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Reform der Bedarfsplanung beschlossen: 3.500 neue Sitze für Ärzte und Psychotherapeuten

16.05.2019 - In der ambulanten Versorgung werden rund 3.500 zusätzliche Arzt- und Psychotherapeutensitze geschaffen. Das ist ein Ergebnis der überarbeiteten Bedarfsplanung, die der Gemeinsame Bundesausschuss heute beschlossen hat. Neue Niederlassungsmöglichkeiten gibt es danach vor allem für Hausärzte und Psychotherapeuten.

Zu den Neuerungen gehört, dass bei der Festlegung des Bedarfs neben der Zahl der Einwohner sowie deren Alter und Geschlecht künftig noch stärker die Morbidität berücksichtigt wird. Aufgrund des neuen Morbiditätsfaktors wurden die Verhältniszahlen aller Ärzte und Psychotherapeuten zur Einwohnerzahl in einem Planungsbereich neu berechnet. Für einige Fachgruppen wurde zudem das Versorgungsniveau systematisch angehoben.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) greift mit dem Beschluss wesentliche Impulse des Gutachtens zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung auf, das er 2017 in Auftrag gegeben hatte und das im Sommer 2018 veröffentlicht wurde.

Zuwachs der einzelnen Fachgruppen

Durch die Reform der Bedarfsplanung ergeben sich insgesamt rund 3.500 neue Niederlassungsmöglichkeiten. Den größten Zuwachs verzeichnen Hausärzte mit rund 1.500 neuen Sitzen, Psychotherapeuten mit rund 800, Nervenärzte mit rund 480 und Kinder- und Jugendmediziner mit rund 400 neuen Sitzen.

Hofmeister: Mehr Ärzte zunächst nur auf dem Papier

Mit dem jetzt gefassten Beschluss halte die Selbstverwaltung die Frist 1. Juli 2019 ein, die die Politik mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz für die Reform vorgegeben hat, betonte KBV-Vize-Vorstandschef Dr. Stephan Hofmeister. Den Zeitplan für die Umsetzung nannte er „sportlich“. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und Landesverbände der Krankenkassen hätten ab Inkrafttreten des Beschlusses sechs Monate Zeit, die neuen Vorgaben umzusetzen.

Die neue Richtlinie bildet Hofmeister zufolge den Bedarf an Ärzten und Psychotherapeuten noch besser ab und ermöglicht eine passgenauere Planung. Es müsse aber allen klar sein, dass „mit dem Beschluss zunächst nur mehr Sitze auf dem Papier geschaffen werden. Neue Ärzte gibt es damit nicht auf Knopfdruck“, sagte er. Es sei weiterhin erforderlich, den Arztberuf attraktiver zu machen und sich aktiv um den ärztlichen und psychotherapeutischen Nachwuchs zu kümmern, da Planung keinen Mangel beseitigen kann.

Neue Quoten für Internisten, Nervenärzte und Psychosomatiker

Änderungen gibt es bei der Planung von Sitzen für Facharztinternisten mit bestimmten Schwerpunkten. Die Gruppe wird zwar weiterhin gesamthaft geplant. Neu sind aber Mindestquoten und Maximalquoten, um ein ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Schwerpunkte sicherzustellen und dem Aufkauf von Praxen kleinerer Schwerpunkte vorzubeugen.

So wird für Kardiologen, Gastroenterologen, Pneumologen und Nephrologen eine Obergrenze eingeführt. Sie legt letztlich fest, wie viele Internisten eines Schwerpunktes es in einem Planungsbereich maximal geben soll.

Dies kann Auswirkungen auf die Nachbesetzung haben: Wird beispielsweise die Obergrenze der Kardiologen von 33 Prozent überschritten, darf der freie Sitz eines Gastroenterologen oder eines Rheumatologen nicht mit einem Kardiologen besetzt werden. Bestehende Arztsitze können gleichwohl nachbesetzt werden.

Bei den Rheumatologen wird eine Mindestquote von zunächst acht Prozent eingeführt. Das heißt: Acht Prozent der Facharztinternisten sollen laut Bedarfsplanung Rheumatologen sein. In Planungsbereichen, wo die Quote nicht erreicht wird, können sich Bewerber in dem sonst für Internisten gesperrten Bereich niederlassen. So entstehen rund 100 zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten für Rheumatologen.

Weitere Mindestquoten gib es für Nervenärzte, für die Verteilung der Psychiater und Neurologen sowie für Psychosomatiker.

Erreichbarkeit für vier Fachgruppen vorgegeben

Die regionalen Landesausschüsse können schon jetzt einen zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarf feststellen, wenn die Versorgung der Bevölkerung in einer Region (perspektivisch) nicht sichergestellt werden kann. Für die Prüfung eines solchen Bedarfs soll künftig die Erreichbarkeit der Ärzte stärker berücksichtigt werden – zunächst für vier Fachgruppen.

Danach sollen 95 Prozent der Patienten der Region zum Hausarzt nicht länger als 20 Minuten Fahrtzeit mit dem Auto benötigen. Die Erreichbarkeit für Kinder- und Jugendmediziner wurde auf 30 Minuten, für Gynäkologen und Augenärzte auf 40 Minuten festgelegt.

Aktualisierung der Gebietsstände

Im Zuge der Reform hat der G-BA gleichzeitig die Zuschnitte der Planungsbereiche sowie deren Typisierung an die aktuellen Gebietsstände der Landesplanung angepasst. Dadurch können sich im Einzelfall Änderungen in der Zusammensetzung der Planungsbereiche ergeben.

Bundesgesundheitsministerium prüft Beschluss

Das Bundesgesundheitsministerium hat nun zunächst zwei Monate Zeit, den Beschluss des G-BA zu prüfen. Bei Nichtbeanstandung wird er im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt am Folgetag in Kraft. Mit Inkrafttreten beginnt die sechsmonatige Frist der Kassenärztlichen Vereinigungen für die Umsetzung.

Letzte Reform 2012

Die letzte große Reform der Bedarfsplanung wurde 2012 beschlossen und ging auf das Versorgungsstrukturgesetz zurück. Damals wurden unter anderem ein neuer Demografiefaktor sowie vier Versorgungsebenen eingeführt, in denen Ärzte und Psychotherapeuten seitdem unterschiedlich feinmaschig verteilt sind.

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