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Zeit läuft uns davon

"Arztzeituhr": Alle vier Stunden ein Arzt weniger

24.01.2019 - Angesichts der rasant sinkenden Arztzeit hat die KBV bessere Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte gefordert. Das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz bewirke jedoch durch massive Eingriffe in die Praxisabläufe das Gegenteil, kritisierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Zur Verdeutlichung der knapper werdenden Arztzeit präsentierte die KBV eine drei Meter lange digitale „Arztzeituhr“, die minütlich sichtbar zurückgeht. „Rein rechnerisch verschwinden mit jeder Minute 474 Arztzeitminuten“, erläuterte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. „Anders ausgedrückt: Alle vier Stunden steht ein Arzt weniger für die Versorgung zur Verfügung.“

Die Zeit für Patienten sinkt

„Mit diesem rückwärtslaufenden Countdown wollen wir ein Signal setzen und eine Entwicklung sichtbar machen, die bisher nahezu unbemerkt verläuft“, betonte Hofmeister und fügte hinzu: Die Zahl der Köpfe in der Versorgung bleibe zwar mehr oder weniger gleich, aber die damit einhergehende Zeit werde permanent weniger.

TSVG verstärkt diesen Trend

Denn immer mehr Ärzte entscheiden sich gegen eine Selbständigkeit mit einer 52-Stunden-Woche und lassen sich stattdessen anstellen, zunehmend auch in Teilzeit, erläuterte Hofmeister. Er stellte klar, dass es dabei nicht um Kritik an den angestellten Kollegen gehe, die eine hervorragende Arbeit leisteten. Es sei verständlich und auch richtig, dass sich Arbeits- und Privatleben möglichst ausgeglichen die Waage hielten. Vielmehr wolle die KBV zeigen, was passiere, wenn die Niederlassung immer unattraktiver werde.

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das die Ärzte bevormunde, werde diese Entwicklung verstärken, sagte Gassen. Umso verwunderlicher sei es, dass die Politik will, dass Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten mehr und schneller Termine zur Verfügung stellen. Die dafür in Aussicht gestellten rund 600 Millionen Euro seien zwar viel Geld, verteilt auf über 160.000 Ärzte und Psychotherapeuten aber nicht mal mehr als 4.000 Euro pro Praxis im Jahr.

Bevormundung treibt Ärzte früher in den Ruhestand

Angesichts der kleinteiligen und mit mehr Bürokratie verbundenen Regelungen im TSVG geht Gassen davon aus, dass gerade ältere Kollegen früher als geplant ihre Praxis aufgeben werden. „Die Ärzte werden nicht mit Plakaten und Tröten durch die Berliner Innenstadt ziehen, sondern in die innere Emigration gehen und sich aus der Versorgung zurückziehen. Dann läuft die Arztzeituhr noch schneller.“

Arztzeituhr am Herbert-Lewin-Platz

Die Berechnung für die Uhr geht davon aus, dass über die nächsten Jahre bis 2025 im gleichen Maße wie seit 2010 die Zahl der selbständigen Ärzte sinkt und die der angestellten steigt. Der mögliche Ruhestand von Ärzten über 65 Jahre und der Mehrbedarf durch die demografische Veränderung der Bevölkerung sind nicht einbezogen.

Die Arztzeituhr steht ab sofort im Foyer des KBV-Gebäudes am Herbert-Lewin-Platz 2 in Berlin.

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