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Praxisnachrichten

Neuerungen bei der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege

04.04.2019 - Vertragsärzte dürfen seit 1. April auch bei Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen oder mit schweren psychischen Beeinträchtigungen im Wochenbett psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen. Neben der Erweiterung des Indikationsspektrums wurde die Vergütung angehoben.

So wird eine Erstverordnung der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege jetzt mit 16,13 Euro (GOP 01422 / 149 Punkte) vergütet. Bei der Folgeverordnung sind es 16,67 Euro (GOP 01424 / 154 Punkte). Vorher waren es jeweils 14,50 Euro (134 Punkte).

Breiteres Indikationsspektrum

Mit Inkrafttreten der EBM-Änderungen zum 1. April gelten nun auch die Änderungen bei der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege, die der Gemeinsame Bundesausschuss am 19. Juli 2018 beschlossen hatte (die Praxisnachrichten berichteten).

Dabei wurden weitere Regelindikationen festgelegt, bei denen grundsätzlich Anspruch auf eine Verordnung psychiatrischer häuslicher Krankenpflege besteht. Außerdem darf diese auch bei den anderen ICD-10-GM-Diagnosen des Indikationsbereichs F00-F99 verordnet werden, wenn ein bestimmter GAF-Wert vorliegt.

GAF-Wert auf Formular angeben

Ärzte müssen den GAF-Wert seit 1. April auf der Verordnung angeben. Dazu nutzen sie die GAF-Skala, eine international wissenschaftlich anerkannte Klassifikation zur Beschreibung der psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen von psychisch erkrankten Menschen.

Bei Regelindikationen muss ein GAF-Wert ≤ 50 vorliegen, damit Ärzte psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen dürfen. Für eine Verordnung aufgrund einer anderen Erkrankung aus dem Indikationsbereich F00 – F99 muss der GAF-Wert ≤ 40 sein.

Einige weitere Fachgruppen dürfen verordnen

Grundsätzlich dürfen nur bestimmte Facharztgruppen psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen, zum Beispiel Neurologen und Psychiater.

Der G-BA hat außerdem festgelegt, dass Haus- und Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie für sechs Wochen verordnen dürfen – allerdings nur wenn eine vom verordnungsberechtigtem Facharzt gesicherte Diagnose vorliegt, die nicht älter als vier Monate ist.

Weitere Neuerungen betreffen die Häufigkeit und Dauer der Verordnung (siehe Übersicht).

Psychiatrische häusliche Krankenpflege: Vorgaben zur Verordnung und Neuerungen seit April 2019

Psychiatrische häusliche Krankenpflege kann bei psychisch kranken Patienten verordnet werden, wenn die krankheitsbedingten Fähigkeitsstörungen so stark sind, dass das Leben im Alltag nicht mehr selbständig bewältigt oder koordiniert werden kann. Bei bestimmten Indikationen besteht grundsätzlich Anspruch auf psychiatrische häusliche Krankenpflege (Regelindikationen).

Indikationsspektrum: Liste der Regelindikationen

  • F00.1 Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit spätem Beginn (Typ 1)
  • F01.0 Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn
  • F01.1 Multiinfarkt-Demenz
  • F01.2 Subkortikale vaskuläre Demenz
  • F02.0 Demenz bei Pick-Krankheit
  • F02.1 Demenz bei Creuztfeldt-Jakob-Krankheit
  • F02.2 Demenz bei Chorea Huntington
  • F02.3 Demenz bei primärem Parkinson-Syndrom
  • F02.4 Demenz bei HIV-Krankheit
  • F02.8 Demenz bei andernorts klassifizierten Krankheitsbildern
  • F04.- Organisches amnestisches Syndrom, nicht durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen bedingt
  • F06.0 Organische Halluzinose
  • F06.1 Organische katatone Störung
  • F06.2 Organische wahnhafte Störung
  • F06.3 Organische affektive Störungen
  • F06.4 Organische Angststörung
  • F06.5 Organische dissoziative Störung
  • F06.6 Organische emotional labile Störung
  • F07.0 Organische Persönlichkeitsstörung
  • F07.1 Postenzephalitisches Syndrom
  • F07.2 Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
  • F20.- Schizophrenie
  • F21.- Schizotype Störung
  • F22.- Anhaltende wahnhafte Störung
  • F24.- Induzierte wahnhafte Störung
  • F25.- Schizoaffektive Störung
  • F30.- Manische Episode
  • F31.- Bipolare affektive Störung mit Ausnahme von: F31.7 – F31.9
  • F32.- Depressive Episode mit Ausnahme von: F32.0, F32.1 und F32.9
  • F33.- Rezidivierende depressive Störung mit Ausnahme von: F33.0, F33.4, F33.8 und F33.9
  • F41.0 Panikstörung
  • F41.1 Generalisierte Angststörung

Neu seit 1. April 2019:

  • F05.1 Delir bei Demenz
  • F42.1 Vorwiegende Zwangshandlungen
  • F42.2 Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt
  • F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung
  • F53.1 Schwere psychische und Verhaltensstörungen im Wochenbett
  • F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Verordnung bei weiteren Indikationen möglich

