung des PraxisBarometers sagte. Bereits 73 Prozent der befragten Praxen hätten die Patientendokumentation fast vollständig oder vollständig digitalisiert. Über eine digitale Anwendung zur Erkennung von Arzneimittelwechselwirkungen verfügten bereits 60 Prozent der Hausärzte.

Zudem habe sich herauskristallisiert, dass die Ärzte und Psychotherapeuten große Chancen in der Digitalisierung sähen, betonte Gassen, beispielsweise beim Datenaustausch oder im Praxismanagement.

Digitalisierungsstand noch ungleich verteilt

Insgesamt ergab das PraxisBarometer, dass die Ärzte und Psychotherapeuten der Digitalisierung offen und aufgeschlossen gegenüber stehen, wenngleich der Digitalisierungsstand unterschiedlich ist. Vorne liegen größere Praxen mit spezialisiertem fachärztlichen Versorgungsangebot oder interdisziplinärer Ausrichtung. Auch nutzen tendenziell mehr jüngere Ärzte elektronische Anwendungen.

Hausarztpraxen sind bei Themen wie der Patientendokumentation und Arzneimitteltherapiesicherheit am fortschrittlichsten. Die digitale Kommunikation mit Patienten pflegen die Psychotherapeuten am intensivsten.

Kommunikation mit anderen Ärzten

Die Ärzte erhofften sich durch die Digitalisierung der Studie zufolge Erleichterung und Zeitgewinn, unter anderem in der schriftlichen Kommunikation mit Kollegen. Bislang geschieht das mit Niedergelassenen zu 86 Prozent in Papierform und mit Krankenhäusern sogar zu 94 Prozent.

Einen Grund für diese niedrigen Zahlen sieht KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel in der verpflichtenden qualifizierten elektronischen Signatur mit dem elektronischen Heilberufsausweis. Dieses Verfahren hält viele Ärzte davon ab, Befunde oder Arztbriefe elektronisch zu versenden, da es in der Regel nicht praktikabel sei.

Standardisierte Schnittstelle gefordert

Kriedel appellierte zugleich an die Industrie, den Praxen „sichere und funktionale Lösungen zu bieten“. Bereits drei Viertel der Praxen verfügten über medizinische Geräte, mit denen sich die Untersuchungsergebnisse direkt in das Praxisverwaltungssystem übertragen lassen. Allerdings gebe es hierfür keine standardisierte Schnittstelle, sodass Ärzte immer wieder einen komplizierten und langwierigen Datenaustausch beklagten, betonte er. Hier bedürfe es einheitlicher Vorgaben.

Zudem müsse der flächendeckende Breitbandausbau weiter vorangetrieben werden, forderte Kriedel. Denn was nütze es einer Landarztpraxis, ihre Kommunikation zu digitalisieren, wenn die Internetverbindung nicht funktioniere.

Ärzte zweifeln an IT-Sicherheit

Bei allem Digitalisierungsfortschritt signalisieren die Befragten auch Skepsis. Dem PraxisBarometer zufolge sieht 79 Prozent der Ärzteschaft als mögliches Hemmnis das Thema IT-Sicherheit. 43 Prozent der Befragten fürchten die Fehleranfälligkeit der elektronischen Datenverarbeitung. Rund 44 Prozent haben ernsthafte Bedenken, ob sie durch die Digitalisierung wirklich mehr Zeit für ihre Patienten haben.

Impfpass und Medikationsplan

Großes Potenzial attestieren Ärzte und Psychotherapeuten der Digitalisierung dagegen bei elektronischen Medikationsplänen (54 Prozent), digitalen Notfalldatensätzen (49 Prozent) sowie digitalen Verordnungen (44 Prozent). Auch bei Einführung eines digitalen Mutter- beziehungsweise Impfpasses (43 Prozent) und einrichtungsübergreifender digitaler Patientenakten (38 Prozent) sehen viele Ärzte Vorteile für die Patientenversorgung.

Umfangreichste Befragung zur Digitalisierung

Das PraxisBarometer Digitalisierung wurde in diesem Jahr erstmalig durchgeführt. Auftraggeber ist die KBV, die Durchführung und wissenschaftliche Qualitätssicherung oblag dem IGES Institut. Dieses hat rund 7.000 Praxen angeschrieben, insgesamt konnten Angaben von 1.764 Praxen ausgewertet werden.

Damit stellt das PraxisBarometer die bislang umfassendste repräsentative, wissenschaftlich begleitete Befragung von Ärzten und Psychotherapeuten zum Stand der Digitalisierung dar. Die Erhebung soll regelmäßig wiederholt werden.

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