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Keratokonus: Hornhautvernetzung seit 1. April Kassenleistung

04.04.2019 - Bei Patienten mit fortschreitendem Keratokonus können Augenärzte seit 1. April die Hornhautvernetzung mit Riboflavin als neue Behandlungsmethode anwenden. Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben im Bewertungsausschuss die Vergütung geregelt, sodass die Abrechnung über den EBM jetzt möglich ist.

Dazu wurden mehrere Gebührenordnungspositionen (GOP) in den EBM aufgenommen. Die Abrechnung des operativen Eingriffs erfolgt mit der GOP 31364. Diese Leistung ist je Auge mit 2.704 Punkten bewertet (292,64 Euro) und kann je Auge höchstens einmal im Krankheitsfall berechnet werden.

Zur Vergütung der topographischen Untersuchung der Hornhaut wurde zudem die Grundpauschale der Augenärzte für die Altersklasse 6. bis 59. Lebensjahr (GOP 06211) um zwei Punkte angehoben. Die höhere Grundpauschale gilt für alle Behandlungsfälle, auch wenn keine UV-Vernetzung mit Riboflavin erfolgt.

Des Weiteren wurde die Hornhauttomographie als weitere diagnostische Begleitleistung mit der GOP 06362 in den EBM aufgenommen. Sie ist je Auge einmal am Behandlungstag und höchstens zweimal im Krankheitsfall berechnungsfähig. Diese Leistung ist mit 231 Punkten (25,00 Euro) bewertet. Die Sachkosten für Riboflavin (Kostenpauschale GOP 40681) werden mit 86,00 Euro erstattet.

Weitere GOP für Nachsorge

Außerdem können Augenärzte die postoperative Behandlung abrechnen. Hierfür stehen zwei neue Abrechnungsziffern bereit: die GOP 31738 für Augenärzte, die den Eingriff selbst vorgenommen haben und die GOP 31737, wenn Augenärzte die Nachsorge bei einem an sie überwiesenen Patienten durchführen (s. Übersicht).

Alle neu eingeführten Leistungen werden extrabudgetär und damit zu festen Preisen bezahlt. Im Zusammenhang mit der Höherbewertung der Grundpauschale wird die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) entsprechend angehoben.

Behandlungsoption bei fortschreitendem Keratokonus

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte 2018 beschlossen, die Behandlungsmethode in den Leistungskatalog aufzunehmen (die PraxisNachrichten berichteten). Die Hornhautvernetzung mit Riboflavin darf laut G-BA bei Patienten mit fortschreitendem Keratokonus und einer subjektiven Sehverschlechterung angewendet werden.

Ein Fortschreiten liegt vor, wenn innerhalb von zwölf Monaten entweder die Zunahme der maximalen Hornhautbrechkraft um ≥ 1 Dioptrien oder die Zunahme des Astigmatismus um ≥ 1 Dioptrien oder eine Abnahme der Basiskurve der bestsitzenden Kontaktlinse um ≥ 0,1 Millimeter festgestellt wurde.

Vorgaben zur Indikationsstellung

Augenärzte müssen für die Indikationsstellung zwei Messungen der Hornhautbrechkraft vornehmen, entweder mit demselben Messgerät oder mit einem Gerät, dessen Messung vergleichbar ist.

Vor dem Eingriff muss zudem eine Hornhauttomographie erfolgen, um sicherzustellen, dass die Hornhaut auch an der dünnsten Stelle mindestens 400 Mikrometer beträgt.

Die neuen GOP im Überblick

GOP Leistung Bewertung
06362 Hornhauttomographie als diagnostische Begleitleistung 231 Punkte / 25,00 Euro je Auge
31364 Hornhautvernetzung mit Riboflavin (als ophthalmochirurgischer Eingriff der Kategorie YY4 gemäß OPS-Code 5-126.8) 2.704 Punkte / 292,64 Euro je Auge
31737 Postoperative Behandlung im Anschluss an den Eingriff nach GOP 31364 bei Überweisung durch den Operateur 347 Punkte / 37,55 Euro
31738 Postoperative Behandlung im Anschluss an den Eingriff nach GOP 31364 bei Erbringung durch den Operateur 159 Punkte / 17,21 Euro
40681 Kostenpauschale Riboflavin 86,00 Euro

Vergütung: Die neuen Leistungen werden extrabudgetär vergütet. Zur Vergütung der topographischen Untersuchung der Hornhaut wurde zudem die Grundpauschale der Augenärzte für Patienten in der Altersklasse 6. bis 59. Lebensjahr (GOP 06211) um zwei Punkte angehoben und die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) entsprechend erhöht.

Keratokonus: Verlauf und Therapie

Der Keratokonus ist eine degenerative Erkrankung der Hornhaut des Auges, die typischerweise im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter beginnt. Sie führt meist an beiden Augen zu einer kegelförmigen Verformung der Hornhaut, die mit einer Trübung und Verdünnung der Hornhaut einhergeht und zu einer zunehmenden Sehverschlechterung führt.

Es gibt keine kausale Therapie des Keratokonus. Die eingeschränkte Sehleistung wird in frühen Stadien durch eine Brille und bei fortgeschrittenem Astigmatismus durch spezielle formstabile Kontaktlinsen korrigiert. Mit fortschreitender Erkrankung kann schließlich eine Hornhauttransplantation notwendig werden. Durch Einsatz der Hornhautvernetzung soll diese verzögert oder vermieden werden.

Bei der Hornhautvernetzung wird die Hornhaut zunächst mit Riboflavin (Vitamin B2) beträufelt. Anschließend soll durch Ultraviolett-Strahlung eine Stabilisierung der Hornhautfibrillen erreicht werden, um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.

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