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Praxisnachrichten

KBV gegen Grippeschutzimpfung durch Apotheker

09.05.2019 - Apotheker sollen nach den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn künftig gegen Grippe impfen dürfen. Die KBV lehnt dies ab. „Impfungen sind mehr als die Injektion und nicht ohne Grund eine originär ärztliche Aufgabe“, betonte KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister. Er warnte vor einer Gefährdung des Patientenwohls.

Die KBV fürchtet, dass die von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgesehenen Modellvorhaben, das „hohe Qualitätsniveau von Impfleistungen“ absenken könnte. So könnten seltene, aber schwerwiegende Komplikationen auftreten, die etwa im Falle eines allergischen Schocks sofortiger ärztlicher Notfallmaßnahmen bedürfen, heißt es in der Stellungnahme zum Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken.

Einmalschulung reicht nicht aus

Darin weist die KBV darauf hin, dass zu einer Impfung auch die Impfanamnese, die Aufklärung, der Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen sowie bei bestehenden Erkrankungen die Bewertung, ob eine Impfung durchgeführt werden könne, gehören. All dies setze eine entsprechende ärztliche Aus- und Weiterbildung voraus, „über die Apotheker jedoch nicht verfügen“. Eine einmalige theoretische ärztliche Schulung der Apotheker sei „keinesfalls ausreichend“.

KBV: Engpässe bei Impfstoffen beheben

Nach Einschätzung der KBV haben Versicherte angesichts der flächendeckenden Versorgung durch niedergelassene Ärzte ausreichend Möglichkeiten, sich impfen zu lassen. Problematisch hinsichtlich der unzureichenden Impfquoten seien vielmehr die wiederkehrenden Engpässe bei Grippeimpfstoffen in den vergangenen Jahren gewesen, unter anderem aufgrund von Rabattverträgen von Krankenkassen mit pharmazeutischen Unternehmern.

Bestellung ohne Regressdruck

Um die Impfquoten zu erhöhen, schlägt die KBV deshalb vor, die Vorbestellungsmöglichkeit so zu regeln, „dass für Vertragsärzte die notwendige Verordnungssicherheit gegeben ist, den Grippeimpfstoff – unabhängig von der schwankenden Inanspruchnahme durch die Versicherten – ohne Regressbedrohung in ausreichender Menge vorzubestellen und zu verordnen“.

Gleichzeitig müsse eine entsprechende Neuregelung den Impfstoffherstellern genügend Planungssicherheit geben, um Lieferengpässe zukünftig zu vermeiden.

Gesetzgeber will ortsnahe Apotheken stärken

Mit dem vorliegenden Referentenentwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken soll die flächendeckende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung durch ortsnahe Apotheken gestärkt werden. Die KBV begrüßt dieses Vorhaben zwar grundsätzlich, aus ihrer Sicht sind die vorgesehenen Maßnahmen wie die Einführung zusätzlich honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen hierfür allerdings nicht geeignet.

Dazu zählen insbesondere die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement. Beides setze eine „ärztliche Expertise sowie ärztliche Kenntnisse voraus, über die der Apotheker nicht verfügt“, moniert die KBV in ihrer Stellungnahme. Zudem lägen dem Apotheker „keine oder nur rudimentäre Informationen zu den Vor- und Begleiterkrankungen des Versicherten vor“. Das gleiche gelte für klinische oder laborchemische Befunde, die der jeweiligen Indikationsstellung und Auswahl des Wirkstoffs zugrunde liegen.

Aus Sicht der KBV kann eine Einbindung der Apotheker in die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement grundsätzlich sinnvoll sein – und zwar im Rahmen von strukturierten Betreuungsprozessen mit klaren Aufgabenteilungen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Modellvorhaben ARMIN in Sachsen und Thüringen. Eine solche Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern sei in dem Gesetzentwurf nicht vorgesehen.

KBV gegen Folgerezepte ohne Arzt-Kontakt

Ebenfalls kritisch bewertet die KBV den Vorschlag, dass chronisch kranke Patienten ein und dasselbe Rezept bis zu vier Mal im Jahr einlösen können, wenn der Arzt dies entsprechend kennzeichnet. Gerade Patienten mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen müssten regelmäßig überwacht werden. Zudem könnten solche Wiederholungsverordnungen dazu führen, dass Versicherte insbesondere neu auftretende Risiken falsch einschätzten und ihren Arzt nicht erneut aufsuchten.

Die Anhörung der Verbände zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken findet am 23. Mai statt.

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