Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Arzneimittelinformationssystem: KBV-Vorstand sieht Anpassungsbedarf

07.02.2019 - Verordnungshilfe, aber keine Verordnungssteuerung fordert die KBV für das geplante elektronische Arzneimittelinformationssystem. Dies machte sie am Montag anlässlich einer Anhörung des Bundesgesundheitsministeriums zu seiner Rechtsverordnung deutlich.

Der Entwurf für die „Elektronische Arzneimittelinformations-Verordnung“ sieht Mindestangaben dazu vor, welche Informationen aus der frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel zukünftig in der Praxissoftware abgebildet werden müssen. Vertragsärzte sollen so besser als bisher über die teilweise komplexen Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) in diesem Bereich informiert werden.

Die KBV begrüßt das Vorhaben grundsätzlich, warnt aber davor, die Softwaresysteme mit Informationen zu überfrachten. „Wir müssen uns dabei unbedingt auf die praxisrelevanten Inhalte der Beschlüsse beschränken, damit das Ganze einen Mehrwert für die Ärzte haben kann“, sagte in diesem Zusammenhang KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister.

Verordnungshilfe, aber keine Verordnungssteuerung

Die KBV drängt darauf, in der Rechtsverordnung klarzustellen, dass die abgebildeten Informationen nicht als Instrument zur Verordnungssteuerung missbraucht werden dürfen. „Im Vorfeld vorgetragene Forderungen, dass Ärzte dokumentieren sollen, welcher Subgruppe und damit welcher Zusatznutzenkategorie ein Patient zuzuordnen ist, lehnen wir strikt ab“, betonte Hofmeister.

Damit würde der Regressdruck, dem Vertragsärzte schon heute ausgesetzt seien, massiv zunehmen. Auch die damit verbundene bürokratische Belastung wäre nicht zu rechtfertigen.

Jahrestherapiekosten meist irreführend

In diesem Zusammenhang fordert die KBV auch, auf die Angabe und monatliche Aktualisierung der Jahrestherapiekosten des bewerteten Arzneimittels sowie der zweckmäßigen Vergleichstherapie zu verzichten.

Dabei handelt es sich aus Sicht der Ärztevertretung um theoretische und damit meist irreführende Werte, welche die tatsächlichen Ausgaben der Krankenkassen pro Patient nicht wiedergeben. Sie sind damit zu einer Beurteilung der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Verordnung durch den Vertragsarzt – gerade auch vor dem Hintergrund der praktizierten Mischpreisbildung – nicht geeignet.

So würden bei der Vereinbarung eines Erstattungsbetrags zwischen GKV-Spitzenverband und den pharmazeutischen Unternehmen meist auch Aspekte wie eine mengenbezogene Staffelung oder ein jährliches Gesamtausgabenvolumen zugrunde gelegt. Auch gibt es Vereinbarungen, in denen die Höhe des Erstattungsbetrags an den noch ausstehenden Nachweis eines Mortalitätsvorteils geknüpft ist. Bei Ausbleiben sind Rückzahlungen an die Krankenkassen vereinbart.

Angesichts solcher Vereinbarungskonstellationen und preislicher Verzerrungen könnten die Vertragsärzte nicht für die Therapiekosten haftbar gemacht werden, forderte Hofmeister. Die Verantwortung der Vertragsärzte liege ausschließlich beim indikationsgerechten Einsatz der Arzneimittel.

Kassen müssen Mehrkosten für Praxissoftware übernehmen

Anpassungsbedarf sieht die KBV auch bei der geplanten Finanzierung. „Wir brauchen eine Finanzierungsregelung zur Übernahme der Mehrkosten für die Praxissoftware durch die gesetzlichen Krankenkassen, stellte Hofmeister klar. „Es wäre untragbar, wenn Ärzte die gesetzlich gewollten Anpassungen der Praxissoftware alleine bezahlen müssten.“

Wenn das Bundesgesundheitsministerium glaube, dass nur „zeitweilig geringfügig höhere Preise“ entstünden, sei dies unrealistisch. Hofmeister erinnerte in diesem Zusammenhang an die Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans und die damit für Vertragsärzte verbundenen Mehrkosten für die Software von bis zu 1.600 Euro pro Praxis.

Abbildung der Informationen auch für Krankenhausärzte

Im Hinblick auf das Entlassmanagement fordert die KBV, dass Krankenhausärzte ebenfalls über die Beschlüsse des G-BA zur frühen Nutzenbewertung informiert werden. Die Rechtsverordnung solle regeln, dass die vorgesehenen Informationen auch in den Arzneimittelmodulen der Krankenhausinformationssysteme abgebildet werden.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten