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QES hemmt Digitalisierung

KBV: Elektronische Signatur darf Praxisabläufe nicht stören

23.05.2019 - Die KBV hat ihre Forderung nach einem einfachen Verfahren für die elektronische Signatur von Rezepten und AU-Bescheinigungen bekräftigt. Das vom Gesetzgeber präferierte Verfahren würde die Praxisabläufe verkomplizieren und zu viel Zeit kosten, sagte Vize-Vorstandschef Dr. Stephan Hofmeister in einem KV-on-Interview.

„Es muss gelingen, eine elektronische Unterschrift schneller und aufwandsärmer hinzukriegen“, sagte er. Wenn jedes elektronische Rezept nach jetziger Planung mit der qualifizierten elektronischen Signatur des Arztes versehen werden müsse, sei das „eine ungeheure Verkomplizierung“.

Hofmeister: Viel zu zeitaufwändig

„Das lehnen wir strikt ab“, betonte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende und erläuterte: „Eine händische Signatur dauert nicht einmal eine Sekunde. Das qualifizierte Signieren wird viele Sekunden dauern – 10, 20 und wenn es nicht gut läuft auch 30 Sekunden, es bedeutet also eine Vervielfachung der Zeit“.

Ärzte müssten bei jedem Rezept zunächst ihren Heilberufsausweis (eHBA) in ein Kartenterminal stecken, eine persönliche Identifikationsnummer (PIN) eingeben, die Signatur-Erstellung am Praxisrechner  auslösen und anschließend auch noch das Ergebnis abwarten – und das bei zum Teil hunderten Rezepten am Tag.

KBV will sinnvolle Digitalisierung erreichen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Digitalisierung im Gesundheitsbereich vorantreiben und hat hierzu den Entwurf für ein „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ vorgelegt (die PraxisNachrichten berichteten). Die KBV sieht darin sinnvolle Ansätze, verwies aber darauf, dass die Digitalisierung die Arbeit erleichtern solle und nicht für mehr Arbeitsaufwand sorgen dürfe.

Im Interview mit KV-on betont Hofmeister, die KBV sei keinesfalls ein Bremser der Digitalisierung, aber „wir hätten gern eine sinnvolle Digitalisierung gut laufender Prozesse in den Praxen. Die würden wir gerne gestalten, und das würden sicher auch die Kolleginnen und Kollegen mitmachen", sagte Hofmeister.

Der Gesetzgeber wolle aber ausdrücklich die qualifizierte elektronische Signatur (QES; siehe Infokasten), die dem höchsten Sicherheitsstandard entspricht. Dabei gebe es auch andere Formen, die weniger aufwändig sind und trotzdem Sicherheit bieten.

Absurdität bei der AU-Bescheinigung

Zur AU-Bescheinigung sagte Hofmeister: „Hier gibt es eine neue Absurdität, dass der Arzt nämlich gezwungen werden soll, das für die Krankenkassen elektronisch zu machen und parallel immer noch einen Papierausdruck für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu erstellen und zu unterschreiben. Das ist so ein bisschen wie Gürtel und Hosenträger und wird die Unlust in Richtung dieser Art der Digitalisierung weiter vertiefen“.

Keine Direktabgabe an den Arbeitgeber

Bei der Digitalisierung der AU-Bescheinigung werde auch diskutiert, dass Praxen diese direkt an den Arbeitgeber des Patienten übermitteln. „Das lehnen wir strikt ab“, betonte Hofmeister. Zur Begründung sagte er: „Es gibt keinerlei Beziehung zwischen einem behandelnden Arzt und einem Arbeitgeber. Das darf also auch auf gar keinen Fall durch die Hintertür mit der elektronischen AU-Bescheinigung kommen.“

Qualifizierte elektronische Signatur

Eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) ist rechtlich das digitale Äquivalent der händischen Unterschrift und entspricht dem derzeit höchsten Sicherheitsstandard.

Allerdings ist das Verfahren aufwändig, es nimmt aus Sicht der KBV zu viel der kostbaren Arztzeit in Anspruch und verkompliziert Praxisabläufe, die bisher reibungslos funktionieren. So müsste der Arzt für jede Unterschrift, die er bisher praktisch in Sekundenschnelle handschriftlich auf ein Rezeptformular setzen kann, am Praxisrechner erst seine Arztkarte (den elektronischen Heilberufsausweis) einführen, eine persönliche Identifikationsnummer (PIN) eingeben und die entsprechende Verifizierung abwarten.

KBV will sinnvolle Digitalisierung und schlägt elektronisches Siegel vor

Die KBV will eine sinnvolle Digitalisierung gut laufender Prozesse in den Praxen erreichen. In ihrer Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) hat sie vorgeschlagen, dass elektronische Rezepte (eRezepte) mittels eines elektronischen Siegels (auf Basis des Praxisausweises „SMC-B“) unterschrieben werden dürfen.

Konkret heißt es in der Stellungnahme der KBV: „Das Niveau an Sicherheit, Identifizierbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Rechtsverbindlichkeit durch die Einführung eines elektronischen Siegels zur eindeutigen Identifikation einer Arztpraxis wäre ausreichend, um den spezifischen Anforderungen in der vertragsärztlichen Versorgung gerecht zu werden und zeitnah ein eRezept umzusetzen, das gleichermaßen hohe rechtliche Anforderungen erfüllt und gleichzeitig in der Praxis handhabbar ist. Eine Authentifizierung der verschreibenden Person kann über die bereits heute bestehende verpflichtende Angabe des verschreibenden Arztes im elektronischen Rezept sichergestellt werden.“ Stellungnahme der KBV zum Entwurf eines Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) – Seite 10

QES auch für AU-Bescheinigung vorgesehen

Für elektronisch ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU-Bescheinigungen) ist die QES bereits fast beschlossene Sache: Das am 11. Mai 2019 in Kraft getretene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) verpflichtet Ärzte ab 1. Januar 2021, die Arbeitsunfähigkeitsdaten ihrer Patienten direkt und digital an die Krankenkasse des Patienten zu übermitteln. Ebenso müssen die Daten (digital oder auf Papier) auch dem Patienten zur Verfügung gestellt werden. Bei digitaler Übermittlung ist laut Gesetzesbegründung eine qualifizierte elektronische Signatur des unterzeichnenden Arztes Pflicht. KBV-Themenseite TSVG

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