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Bürokratieindex 2018: Wiederum höhere Belastung in den Praxen

29.11.2018 - In deutschen Arztpraxen ist der Verwaltungsaufwand auch 2018 wieder leicht gestiegen. Die Bürokratielasten erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent. Das ergab der zum dritten Mal von der KBV veröffentlichte Bürokratieindex. Damit wenden Ärzte und Psychotherapeuten knapp 323.000 Stunden mehr für Verwaltungstätigkeiten auf als im Berichtsjahr 2017.

Der von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) erstellte Bürokratieindex für die vertragsärztliche Versorgung (BIX) zeigt auf, wieviel Zeit die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im Jahr für die Erfüllung bürokratischer Pflichten aufbringen müssen.

Durch steigende Fallzahlen mehr Verordnungen

Den Hauptgrund für den erneut anwachsenden bürokratischen Aufwand sehen die Wissenschaftler hinter dem BIX in der demografischen Entwicklung und den damit morbiditätsbedingt steigenden Fallzahlen an Behandlungen. Diese wiederum lösen einen höheren Aufwand für Verordnungen und Bescheinigungen aus, durch die ohnehin schon nachgewiesenermaßen die höchste zeitliche Belastung unter den erfassten Typen bürokratischen Aufwands entsteht.

60 Arbeitstage für die Bürokratie

Insgesamt benötige jede Praxis rechnerisch rund 60 Arbeitstage im Jahr allein für die Erfüllung von Verwaltungsaufgaben bedingt durch Vorgaben der gemeinsamen Selbstverwaltung, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel bei der Vorstellung des BIX. Diese Zeit stehe nicht für direkte Behandlung von Patienten zur Verfügung. „Und das in Zeiten, da ärztliche Arbeitszeit ohnehin ein knappes Gut ist.“

Professor Dr. Volker Wittberg von der FHM, Leiter des Nationalen Zentrums für Bürokratiekostenabbau, betonte, dass sich die wachsende Bürokratielast auch auf die Entscheidung junger Ärzte für oder gegen eine Niederlassung auswirke.

Belastungen und Entlastungen

Insgesamt haben die Wissenschaftler trotz steigendem Bürokratieaufwand auch Entlastungen ausgemacht, die vor allem aus bei Informationspflichten sinkenden Fallzahlen resultieren, wie die Benachrichtigung der Krankenkasse bei Beendigung oder Abbruch einer psychotherapeutischen Behandlung. Zudem sind auch Informationspflichten entfallen, wie die Überweisung zum Durchgangsarzt.

Zugleich sind aber auch höhere Belastungen entstanden, wie bei der Verordnung häuslicher Krankenpflege aufgrund von demografie- beziehungsweise morbiditätsbedingt steigenden Fallzahlen. Ganz oben bei den Belastungen steht nach wie vor die Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Zwar wurde diese in der Vergangenheit vereinfacht, doch aufgrund der guten Arbeitsmarktlage gibt es Wittberg zufolge einfach mehr Beschäftigte und damit auch mehr Krankschreibungen.

KBV fordert verbindliches Bürokratie-Abbauziel

Um dem steigenden Bürokratieaufwand etwas entgegenzusetzen, fordert die KBV einen nachhaltigen und aktiven Bürokratieabbau. Das könne das KV-System nicht allein bewerkstelligen, betonte Kriedel. Da müssten die Kassen mitziehen und nach aufwandsärmeren Regelalternativen suchen.

So wäre ein verbindliches Abbauziel von 25 Prozent nach Vorbild der Bundesregierung sinnvoll, sagte Kriedel. Dies entspräche einer rechnerischen Einsparung von 15 bürokratiebedingten Arbeitstagen je Praxis jährlich, die dann zusätzlich für die Versorgung von Patienten zur Verfügung stünden.

Nur Vorgaben der Selbstverwaltung berücksichtigt

Die KBV und die Fachhochschule des Mittelstands haben den Bürokratieindex jetzt zum dritten Mal erarbeitet. Für die jährliche Ermittlung des Index wird nur der Anteil an Verwaltungsaufgaben betrachtet, der durch Vorgaben der Selbstverwaltung auf Bundesebene verursacht wird. Gesetzliche Regelungen fallen nicht darunter. Diese werden durch das Statistische Bundesamt in einem eigenen Index geführt.

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