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KBV: Streichung der Anreize für DMP riskiert das Ende der innovativen Versorgungsform

25.04.2019 - Scharfe Kritik hat die KBV an der ersatzlosen Streichung der Programmkostenpauschale für Disease-Management-Programme geübt. Die Streichung ist im Referentenentwurf zum „Gesetz für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Krankenversicherung“ vorgesehen. Mit der Regelung werde riskiert, diese innovative Form der Versorgung wieder ersatzlos zu beenden.

Die Pauschale fließe für jeden in ein Disease-Management-Programm (DMP) eingeschriebenen Patienten aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkasse. Fällt sie weg, gibt es aus Sicht der KBV keinen Anreiz für Krankenkassen mehr, solche Programme anzubieten.

Mit der Ausrichtung der Versorgung auf chronisch Kranke hätten diese strukturierten Behandlungsprogramme erstmalig Versorgungsabläufe möglich gemacht, die nachhaltig einen wesentlichen Versorgungsbeitrag zur Therapie der ständig steigenden Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus oder koronare Herzkrankheit (KHK) leisten, heißt es in der Stellungnahme der KBV.

DMP besser als „Flickenteppich“ anderer Vertragsformen

Die in der Gesetzesbegründung angeführte Privilegierung der DMP gegenüber anderen Versorgungsformen sei unabdingbar, da „die Erarbeitung nach klar definierten Kriterien evidenzbasiert sowie systematisch erfolgt und deren Umsetzung eine leitliniengerechte Versorgung gewährleistet". Damit stellten die DMP „auf nationaler Ebene konsentierte Standards der Versorgung der großen Volkskrankheiten dar und zeigen deutliche qualitative Unterschiede zum ‚Flickenteppich‘ anderer selektiver Vertragsformen“.

Erst durch die DMP sei eine bundeseinheitliche digitale Dokumentation der wesentlichen Behandlungsschritte und - ergebnisse möglich geworden, die jetzt zur Disposition gestellt werde. In der Stellungnahme wird weiter betont, dass die hohen Qualitätsanforderungen an die Erstellung und Umsetzung von DMP eine finanzielle Förderung unverzichtbar machten.

Fast sieben Millionen Patienten in DMP

Bislang gibt es bundesweit Behandlungsprogramme für Asthma bronchiale, chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD), Diabetes Typ 1 und 2, KHK und Brustkrebs sowie seit kurzem für Herzinsuffizienz. Erst in der vergangenen Woche hatte der Gemeinsame Bundesausschuss die inhaltlichen Anforderungen an das neue DMP zu chronischem Rückenschmerz beschlossen.

Seit Einführung der DMP vor mehr als 15 Jahren nehmen aktuell fast sieben Millionen Patienten daran teil. Bundesweit sind derzeit knapp 10.000 Programme zugelassen.

Individuelle Patientenbegleitung

Ziel ist es, durch eine optimale ambulante Begleitung der Patienten mit Schulungen und leitliniengerechter medikamentöser Therapie eine gute Lebensqualität zu erhalten und stationäre Behandlungen zu verhindern. Die Teilnahme ist für die Patienten freiwillig. Voraussetzung ist eine gesicherte Diagnose und die Bereitschaft des Versicherten, sich aktiv an dem Programm zu beteiligen.

Patienten profitieren in hohem Maße

Die bundesweiten Auswertungen der DMP-Programme der KBV zeigen, dass vor allem die Qualitätsziele hinsichtlich einer leitliniengerechten Medikation erreicht werden. Das betrifft in erster Linie Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und KHK.

Darüber hinaus konnten bei allen DMP-Indikationen notfallmäßige stationäre Behandlungen weitgehend verhindert werden. Gute Ergebnisse liegen ebenfalls bei der Blutdruckeinstellung bei Hypertonikern und bei der Stoffwechseleinstellung von Diabetikern vor. Regelmäßige Fußuntersuchungen und augenärztliche Kontrollen sind mit den DMP zum Standard bei der Diabetesbehandlung geworden.

Insgesamt profitieren chronisch Kranke von den DMP in hohem Maße. Das ergaben auch Studien, die DMP- Patienten mit Nicht-DMP-Patienten verglichen haben. Gravierende Komplikationen wie Amputationen und Erblinden infolge eines Diabetes treten bedeutend seltener auf als bei Nicht-DMP-Patienten.

Fakten zu den Disease-Management-Programmen

  • Ein Disease-Management-Programm (DMP) ist eine spezielle Organisationsform zur medizinischen Behandlung und Betreuung chronisch kranker Menschen.
  • DMP sollen die Versorgungsqualität verbessern durch einheitliche, wissenschaftlich gesicherte Vorgaben und Empfehlungen hinsichtlich Diagnostik und Therapie, eine intensive ärztliche Kooperation und die Stärkung der Patientenkompetenz.
  • Die behandelnden Ärzte verpflichten sich zur Kooperation und dokumentieren den Behandlungsverlauf und die -ergebnisse für ihre Patienten – auf dieser Datenbasis erhalten sie regelmäßig Feedback-Berichte zu ihren Patienten.
  • Jedes DMP gibt spezifische Qualitätsziele zur medizinischen Betreuung der Patienten vor.

Bislang gibt es bundesweit Behandlungsprogramme für Asthma bronchiale, chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD), Diabetes Typ 1 und 2, koronare Herzkrankheit (KHK) und Brustkrebs sowie seit kurzem für Herzinsuffizienz.

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