Neben den Regelindikationen darf psychiatrische häusliche Krankenpflege seit 1. April auch bei allen anderen ICD-10-GM-Diagnosen aus dem Indikationsbereich F00 – F99 verordnet werden (Öffnungsklausel); dazu müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Zum einen müssen Fähigkeitsstörungen in einem Maß vorliegen, dass das Leben im Alltag nicht mehr selbständig bewältigt oder koordiniert werden kann (spiegelt sich in einem GAF-Wert von ≤ 40 wider).
  • Zudem muss eine ausreichende Behandlungsfähigkeit bestehen, um im Pflegeprozess die Fähigkeitsstörungen positiv beeinflussen zu können. Auch muss absehbar sein, dass psychiatrische häusliche Krankenpflege dazu beitragen kann, dass Patienten das Leben im Alltag selbständig bewältigen und koordinieren sowie Therapiemaßnahmen in Anspruch nehmen können.

Wichtig: GAF-Wert auf der Verordnung angeben

Vertragsärzte müssen seit 1. April die sogenannte GAF-Skala anwenden, wenn sie psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen. Die Verordnung kann aufgrund von Regelindikationen nur erfolgen, wenn ein GAF-Wert ≤ 50 vorliegt. Für eine Verordnung aufgrund einer Erkrankung aus dem Indikationsbereich F00 – F99 muss ein GAF-Wert ≤ 40 vorliegen.

Der GAF-Wert wird durch Anwendung der GAF-Skala ermittelt, die zur Bestimmung des Ausmaßes der Fähigkeitsstörungen herangezogen wird. Die „Global Assessment of Functioning Scale“ (GAF-Skala) ist eine international wissenschaftlich anerkannte Klassifikation zur Beschreibung der psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen von psychisch erkrankten Menschen.

Nur diese Ärzte dürfen verordnen

Nur bestimmte Facharztgruppen dürfen psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen: Fachärzte für Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Zudem dürfen Fachärzte in psychiatrischen Institutsambulanzen Leistungen der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege verordnen.

Der G-BA hat außerdem festgelegt, dass Haus- und Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie für sechs Wochen verordnen dürfen – allerdings nur wenn eine vom verordnungsberechtigtem Facharzt gesicherte Diagnose vorliegt, die nicht älter als vier Monate ist.

Damit können psychisch erkrankte Menschen mithilfe eines psychiatrischen Pflegeteams – insbesondere zur Überbrückung nach einem stationären Aufenthalt – in die fachärztliche Behandlung übergeleitet werden.

Häufigkeit und Dauer der Verordnung

Grundsätzlich ist die Verordnungsdauer je nach Einzelfall und in Abhängigkeit des individuellen Bedarfs zu bestimmen.

Dabei ist die Dauer der Erstverordnung weiterhin nur dann auf 14 Tage zu beschränken, wenn der Arzt nicht einschätzen kann, ob der Patient über eine ausreichende Behandlungsfähigkeit verfügt, um die Fähigkeitsstörungen positiv beeinflussen zu können und das Therapieziel zu erreichen. In diesen 14 Tagen ist zu prüfen, ob die Erarbeitung der Pflegeakzeptanz und der Beziehungsaufbau generell möglich sind.

Kann dies nach 14 Tagen noch nicht eingeschätzt werden, kann künftig noch eine Folgeverordnung für weitere 14 Tage ausgestellt werden. Bisher war eine solche Verlängerung des Einschätzungszeitraumes nicht möglich.

Maximalzeitraum und Frequenz

Psychiatrische häusliche Krankenpflege kann grundsätzlich bis zu vier Monate ohne weitere Begründung verordnet werden.

Seit 1. April muss dabei keine abnehmende Frequenz mehr vorliegen. Das heißt, die Abstände zwischen den Einheiten müssen nicht mehr größer werden.

Zudem besteht seit 1. April die Möglichkeit, auch regelhaft über vier Monate hinaus psychiatrische häusliche Krankenpflege zu verordnen (bisher war das nur im Einzelfall möglich). Hierfür müssen die Notwendigkeit der Weiterführung und die zu erwartenden Verbesserungen der Fähigkeitsstörungen begründet werden. Dabei ist festzuhalten, dass psychiatrische häusliche Krankenpflege keine Leistung zur dauerhaften Begleitung oder Versorgung sein soll.

Vergütung der Erst- und Folgeverordnung

Die Erstverordnung der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege wird seit 1. April mit 149 Punkten bewertet, was rund 16,13 Euro entspricht (GOP 01422). Bei der Folgeverordnung sind es 154 Punkte beziehungsweise rund 16,67 Euro (GOP 01424). Vorher waren es jeweils 134 Punkte und damit rund 14,50 Euro.

Die Anhebung hat der Bewertungsausschuss am 29. März 2019 beschlossen. Damit wird berücksichtigt, dass Ärzte jetzt den sogenannten GAF-Wert auf dem Verordnungsformular angeben müssen. Bei Folgeverordnungen floss in die Bewertung zusätzlich mit ein, dass Ärzte unter Umständen prüfen und begründen müssen, ob eine Verordnung über den maximalen Verordnungszeitraum von vier Monaten notwendig ist.

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