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Praxisnachrichten

Studie: Allgemeinmedizin für Studierende attraktiver geworden

31.01.2019 - Die Allgemeinmedizin und damit eine spätere Tätigkeit als Hausarzt haben bei Medizinstudierenden wieder an Attraktivität gewonnen. Das ist ein Ergebnis des Berufsmonitorings, in dem rund 14.000 Nachwuchsmediziner zu ihren Erwartungen an ihre berufliche Zukunft befragt wurden.

42,5 Prozent der Befragten können sich eine Niederlassung als Hausarzt vorstellen, beim Berufsmonitoring 2014 waren es 37,3 Prozent. Generell eine eigene Praxis präferieren 53,5 Prozent. Allerdings geht der Trend eher zur Gemeinschaftspraxis (50,6 Prozent) und weg von der Einzelpraxis (4,7 Prozent). Hohe Priorität hat für angehende Ärzte (95 Prozent) zugleich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Ambulanter Sektor bietet viele Möglichkeiten

„Der ambulante Sektor bietet alle Optionen, welche die Studierenden sich für ihre berufliche Zukunft wünschen“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister am Mittwoch bei der Vorstellung des Monitorings. „Ob Anstellung, Job-Sharing, Einzel- oder Gemeinschaftspraxis, Stadt oder Land, lokal oder standortübergreifend – kein anderer Bereich bietet so viele Möglichkeiten für Ärzte, sich beruflich zu verwirklichen und gleichzeitig ihre privaten Bedürfnisse zu berücksichtigen.“ Hofmeister betonte: „Keine Art der Berufsausübung ist inhaltlich und gestalterisch freier als die Selbständigkeit.“

Das gewachsene Interesse an der Allgemeinmedizin zeigt Hofmeister zufolge auch, „dass unsere Anstrengungen, wie der Ausbau und die Förderung der ambulanten Weiterbildung, erfolgreich waren und zur Aufwertung des Faches geführt haben“.

Bürokratie und finanzielles Risiko

Von den Studierenden, die sich keine eigene Praxis vorstellen können, gaben 62,3 Prozent als Grund die überbordende Bürokratie und 57,4 Prozent das finanzielle Risiko an.

„Wir haben es mit einer selbstbewussten Generation zu tun, die die freie Wahl hat, wo und wie sie arbeiten will“, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen und verwies darauf, dass das ambulante System nicht ohne selbstständige Ärzte in eigener Praxis funktioniere. Deshalb dürften die Medizinstudierenden „nicht mit immer neuen gesetzlichen Vorgaben zusätzlich von einer Niederlassung abgeschreckt werden“, sagte der KBV-Chef mit Blick auf das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz.

Trend zur wohnortnahen Berufstätigkeit

Zu weiteren zentralen Ergebnissen des Berufsmonitorings zählen, dass ländliche Regionen nach wie vor als unattraktiver Arbeitsort gelten. Der Trend zur wohnortnahen beziehungsweise heimatnahen Berufstätigkeit bleibt dagegen stabil. Unterdessen verlieren andere Bundesländer und das Ausland für die Nachwuchsmediziner an Attraktivität.

Bessere Praxisabläufe durch Digitalisierung

Von der Digitalisierung erhoffen sich die Studierenden Verbesserungen bei der Diagnose, Behandlung und Arbeitsorganisation. Allerdings befürchten sie eine Verschlechterung der Arzt-Patienten-Kommunikation und des Vertrauensverhältnisses.

Online-Befragung seit 2010

Das Berufsmonitoring ist eine bundesweite Online-Befragung, welche die Universität Trier seit 2010 alle vier Jahre im Auftrag der KBV in Kooperation mit dem Medizinischen Fakultätentag und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland durchführt.

Das Berufsmonitoring habe sich als viel beachteter Standard zur Dauerbeobachtung der Wünsche, Bewertungen und Erwartungen des ärztlichen Nachwuchses etabliert, betonte Professor Rüdiger Jacob, Akademischer Direktor (Soziologie) der Universität Trier.

Die aktuelle dritte Befragung fand im Juni und Juli 2018 statt. Angaben machten rund 14.000 Befragte, was rund 15 Prozent aller Medizinstudierenden entspricht.

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